Mobilisation startet auf Intensiv

Zurück zu alter Stärke: Wie beatmete Patienten bereits auf Intensivstation auf die Reha vorbereitet werden

Gesche Wartner bei einem Patienten auf der Intensivstation.
+
Gesche Wartner bei einem Patienten auf der Intensivstation.

Reha für Körper und Lunge muss nach einer Beatmung Hand in Hand gehen. Atmungstherapeutin Gesche Wartner erklärt ihre wichtigsten Aufgaben und wie Patienten nach einer Beatmung bereits auf der Intensivstation auf die Reha vorbereitet werden...

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München Themen der Medizin. Derzeit dreht sich bei uns alles ums Thema Reha. Die Asklepios Fachkliniken Gauting sind auf Atemwegs-, Lungen- und Thoraxmedizin spezialisiert. Wie die Experten beatmete Patienten bereits auf der Intensivstation auf Reha-Maßnahmen vorbereiten, erklärt Atmungstherapeutin Gesche Wartner.

Das Zwerchfell, mit dessen Hilfe wir atmen, ist ein Muskel. Das gilt wie für jeden anderen im Körper: „Wenn er nicht arbeiten muss, wird er schwächer. Und er gewöhnt sich sehr schnell daran“, erklärt Gesche Wartner (44).

Zu den wichtigsten Aufgaben der Atmungstherapeutin gehört es daher, Patienten, die beatmet werden müssen, davon so zu entwöhnen, dass sie wieder selbständig atmen lernen – in der Fachsprache „Weaning“ genannt. Dieser oft langwierige Prozess ist auch ein wichtiger Faktor, um Patienten auf eine Reha-Maßnahme vorzubereiten.

Reha-Vorbereitung: So früh wie möglich und so viel wie nötig.

Die sogenannte Frühmobilisation startet schon im Bett auf der Intensivstation. Mithilfe eines Bettfahrrades zum Beispiel werden unter anderem die Beinmuskeln angeregt.

Grundsätzlich gilt nach Auskunft von Klinik-Sprecherin Beatriz Parente Matschke bei der Reha-Vorbereitung: „So früh wie möglich und so viel wie nötig. Jeder Tag zählt, vor allem bei älteren Patienten.“ Für diese ist in der Regel eine geriatrische Reha das Richtige.

„Doch dafür müssen die Patienten unter anderem selbständig essen und sich fortbewegen können. Dafür gibt es in der Gautinger Lungenklinik – wie in anderen Krankenhäusern – ein 14-tägiges Früh-Rehaprogramm, bei dem auch Physio-, Ergo- und Logotherapie eingesetzt werden.

Klinik-Sprecherin Beatriz Parente Matschke (li) und Atmungstherapeutin Gesche Wartner (re).

In anderen Fällen ist eine neurologische oder onkologische Reha verordnet, gegebenenfalls eine mit Schwerpunkt Pneumologie (Lungenheilkunde). „Wir müssen bei jedem Patienten schauen, was er braucht, und symptomgerecht behandeln.“

Die Klinik verfügt über 268 Betten. Aktuell sind diese zu rund 50 Prozent mit Krebs­patienten belegt, etwa zehn Prozent leiden unter der chronischen Lungenerkrankung COPD. Mit Covid-19 liegt derzeit ein Patient auf der Normalstation. Seit März wurden in der Gautinger Klinik rund 130 Corona-­Erkrankte betreut, ein Drittel musste intensiv behandelt werden.

Tipps für die gesunde Lunge

Experten der Asklepios-­Klinik geben Tipps: „Werden beziehungsweise bleiben Sie Nichtraucher. Lassen Sie regelmäßig Ihre Lungenfunktion testen. Halten Sie Ihre Lunge mit regelmäßiger Bewegung fit. Nutzen Sie Schutzimpfungen, die das Immunsystem dabei unterstützen, Infektionen abzuwehren. Ernähren Sie sich gesund und gehen Sie oft an die frische Luft in der Natur.“

Das macht ein Atmungstherapeut

Ein Atmungstherapeut ist darauf spezialisiert, Menschen mit Atemwegs- und Lungenerkrankungen zu versorgen. Er übernimmt in Abstimmung mit Ärzten, Pflegekräften und anderen Therapeuten bestimmte diagnostische und therapeutische Maßnahmen.

In zertifizierten „Weaning“-Zentren ist die Anstellung eines Atmungstherapeuten obligatorisch. In Deutschland wurde das Berufsbild 2004 federführend durch die Fachkliniken München-Gauting und Bad Berka eingeführt.

ul

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Adventsserie (3): Welcher Rockstar einst vom Glühweinstand verwiesen wurde
Adventsserie (3): Welcher Rockstar einst vom Glühweinstand verwiesen wurde
Gesund heranwachsen (4): Warum es nicht nur auf die richtige Zahnbürste und -pasta ankommt
Gesund heranwachsen (4): Warum es nicht nur auf die richtige Zahnbürste und -pasta ankommt
Die Isar unter dem Mikroskop: Außerirdische im Wassertropfen?
Die Isar unter dem Mikroskop: Außerirdische im Wassertropfen?
Ein Quartierszentrum für Obersendling
Ein Quartierszentrum für Obersendling

Kommentare