Wenn die Beule zur Gefahr wird

Typisch Mann, typisch Frau (9): Ein Leistenbruch trifft häufiger Männer - Hernien-Experte klärt auf

Von einem Leistenbruch sind Männer neun Mal häufiger betroffen als Frauen.
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Von einem Leistenbruch sind Männer neun Mal häufiger betroffen als Frauen.
  • Marie-Julie Hlawica
    VonMarie-Julie Hlawica
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Ein Leistenbruch tritt bei Männern häufiger auf als bei Frauen. Was erste Anzeichen sind und wie man ihn heutzutage behandelt, erklärt ein Experte vom Hernienzentrum München.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. In unserer aktuellen Serie geht es um Erkrankungen, die in besonderem Maße nur ein Geschlecht betreffen – wie der Leistenbruch, der im Verhältnis von neun zu eins vor allem bei Männern auftritt. Wen es wann trifft, bei welchen Anzeichen man schnell zum Arzt sollte und wie schonend heute operiert wird, erklärt Dr. Joachim Conze vom Hernienzentrum München.

Es sind nicht nur Schwerstarbeiter oder Leistungssportler, die sich den sprichwörtlichen „Bruch“ heben – ein Leistenbruch kann alle treffen, die diesen sensiblen Bereich der Bauchwand mit plötzlich erhöhtem Innendruck überfordern.

Dr. Joachim Conze ist seit 2012 auf Leisten-Eingriffe im Münchner Hernienzentrum spezialisiert: „Starkes Husten und Niesen, heftiges Pressen bei Verstopfung oder eine Prostata-Vergrößerung können ebenso die Ursache für einen Leistenbruch sein.“

Sichtbar darauf hin deutet eine kleine knospenartige Beule im Lendenbereich – von der sich übrigens der medizinische Fachbegriff „Hernie“ (griechisch „érnos“, die Knospe) ableitet.

Dr. Joachim Conze ist auf Leisten-Eingriffe im Hernienzentrum München spezialisiert.

Zum Bruch kommt es, anatomisch-bedingt, im Verhältnis von neun zu eins vermehrt bei Männern: „Die Schwachstelle ist der männliche Leistenkanal, der unterste Teil der vorderen  Bauchwand.“ Besonders bei einer Bindegewebsschwäche und in Verbindung mit einer Druckerhöhung im Bauch, kann dieser nachgeben.

Trügerisch dabei, so Conze: „Auf den ersten Blick wirkt der Leistenbruch unspektakulär.“ Doch bei rund 500 eigenen Hernien-Operationen pro Jahr weiß der Mediziner: „Nicht immer sagt die Größe des Geschwulst etwas über die tatsächliche Bruchpforte aus.“

Bei Verdacht: Sofort zum Hausarzt

Oft ist der Bruch deshalb auch nicht sofort sichtbar – der Patient spürt und fühlt mehr unspezifisch, dass an seiner Leiste etwas nicht stimmt, bevor sich schließlich die knospenartige Vorwölbung an Leiste oder Bauchnabel zeigt.

„Typischerweise verschwindet die Knospe sogar im Liegen. Doch Vorsicht: der Bruch ist nach wie vor da“, sagt Conze. Warten, „ob das von alleine verschwindet“, ist gefährlich, warnt der Hernien-Experte: „Im schlimmsten Fall vergrößert sich der Bruch, der Darm tritt aus. Wird dann eine Darmschlinge abgeklemmt, besteht Lebensgefahr.“

Conze rät daher: „Wichtig ist, zeitnah bei einem Verdacht auf Leistenbruch zum Hausarzt zu gehen. Nach einem Ultraschall überweist der dann zum Spezialisten.“ Der wiederum kann mit dem Patienten den Befund, das individuelle Risikoprofil und die Art der optimalen Operation (siehe unten) besprechen.

Drei Methoden der Leistenbruch-Operation

Der Leistenbruch wird jährlich deutschlandweit etwa 250 000 Mal operiert. Drei gängige OP-Methoden gibt es: die minimalinvasive mit Netzverstärkung und die offene OP-Methode – entweder mit Netz oder konventioneller Nahttechnik. Das „Netz“ versorgt den Bruch ähnlich wie ein Pflaster eine Wunde, kann aber zu Vernarbungen führen.

Hernien-Experte Dr. Joachim Conze bevorzugt grundsätzlich den offenen Zugang. Der Vorteil: Der Eingriff kann bei lokaler Betäubung ohne Vollnarkose durchgeführt werden. Die Naht ist beim querverlaufenden Schnitt von etwa fünf Zentimetern Länge kosmetisch unauffällig, die Wundheilung dauert bis zu zehn Tage.

Schnell ist der Patient wieder voll belastbar: „Früher bat man um wochenlange Schonung, heute heißt es: Mach das, wonach dir ist und was dir gut tut“, sagt Conze. 

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