So spanisch ist München

Weltreise durch München (10): Lebendige Kultur(en) –Spanischsprachige Szene an der Isar

Verein Alegría Flamenca
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Verein Alegría Flamenca

Dieses Jahr verzichten die meisten auf einen Urlaub in ferne Länder. Wie und wo man auch in der Landeshauptstadt auf exotischen Urlaubsflair trifft, verraten wir in unserer neuen Serie...

Die Durchsage„Ready for boarding“ werden diesen Sommer nur wenige Münchner hören. Auf einen Urlaub in fernen Ländern verzichten die meisten. Für spannende Kulturen und exotisches Essen reichen aber ein paar Schritte vor die eigene Wohnungstüre. In unserer Serie „Weltreise durch München“ nehmen wir Sie mit an die schönsten Reiseziele – und das alles, ohne die Stadt zu verlassen.

„Spanisch lernen im Herzen von München“, so wirbt das Instituto Cervantes. Und tatsächlich schmiegt sich die Einrichtung, die die Kultur und Sprache Spaniens und Lateinamerikas in Deutschland fördern soll, an die Höfe der Münchner Residenz. 

Grund für die prominente Lage: „Die Beziehung von Bayern und Spanien ist schon lange eine besondere“, erklärt Manfred Bös, Kulturreferent des Instituto. Ab dem 19. Jahrhundert gab es zwischen den Wittelsbachern und den spanischen Bourbonen enge verwandtschaftliche Verbindungen. Auch deswegen entstand 1956 in München das erste Spanische Kulturinstitut der Bundesrepublik – über der Silberkammer der Residenz. 

„Die spanischsprachige Szene in München ist weit mehr als unsere Einrichtung.“ Latino-­Partys gebe es genauso wie alteingesessene spanische Restaurants. Auch Kinofans kommen nicht zu kurz: Das Cine español des Studio Isabella zeigt jeden Mittwoch spanische und lateinamerikanische Filme im Original mit Untertiteln. 

Freude am Tanzen

Der aus Andalusien stammende Flamenco ist spanisches Weltkulturerbe. Auch in München kann man dem leidenschaftlichen Tanz begegnen – zum Beispiel beim Verein Alegría Flamenca in der Maxvorstadt. „Wir haben aktuell 18 aktive Tänzerinnen, die jüngste ist sechs Jahre alt“, sagt Vorstand Julia Skowronek. Die Mädchen und jungen Frauen sind bei zahlreichen Festivals wie dem dem Kinder-Kultur-Sommer aufgetreten. 

Verein Alegría Flamenca

Alegría Flamenca lehrt vor allem Kindern und Jugendlichen den Tanz. „Es gibt in München aber auch mehrere Flamenco-­Schulen für Erwachsene und dadurch hunderte Tänzer.“

Von Cervantes bis Borges: Stoff für Leseratten in der Librería español

Ein bisschen verrückt sei sie schon, sagt Cecilia Estrada mit einem Augenzwinkern. Die 61-Jährige aus Mexiko-Stadt betreibt die einzige spanischsprachige Buchhandlung in München: die Librería española in der Georgenstraße. 

„Ich fand es sehr traurig, als 2016 die letzte spanische Buchhandlung geschlossen hat. Darum habe ich 2017 meine eigene eröffnet.“ Gleichzeitig ist die Librería auch ein französischer Buchladen. Eigentlich ist Estrada Astrophysikerin. „Aber ich liebe Literatur und Sprachen!“, so die Schwabingerin, die immer in Buchläden gearbeitet hat, seit sie 1999 nach München kam. 

In der Librería española finden sich neben Klassikern wie dem „Don Quijote“ oder den Büchern des Argentiniers Jorge Luis Borges vor allem Übersetzungen deutscher und englischer Romane. „Zu mir kommen viele Familien, in denen die Kinder zweisprachig aufwachsen, oder Deutsche, die Spanisch lesen wollen, um die Sprache zu lernen.“ 

Cecilia Estrada

Muttersprachler sind hingegen seltener zu Gast. „Lesen ist in der spanischen und lateinamerikanischen Kultur nicht so verbreitet“, bedauert Estrada. Ihr Laden ist aber auch als Treffpunkt gedacht: Vor der Corona-Pandemie gab es hier Ausstellungen und Buchpräsentationen. Denn groß sei die Community in München schon, so die Mexikanerin. „Wenn ich hier auf der Straße Spanisch spreche, kann ich mir nicht sicher sein, ob es nicht doch jemand versteht.“

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Fun Facts

  • 15.215 Personen zählt die spanisch sprachige Gemeinschaft in München.
  • 7,2 Tage würde man mit dem Radl bis nach Madrid brauchen.
  • Ceviche ist typisch peruanisch. Kosten kann man das Fischgericht etwa im "Nasca" in der Maxvorstadt.

rea

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