Gesundheit: Professor Stefan Sack

Bluthochdruck – Schleichende Gefahr für die Gefäße

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Wenn die Gefäße eng werden, steigt der Blutdruck. Mit der modernsten Katheter-Anlage weltweit kann Chefarzt Prof. Stefan Sack solche Engpässe erkennen.

Mehr als die Hälfte aller Menschen über 65 Jahren hat Bluthochdruck. Was Sie tun können und auf was Sie achten sollten...

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Derzeit dreht sich alles um Krankheiten, die besonders Ältere häufig plagen – zum Beispiel Blut- hochdruck. Warum Hypertonie viel gefährlicher ist als viele denken und wie man Druck verringern kann, erklärt der Kardiologie-Experte Professor Stefan Sack.

35 Millionen Deutsche leiden dem Robert-Koch-Institut zufolge an Bluthochdruck, fast 14 Millionen ohne es zu wissen: „Es tut nicht weh, deswegen achten viele nicht auf ihren Blutdruck und messen ihn nicht“, sagt Professor Stefan Sack, Chefarzt für Kardiologie in der München Klinik Neuperlach. 

Dabei kann das fatal sein: Bei Hypertonikern ist das Risiko für einen Schlaganfall bis zu vier Mal höher als bei Menschen mit normalem Blutdruck. „Ein zu hoher Blutdruck schädigt die Gefäße und führt oft schleichend zu einer Verengung, im Extremfall auch zu einem Herzinfarkt“, warnt der Kardiologe. Wer längere Zeit über einem Wert von 140 zu 90 liegt, leidet nach aktuellen Standards an Blut­hochdruck. 

„Kurzfristig kommt jeder mal so hoch, etwa beim Treppensteigen oder wenn man sich ärgert“, sagt der Experte. Bei einer Langzeitmessung sollte der Wert nicht mehr als 20 Prozent der Zeit überschritten werden. 

Bluthochdruck wird erst bei regelmäßiger Kontrolle erkannt.

Im Alter kommt das aber häufig vor: Ab 65 Jahren sind 56,5 Prozent der Frauen und 54,3 Prozent der Männer Hypertoniker. „Mit dem Alter nimmt die Dehnbarkeit der Gefäße ab“, erklärt Professor Sack den Grund. Da das Blut in Wellen durch den Körper gepumpt wird, ist der Blutdruck dann höher, wenn die Gefäße steifer sind. 

Dass es dazu kommt, hat verschiedene Ursachen: Rauchen, ein hoher Cholesterinwert oder Diabetes führen zu Ablagerungen in den Blutgefäßen, Bewegungsmangel lässt sie zusätzlich versteifen. „Aber die erbliche Anlage ist bei Bluthochdruck der vorrangige Faktor.“ 

Dennoch: Mit einer Gewichtsreduktion und Bewegung könne man viel bewirken – vor allem bei Patienten, deren Werte im Grenzbereich zum Bluthochdruck liegen. „Das gilt für jedes Alter“, so der Experte. So trainiere man beim Ausdauersport auch seine Blutgefäße. 

Wem das nicht hilft, der kann auf Medikamente zurückgreifen. „Heute lässt sich meist mit wenigen Medikamenten der Blutdruck optimal einstellen“, sagt Professor Sack. Bei älteren Patienten müsse man aber im Blick haben, dass einige Wirkstoffe die Nierenfunktion einschränken können. Nicht der Fall sei das bei sogenannten Calciumantagonisten. „Die wirken direkt an den Gefäßen.“ 

Romy Ebert-Adeikis

So messen Sie den Blutdruck richtig

„Mindestens einmal im Jahr sollte man seinen Blutdruck messen – auch als junger Mensch“, empfiehlt Chefkardiologe Professor Stefan Sack. Ältere sollten sogar besser vier Mal im Jahr zum Messgerät greifen. 

Wichtig ist dabei aber auch das wie: „Am besten man misst in einer entspannten Atmosphäre. Man sollte vorher mindestens fünf Minuten ruhig gesessen haben.“ Andernfalls kann ein höherer Wert angezeigt werden – der sogenannte Office-Blutdruck. 

Ähnlich verhält es sich bei Messungen beim Arzt, wo die Patienten auch noch aufgeregt sind. „Deswegen ist für uns die häusliche Messung oft entscheidend.“

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Eine große Auswahl weiterer Gesundheitsthemen finden Sie in unserer Serien-Übersicht.

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