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Münchens Älteste (16): Dieser Straßenname existiert schon seit dem Mittelalter 

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Nur noch Brunnen und Name erinnern an das frühere Treiben auf dem Rindermarkt.
Nur noch Brunnen und Name erinnern an das frühere Treiben auf dem Rindermarkt. © Patricia Stücher

Münchens ältester Straßenname existiert bereits seit dem Mittelalter und ist heute circa 840 Jahre alt. Die Geschichte hinter dem Namen und dem dazugehörigen Platz:

München ‒ eine Stadt mit Geschichte und Geschichten: In unserer aktuellen Serie begibt sich Hallo auf die Suche nach den ältesten Vertretern ihrer jeweiligen Gattung. Manches ist sogar älter als die 864 Jahre alte Isarmetropole selbst. Diesmal stellen wir Ihnen den ältesten Straßennamen vor.

Ältester Straßenname Münchens: Straßenzug wurde zu Platz

Im Mittelalter war die Stadt nur 17 Hektar groß und bestand größtenteils aus verschiedenen Märkten. Der Rindermarkt, früher noch mit der lateinischen Bezeichnung „in foro pecorum“, wird erstmals in den Jahren 1242 bis 1251 erwähnt. In dieser Zeit werden erste Einkünfte des Klosters Tegernsee zu München datiert, die vom Viehhandel stammen – so steht es in der „Chronik der Stadt München“. Mit einem Alter von etwa 780 Jahren handelt es sich demnach beim „Rindermarkt“ um den ältesten überlieferten und noch erhaltenen Straßennamen.

Die faszinierende Geschichte hinter Münchens ältester Kirche

„Anfangs war es gar kein direkter Platz, sondern nur ein Straßenzug“, berichtet die Stadtführerin Stephanie Graßl. Außerdem wurde fälschlicherweise der Rindermarkt auch mal „bei den Watmangern“ (Tuchhändler) genannt. Dem widerspricht die Chronik der Stadt. Es wird davon ausgegangen, dass die Tuchhändler ihre Stände zwischen dem alten Rathausturm und der Einmündung des Markts hatten.

Münchens ältester Straßenname: Heutige Gestaltung nach dem Zweiten Weltkrieg

„Wie lange jedoch am Rindermarkt wirklich Vieh verkauft wurde, kann man schwer sagen. Jedoch wurde der Platz am 21. Januar 1363 auch als Stadtviertel erwähnt“, sagt Graßl. Vornehme Patrizier errichteten dort ihre Wohnhäuser und der heutige Löwenturm wurde – wohl als Wasserspeicher für eine Gartenanlage – erbaut.

So wie der Platz heute aussieht, wurde er erst nach dem Zweiten Weltkrieg gestaltet. Nachdem die Häuser von den Bombenangriffen schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden, baute man die ursprüngliche Straße, die in Richtung Oberanger führte, wieder auf und erweiterte den Rindermarkt zum aktuellen Platz.

So alt ist Münchens älteste Ampel

„Heute wirkt er als Ruhepol der Altstadt und viele Veranstaltungen, wie Stadtgründungsfest oder der Kripperlmarkt finden dort statt“, berichtet die 54-Jährige. An das frühere Treiben erinnert heute nur noch der Name und eine Brunnenanlage. „Der Münchner Bildhauer Josef Henselmann hat das stufenförmige Becken mit einem Hirten und drei Rindern 1964 errichtet“, erzählt Graßl.

Ältester Turm: Wasserspeicher oder Schutz? 

Am Rindermarkt steht noch etwas Historisches: der Löwenturm. Noch heute gibt er Rätsel auf: Wann wurde er erbaut? Und wofür? Laut dem Schild an der Außenfassade des Rohbacksteinbaus wird er als legendärer Rest der ersten Stadtmauer betitelt. „Das stimmt jedoch nicht, da seine Mauern dafür eine zu geringe Stärke aufweisen“, sagt Graßl. Wahrscheinlicher sei, dass der 23 Meter hohe Riese im 14. Jahrhundert als Wasserturm für eine Gartenanlage erbaut wurde, da unter ihm auch der Angerbach floss. 2005/2006 wurde das Denkmal für über eine Million Euro restauriert und erstrahlt seitdem im jetzigen Glanz.


Münchens ältester Turm steht ebenfalls am Rindermarkt.
Münchens ältester Turm steht ebenfalls am Rindermarkt. © Patricia Stücher

Patricia Stücher

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