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Münchens Älteste: Skelett-Fund in Freiham ist 4000 Jahre älter als die Stadt selbst

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Hier sieht man einige Teile des ältesten Münchner Skeletts – unter anderem die beiden Oberschenkelknochen des Mannes (li.), ein Teil des Beckens (u.), Schädelteile (re.) und ein paar gut erhaltene Zähne (Mitte).
Hier sieht man einige Teile des ältesten Münchner Skeletts – unter anderem die beiden Oberschenkelknochen des Mannes (li.), ein Teil des Beckens (u.), Schädelteile (re.) und ein paar gut erhaltene Zähne (Mitte). © Patricia Stücher

Münchens ältestes Skelett wurde 2018 in Freiham gefunden und liegt in der anthropologischen Staatssammlung. Was über den Knochen-Fund bekannt ist...

München – eine Stadt mit Geschichte und Geschichten: In unserer aktuellen Serie begibt sich Hallo München auf die Suche nach den ältesten Vertretern ihrer jeweiligen Gattung. Manches ist sogar älter als die Stadt selbst. Diesmal stellen wir Ihnen das älteste Skelett vor.

Skelett-Fund in Freiham 2018 - Die Uralt-Knochen aus Münchens jüngstem Viertel

15-, 40- und auch 80-Jährige gibt es bei uns in der Stadt viele. Ein Mann aus Freiham schlägt sie alterstechnisch aber alle – wenngleich es sich dabei nur noch um ein Skelett handelt. Doch das ist wohl über 4800 Jahre alt.

Es wurde 2018 bei Ausgrabungen gefunden, ehe in Freiham die Bauarbeiten für das neue Stadtviertel begannen. Zur Erinnerung: München selbst ist erst 864 Jahre alt.

Hallo hat auch bereits historisches Gestein vom Mond und Münchens älteste Schule vorgestellt. Zudem hat Hallo Münchens ältestes Tier getroffen - die Riesenschildkröte Joe.

Auch Münchens ältestes Bauwerk konnte Hallo anschauen.

Skelett-Fund 2018 in Freiham

Seit zwei Jahren sind die Überreste in Obhut der anthropologischen Staatssammlung. „Hier werden die Knochen gelagert, bis ein Institut Interesse an den Funden äußert und diese dann genauer untersucht“, erklärt Mike Schweissing, Magazinleiter der Sammlung. „Wir untersuchen nur ganz besondere Funde, da wir bei bis zu 800 Skeletten im Jahr, die bei uns ankommen, nicht für alle Zeit haben“, ergänzt der 51-Jährige.

Mike Schweissing, Magazinleiter der der anthropologischen Staatssammlung.
Mike Schweissing, Magazinleiter der der anthropologischen Staatssammlung. © Patricia Stücher

Außerdem sind die speziellen Begutachtungen sehr teuer und können nicht von der Staatssammlung alleine getragen werden. So kostet eine chemische Untersuchung der Knochen, womit sich Alter und andere körperliche Merkmale, wie Ernährung des Menschens erkennen lassen, 400 Euro. Eine DNA-Ermittlung ist nochmal teurer und kostet mehrere 1000 Euro.

Als das Skelett 2018 von Archäologen in Freiham freigelegt wurde haben diese einen Erstbefund verfasst. In diesem schätzten sie, dass es aus dem Jahr 2800 vor Christus stammt.

„Diese Ersteinschätzung lässt sich durch die Gefäßbeigaben aber auch durch die Orientierung des Toten feststellen,“ sagt Schweissing. Die Stellung des Skeletts deutete an, dass es ein Hockergrab war, in dem der Mann mit angezogenen Beinen nach rechts schauend aufgefunden wurde.

Merkmale weißen Skelett als Mann aus

Woran man erkennt, dass es ein Mann ist, erklärt Schweissing folgendermaßen: „Es gibt gewisse Merkmale wie die Muskel­ausprägung, anhand derer wir mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen können, dass es ein Mann ist.“ Gewissheit brächten jedoch nur weitere Untersuchungen.

Bis dahin bleibt es bei der Orientierung an den Gefäßbeigaben. Dazu zählen glockenförmige Trinkbecher aus Keramik, die eindeutig der schnurkeramischen Kultur zugeordnet werden können, so Jochen Haberstroh vom Landesamt für Denkmalpflege. „Die Schnurkeramikzeit gehört zum Neolithikum, welche die erste Zeit bei uns in Mitteleuropa war, in der die Menschen sesshaft wurden und Ackerbau und Viezucht betrieben.“

Weitere Fälle sehr alter Knochenfunde

In München gibt es jährlich mehrere archäologische Ausgrabungen, die im Vorfeld von Baumaßnahmen durchgeführt werden. Bei solchen Freilegungen kommen einige Schätze und Skelette zum Vorschein.

So war 2014 der Fund von 3000 Jahre alten Frauenknochen spektakulär. Zu dem Zeitpunkt galt sie damit als die älteste bekannte Münchnerin. Ihre Überreste wurden bei Kanalbauarbeiten im Apothekerhof in der Residenz gefunden.

Doch schon damals lagerte ein noch älterer Männerschädel in der Anthropologischen Staatssammlung. Dieser war 1906 in der Sendlinger Plinganserstraße entdeckt worden – sein Alter: mutmaßlich 4400 Jahre. Eines belegen all diese Entdeckungen menschlicher Überreste: Dass schon Jahrtausende vor der Stadtgründung Münchens Siedler in dieser Region gelebt haben.

Patricia Stücher

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