Kleiner Sturz mit großen Folgen

Zurück zu alter Stärke: Wo die orthopädische Reha bei der Genesung eines Sturzes einsetzt

Schonend und für alle Altersgruppen geeignet: Das Trimmrad ist ein Reha-Klassiker, erklärt Dr. Christine Borneff, Leiterin der Orthopädie-Abteilung.
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Schonend und für alle Altersgruppen geeignet: Das Trimmrad ist ein Reha-Klassiker, erklärt Dr. Christine Borneff, Leiterin der Orthopädie-Abteilung.

Schon ein kleiner Sturz kann schwere Folgen für den Betroffenen haben. Dr. Christine Borneff vom Rehazentrum München weiß, worauf es bei der orthopädische Reha bei der Genesung eines Sturzes ankommt...

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München Themen der Medizin. Aktuell dreht sich alles um das Thema Reha. Ein vermeintlich kleiner Sturz kann jeden Menschen dauerhaft in seiner Beweglichkeit im Alltag, Sport oder Arbeitsplatz einschränken. Dr. Christine Borneff am RZM München koordiniert die Ziele von Arzt und Patienten in der Reha.

Gelenke, Bänder, Muskeln und Psyche im Zusammenspiel – so komplex der menschliche Aufbau ist, so kompliziert und langwierig kann die orthopädische Therapie nach einem Sturz sein. Dr. Christine Borneff, seit 2018 Leiterin der Orthopädie-Abteilung im RZM Rehazentrum München, weiß, wie schwer manche Patienten damit kämpfen:

„Ob leichte Störungen oder schwere Folgen im Bewegungsapparat: Jeder geht anders mit seiner Diagnose um. Der eine trägt es mit Fassung, der andere hadert mit seinem Schicksal, nicht schnell wieder auf die Beine zu kommen und länger in der Beweglichkeit eingeschränkt zu sein. Alter, Lebenssituation und Familienstand müssen wir auch zur Rehabilitation berücksichtigen.“

Zu Beginn muss jeder Patient einen Isokinetic-Test machen

Am Anfang steht ein Isokinetic-Test, der als Koordinierungs-Bestandsaufnahme dient. Er zeigt, wie linker und rechter Körperteil zusammenarbeiten. Erst danach wird entschieden, was bei den jeweiligen Patienten akut möglich ist – manuelle Einzel- oder orthopädische Gruppentherapie, Physio- und Ergotherapie, Ausbau- oder Aufbautraining.

Orthopädin Dr. Borneff koordiniert die Anschlussbehandlung im RZM: „Mit der Diagnose und dem Behandlungsplan fragen wir ab, was ist das Ziel, erstellen ein maßgeschneidertes Programm für den Patienten nach dem Sturz.“ Ob ein Psychotherapeut hinzugezogen wird, oder eine gesonderte Schmerztherapie zum Einsatz kommt.

Je nachdem wie belastbar der Einzelne ist, wird individuell auf ihn eingegangen.

Dr. Borneff

Um Bänder, Muskulatur und den Bewegungsapparat zu bewegen und zu kräftigen, werden moderne Trainingsgeräte eingesetzt: „Das ,eine‘ Wundergerät gibt es nicht“, weiß die Fachärztin, die selbst Sportlerin ist.

Das Fitnesscenter des RZM hat deshalb eine größtmögliche Gerätevielfalt zur Auswahl: „Tatsächlich ist auch heute das klassische Ergometer der Allrounder, der in der orthopädischen Reha häufig zum Einsatz kommt.“

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Das Fitnesscenter des RZM hat deshalb eine größtmögliche Gerätevielfalt zur Auswahl.

Aber auch ein Handrad, Cross­trainer oder Spezialgeräte zum Training der Rotatorenmanschette im Schulterbereich sind je nach Diagnose gefragt.

Zusätzlich wird die Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit und die arbeitsplatzbezogene, muskuloskeletale Rehabilitation angeboten. So erfahren Patient und Arbeitgeber den Status quo, wo und in welchem Maß noch Bewegungsdefizite existieren und wie stark der Patient im konkreten Berufsalltag nach Reha einsetzbar ist.“

Da jeder Patient auch nach Rehamaßnahmen weiter trainieren sollte, empfiehlt Borneff: „Den regelmäßigen Besuch eines Fitnessstudios unter ärztlicher Aufsicht – und ein einfaches Trimmrad für Zuhause.“

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Muss ich in Reha gehen, wenn der Arzt es anordnet? Oder hat ein Nichtantritt negative Auswirkungen?

Markus Fink: „Grundsätzlich gibt es keine Verpflichtung, dass Sie eine vom Arzt empfohlene Rehabilitationsmaßnahme auch wirklich durchführen.

Eine Ausnahme gibt es bei längerer Arbeitsunfähigkeit. Ist Ihre Erwerbsfähigkeit nach ärztlichem Gutachten erheblich gefährdet oder gemindert, kann Ihre Krankenkasse eine Frist von zehn Wochen setzen, innerhalb der Sie einen Antrag auf Leistungen zur medizinischen Rehabilitation stellen sollen. Stellen Sie den Antrag trotz Aufforderung nicht, kann das negative Auswirkungen auf Ihren Krankengeld-Anspruch haben.“

Wie lang wird eine Reha-­Maßnahme von der Krankenkasse gezahlt?

Markus Fink: „In den meisten Fällen wird eine medizinische Reha für drei Wochen bewilligt. Ein längerer Aufenthalt ist möglich, wenn es aus medizinischen Gründen im Einzelfall dringend erforderlich ist.“

mjh

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