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Zurück zu alter Stärke: Zentrum für ambulante Reha hilft mit medizinisch-­beruflich orientierter Maßnahme

Ergotherapeutin Kristin Hetzel macht vor, was etwa Automechaniker im Zentrum für ambulante Rehabilitation trainieren können: Schrauben drehen – im Stehen, Knien oder über Kopf.
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Ergotherapeutin Kristin Hetzel macht vor, was etwa Automechaniker im Zentrum für ambulante Rehabilitation trainieren können: Schrauben drehen – im Stehen, Knien oder über Kopf.

Das Zentrum für ambulante Reha hilft da, wo berufliche und gesundheitliche Probleme zusammenkommen. Wie eine solche medizinisch-­beruflich orientierte Maßnahme ausschaut, erfahren Sie hier.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München Themen der Medizin. Aktuell dreht sich alles um das Thema Reha. Wer körperliche Beschwerden hat, kommt häufig auch beruflich in Schwierigkeiten – oder wird gar arbeitslos.

Eine medizinisch-­beruflich orientierte Maßnahme kann diesen Patienten helfen. Wie diese genau aussieht, hat sich Hallo beim Münchner Zentrum für ambulante Rehabilitation am Heimeranplatz zeigen lassen.

Wenn ein Postbote keine Pakete mehr heben oder eine Sekretärin nicht mehr schmerzfrei am Computer arbeiten kann, hat das nicht selten berufliche Konsequenzen – von der Langzeit-­Krankschreibung bis hin zur Entlassung.

Eines der Hauptprobleme sind Erkrankungen an der Wirbelsäule

Im Münchner Zentrum für ambulante Rehabilitation (ZAR) kann Betroffenen mit einer medizinisch-­beruflich orientierten Rehabilitation – kurz MBOR – im Bereich Orthopädie geholfen werden.

Wer dafür infrage kommt, entscheidet die Rentenversicherung – unter anderem anhand der Angaben, die Antragsteller für eine gewöhnliche Reha in ihren Unterlagen machen.

„Besonders oft haben wir hier Pflegekräfte, aber auch Verputzer, Maler – generell Handwerker – oder Verwaltungsangestellte zur Behandlung“, sagt Tobias Riedel, ärztlicher Direktor des Münchner ZAR. Eines der Hauptprobleme sind Erkrankungen an der Wirbelsäule.

Tobias Riedel, ärztlicher Direktor des Münchner ZAR.

Wie bei einer normalen, ambulanten Reha kommen die ­Patienten täglich über mehrere Stunden ins Haus und erhalten Physio-­Training, Ergotherapie oder auch Gesundheitsschulungen. „Im Rahmen der MBOR werden diese Behandlungen um spezielle, auf die Arbeit angepasste Übungen und Analysen erweitert“, erklärt der Chefarzt.

So sollen MBOR-Patienten bei ihrer Aufnahme beispielsweise einschätzen, wie gut sie 50 der wichtigsten Bewegungen im Arbeitsumfeld – etwa Heben, Knien oder Schieben – ausführen können. Im Verlauf der Reha wird dann an medizinischen Geräten getestet, wie groß die maximale Belastbarkeit der Betroffenen tatsächlich ist.

„Oft stimmt die Selbsteinschätzung nicht mit der Realität überein. Gerade Menschen, die über einen längeren Zeitraum nicht mehr arbeiten konnten, trauen sich oft weniger zu und sind überrascht, dass sie doch mehr schaffen als sie sich selbst zugetraut hatten.“

Im Verlauf der Reha wird dann an medizinischen Geräten getestet, wie groß die maximale Belastbarkeit der Betroffenen tatsächlich ist.

Gleichzeitig werden die Patienten von Anfang an psychologisch unterstützt und beraten. „Das ist ein ganz wesentlicher Faktor“, sagt Riedel. Während der dreiwöchigen Reha gibt es Seminare zu Stressbewältigung, Wiedereingliederung in den Beruf oder Arbeitsmotivation.

Ein weiteres Kernstück: der MBOR-Raum, der mit Arbeitsmitteln und einer speziellen Simulationswand ausgestattet ist. Konkrete Berufssituationen können dort nachgestellt und geübt werden. „Das erfolgt regelmäßig in Kleingruppen“, so Ergotherapeutin Kristin Hetzel.

Unter anderem steht dort ein ergonomischer Schreibtisch mit Spezialstühlen, Ablagen für Unterarm und Hand sowie einer „Hochkant-Maus“. Und wer im Beruf schwere Dinge bewegen muss, kann die nötigen Muskeln am Zug-Schub-Gerät kräftigen.

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Müssen die Patienten bei einer Reha Zuzahlungen leisten?

Markus Fink: „Wenn die Maßnahme nicht in die Zuständigkeit eines anderen Trägers fällt, übernimmt die Krankenkasse die Kosten abzüglich eines Eigenanteils. Dieser beträgt für volljährige Versicherte bei einer ambulanten Reha zehn Euro je Behandlungstag. Für eine stationäre Rehabilitationsleistung sind es zehn Euro je Kalendertag.

Eine Besonderheit stellen Reha-Maßnahmen nach einer Krankenhausbehandlung dar. Hier ist die Zuzahlung – zusammen mit dem Klinik­aufenthalt – auf insgesamt maximal 28 Kalendertage begrenzt.

Damit niemand finanziell überfordert wird, gibt es außerdem eine individuelle Belastungsgrenze. Sobald diese Grenze erreicht ist, können Sie für den Rest des Kalenderjahres von weiteren Zuzahlungen befreit werden.

Ist die Rentenversicherung der Kostenträger fällt in der Regel ebenfalls ein Eigenanteil von zehn Euro pro Tag an. Bei der Unfallversicherung gibt es dagegen keinen Eigenanteil bei den Kosten.“

rea

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