Viel Wehmut und Existenzsorgen

„Wie’s ohne Wiesn geht“ (4): Wie sich Münchner Schausteller über Wasser halten

Willy Kinzler und Yvonne Heckl auf dem Königsplatz, einem der Schauplätze des „Sommer in der Stadt“.
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Willy Kinzler und Yvonne Heckl auf dem Königsplatz, einem der Schauplätze des „Sommer in der Stadt“.

Keine Wiesn wegen Corona in diesem Jahr - Deswegen haben viele Schausteller mit Existenzsorgen zu kämpfen. Wie sich Münchner Schausteller trotz Wiesn-Ausfall über Wasser halten...

  • Die Wiesn 2020 findet wegen Corona nicht statt.
  • Dies bereitet vielen Schaustellern Existenzsorgen.
  • Wie sich Münchner Schausteller über Wasser halten...

München –Normalerweise wäre Willy Kinzler mit seiner „Pirateninsel” jetzt auf der Theresienwiese. „Seit ich auf der Welt bin, hat es für mich noch nie ein Jahr ohne Wiesn gegeben”, sagt der Achterbahn-Chef, dessen Familie seit über 100 Jahren auf dem Oktoberfest vertreten ist.

Doch dieses Jahr ist alles anders. Für Kinzler und für rund 500 weitere Marktkaufleute, Schausteller und Wirte, die heuer die Wiesn zum größten Volksfest der Welt gemacht hätten.

Etwa 100 von ihnen nutzen zur Zeit die Chance, beim „Sommer in der Stadt” mitzuwirken. “Die Resonanz der Leute ist großartig. Das tut sehr gut”, sagt Kinzler.

„Das Oktoberfest ist durch nichts zu ersetzen.“

Willy Kinzler

Die Wiesn sei für Schausteller „wie eine riesengroße Messe” und schon deshalb „mit die wichtigste Veranstaltung im Jahr”, erklärt er. Erst im vergangenen Jahr hat er die „Pirateninsel” erworben und rund 500 000 Euro investiert. Dann kam Corona.

„Im März stand ich vor einem tiefen Tal”, berichtet der Münchner, der seine Familie seitdem vor allem mit Krediten über Wasser hält. Ganz zu schweigen von der emotionalen Seite:

„Immer so ab Mitte August kommt dieses Fieber auf die Wiesn hin, der Blutdruck steigt mit jedem Tag. Dieses Jahr, da tut es einfach nur weh”

Willy Kinzler

Dass der Achterbahn-Chef damit nicht allein ist, weiß Yvonne Heckl von der Veranstaltungsgesellschaft Münchner Schausteller. Selbst in einer Schaustellerfamilie an der Goethestraße aufgewachsen, gab es auch für sie noch nie ein Jahr ohne Wiesn.

Als Sprecherin der Münchner Schausteller war die 54-Jährige in den vergangenen 14 Jahren täglich vor Ort. „Heuer ist da sehr viel Wehmut dabei”, gesteht sie.

Wehmut und Existenzsorgen, denn nach Heckls Informationen leben etwa 95 Prozent der 500 Betriebe, die heuer zur Wiesn zugelassen worden wären, von den Volksfest-Einnahmen. Um zu überleben, böten viele Schausteller jetzt ihre Dienste als Lkw- oder Kranfahrer an, manche seien auf Wochenmärkten vertreten. Aber: „Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein”, so Heckl.  

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Ursula Löschau

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