Spielerisch zu gesunden Zähnen

Gesund heranwachsen (4): Warum es nicht nur auf die richtige Zahnbürste und -pasta ankommt

Erst der Dino, dann der Patient: Kinderzahnärztin Maria Paschalidou zeigt den Kindern am Stofftier, was als nächstes passiert.
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Erst der Dino, dann der Patient: Kinderzahnärztin Maria Paschalidou zeigt den Kindern am Stofftier, was als nächstes passiert.

Gesunde Zähne sind schon in der Kindheit wichtig. Zahnärztin Maria Paschalidou gibt Tipps, wie man Kinder schützt und sie spielerisch ans Putzen gewöhnt. 

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell widmen wir uns dem Thema „Gesund heranwachsen“. Das betrifft natürlich auch die Zahngesundheit. Worauf es in den ersten Lebensjahren ankommt, warum gesunde Zähne bei den Eltern genauso wichtig sind und warum Süßes nicht grundsätzlich schlecht sein muss, erklärt Kinderzahnärztin Maria Paschalidou.

Ob wir vorm Zahnarzt Angst haben oder ihn zumindest zur regelmäßigen Kontrolle freiwillig besuchen: Dafür werden die Weichen oft schon in der Kindheit gestellt. „Man merkt natürlich, wenn Kinder Angst haben oder die Eltern nervös sind“, sagt Maria Paschalidou. „Dann habe ich eine ganz einfache Regel: ‚Erzählen, Zeigen, Tun’“, so die Kinderzahnärztin, die in einer Praxis in der Arnulfstraße tätig ist.

Heißt konkret: Bevor die kleinen Patienten an der Reihe sind, nimmt in Paschalidous „Zirkus Zahn“ erstmal der Plüsch-Dino auf dem Zahnarztstuhl Platz. „An ihm erkläre und zeige ich alles. Und am Ende bekommt er ein kleines Geschenk. Dann machen die Kinder meistens auch gut mit.“

Zahngesundheit: Auch bei Kindern frühzeitig gründlich putzen

Gute Erfahrungen zu machen, ist vom ersten Besuch an wichtig. „Der sollte auf jeden Fall zwischen dem 1. und 2. Lebensjahr stattfinden“, sagt Paschalidou. Bei dem Termin werden nicht nur die ersten Zähne, das Gebiss und Zahnfleisch kontrolliert, sondern auch die Eltern informiert – zur richtigen Pflege oder den Auswirkungen von Ernährung oder Schnuller auf die Zähne. „Nicht allen Eltern ist zum Beispiel bewusst, dass schon ab dem ersten Milchzahn zwei Mal täglich geputzt werden muss.“

Für die Bürste gilt: Sie sollte nicht zu groß sein, aber auch an die hinteren Zähne herankommen. Auch die Zahnpasta sollte kindergerecht sein. „Normale Pasta hat zu viel Fluorid“, so die Kinderzahnärztin. Bis zum dritten Lebensjahr sollte der Fluoridgehalt maximal 1000 ppm betragen. „Auch dann reicht eine ganz kleine Menge, etwa ein Reiskorn.“

Nehmen Kinder entsprechende Tabletten sollte die Zahnpasta gar kein Fluorid enthalten. Andernfalls könnte eine Fluorose die Folge sein – also gelblich, braune Flecken auf den Zähnen.

Kinderzähne: Spielerisch an das Zähneputzen heranführen

Noch wichtiger als die richtige Ausrüstung ist laut Paschalidou, die Kleinkinder an das Zähneputzen zu gewöhnen. „Die Eltern müssen es ihnen spielerisch beibringen. Wenn sie währenddessen eine Geschichte erzählen oder das Lieblingslied vorsingen, ist es für die Kinder gleich viel angenehmer.“

Für gesunde Kinderzähne spielt zudem eine zuckerarme Ernährung eine große Rolle. Grundsätzlich alles Süße zu verbieten, sei aber nicht notwendig. „Dass Karies ensteht, hat nämlich oft viel mehr damit zu tun, wie häufig Zucker an die Zähne kommt“, so Paschalidou. Eine große Portion Süßes sei daher weniger schädlich, als über den Tag verteilt zu naschen. Vermeiden sollte man zudem Süßigkeiten, die lang an den Zähnen kleben bleiben.

Und auch die Zahngesundheit der Eltern ist nicht zu unterschätzen. Denn: Karies selbst ist zwar nicht vererbbar – viele Eltern übertragen die Karies auslösenden Bakterien aber unbewusst auf ihre Nachkommen. „Zum Beispiel, wenn sich Mutter und Kind
denselben Löffel teilen.“

Immer mehr Kinder haben Kreidezähne

Matte Verfärbungen oder Zähne, die förmlich zerbröseln: Dahinter steckt eine Molaren-­Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) – umgangssprachlich Kreidezähne genannt. „Das Problem nimmt immer mehr zu“, sagt Maria Paschalidou vom „Zirkus Zahn“ in Neuhausen. Jedes siebte Kind leidet inzwischen unter der Zahnschmelzstörung.

Was die Ursachen dafür sind, hat die Forschung bisher nicht endgültig gelöst. Klar ist: Sind die Milchzähne von MIH betroffen, geht das oft auf Probleme in der Schwangerschaft zurück, wenn die ersten Zähne mineralisiert wurden. „Infektionen und Erkrankungen im Kleinkindalter können sich hingegen auf die bleibenden Zähne auswirken.“

Weil Kreidezähne besonders weich sind, kann Karies hier besonders schnell auftreten. Für betroffene Kinder ist der halbjährliche Kontrollbesuch beim Zahnarzt daher unumgänglich.

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