Gesundheit: Dr. Andreas Lenich

Arthrose – über 80 trifft’s fast jeden

+
Für den Sport-Start ist man nie zu alt.

In den nächsten Wochen beleuchtet Hallo Themen rund um das Motto "Volkskrankheiten im Alter". Heute das Thema: "Arthrose – Überbelastung und Bewegungsmangel machen Gelenken zu schaffen", erklärt von Dr. Andreas Lenich

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Ab sofort dreht sich alles um Krankheiten, die besonders Ältere plagen – zum Beispiel Arthrose. Wie man dem Gelenkverschleiß vorbeugen kann, wie er heute therapiert wird und warum vor 1960 Geborene besonders oft betroffen sind, erklärt Dr. Andreas Lenich vom Helios Klinikum München West.

Wir brauchen sie für jede Bewegung und muten ihnen dabei nicht selten Kraftakte zu: unsere Gelenke. „Ein Hüftgelenk wird beispielsweise zum Teil mit dem Achtfachen unseres Körpergewichts belastet“, sagt Dr. Andreas Lenich, Chefarzt für Orthopädie am Helios Klinikum München West in Pasing. 

Dr. Andreas Lenich vom Helios Klinikum München West.

Kein Wunder, dass viele Ältere über Abnutzungserscheinungen ihrer Gelenkknorpel klagen: Arthrose. „Über 80 Jahren trifft es eigentlich jeden“, weiß Lenich über die häufigste Gelenkkrankheit weltweit. „Die Ausprägung der Krankheit ist aber unterschiedlich. Nicht jeder Betroffene hat Schmerzen oder echte Beschwerden, wenn Knorpelzellen kaputtgehen.“ 

Heilbar ist das derzeit nicht: „Ist der Knorpel weg, kann er nicht wieder aufgebaut werden.“ Gelenkknorpel wirken wie ein Stoßdämpfer zwischen Knochen. Dafür müssen sie mit ausreichend Gelenkflüssigkeit genährt sein. Ist das aufgrund von Überbelastung oder Bewegungsmangel nicht gewährleistet, löst sich die Trennschicht auf. Treffen die Knochen irgendwann aufeinander oder verzahnen sich, wird es schmerzhaft. 

„Typischerweise macht sich Arthrose durch einen sogenannten Ruhe- und Anlaufschmerz bemerkbar, zum Beispiel nachts oder morgens.“ 

Athrose ist ein Schwund der Knorpelmasse im Gelenk.

Außerdem kann das Gelenk anschwellen und heiß werden oder sich entzünden. „Am häufigsten betroffen sind die Gelenke, die wir am meisten belasten: Knie und Hüfte“, sagt der Experte. Das hängt auch mit Fehlstellungen wie O-Beinen oder Hüftformveränderungen zusammen. 

„Heute wird jedes Kind bei der Geburt auf angeborene Fehlstellungen untersucht. Vor 1960 gab es das noch nicht.“ Bei fünf und zehn Prozent der Hüft­arthrose-Patienten sei laut Lenich die Nichtbehandlung solcher Probleme die Ursache der späteren Krankheit. 

Fast immer ist der Verschleiß aber die Folge von Überlastung durch körperliche Arbeit, Übergewicht und Bewegungsmangel. Intensives Sporteln sei hingegen nur in den seltensten Fällen das Problem. „Grundsätzlich ist Sport gut! Bei besonders gelenkbelastenden Sportarten wie Volleyball oder Fußball kommt es darauf an, ausgeglichen zu trainieren und auf ein gutes Schuhwerk zu achten.“ 

Denn Bewegung ist dem Chef­arzt zufolge die beste Arthrose-Prophylaxe, weil nur dabei neue Gelenkflüssigkeit gebildet wird. „Am besten ist es, mindestens zwei Mal die Woche für eine Stunde Sport zu machen oder täglich mindestens 30 Minuten in Bewegung zu sein – egal ob beim Spaziergang, bei Gymnastik oder Tai Chi.“ 

rea

Therapie: Das sind die Möglichkeiten

Arthrose ist nicht heilbar – ein neues Gelenk aber nicht die einzige Lösung. „Zuerst versucht man es mit Ausgleich“, sagt Dr. Andreas Lenich vom Helios Klinikum München West. So können Schuheinlagen, Schienen, gezieltes Training oder eine Diät das betroffene Gelenk entlasten. 

Immer häufiger wird – inzwischen auch bei Patienten ab 60 Jahren – eine Umstellung der Körper­achse oder Beinbegradigung durchgeführt. „So wird die Belastung, die in solchen Fällen nur auf einem Teil des Gelenks liegt, wieder auf das ganze Gelenk gebracht“, so Lenich. 

Eine Knorpeltransplantation sei hingegen eher bei jüngeren Patienten zu empfehlen. „Wenn die Arthrose auf dem Röntgenbild sichtbar ist, zum Beispiel, weil der Gelenkspalt verschwunden ist, es knöcherne Ausweitungen oder Zysten im Knochen gibt, ist nur ein Gelenkersatz möglich“, so Lenich. 

Jeden Tag gibt es in seiner Klinik, die auf Alterstraumatologie spezialisiert ist, mindestens eine solche Operation. „Das ist bei uns Standard.“ Wie lange es dauert, bis man danach wieder richtig mobil ist, ist vom Alter abhängig. 

Bei 75-Jährigen müsse man Lenich zufolge mit vier bis sechs Wochen rechnen – „davon etwa eine Woche im Klinikum und drei Wochen in der Reha.“

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Eine große Auswahl weiterer Gesundheitsthemen finden Sie in unserer Serien-Übersicht.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Umwerfende Leistung – Ringerin aus München ist deutsche Meisterin
Umwerfende Leistung – Ringerin aus München ist deutsche Meisterin

Kommentare