So französisch ist unsere Stadt

Weltreise durch München (11): Et Voilà: Französische Spuren in der Stadt – Vom Erzfeind zum Freund

Der Bordeaux-Platz in München.
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Der Bordeaux-Platz in München.

Dieses Jahr verzichten die meisten auf einen Urlaub in ferne Länder. Wie und wo man auch in der Landeshauptstadt auf exotischen Urlaubsflair trifft, verraten wir in unserer neuen Serie...

  • Hallo nimmt sie auf eine Weltreise mit, ohne die Stadt zu verlassen. 
  • Dieses Mal dreht sich alles um die Beziehung von Frankreich und München. 
  • Hallo zu Besuch am Bordeaux-Platz im Franzosenviertel.

Die Durchsage „Ready for boarding“ werden diesen Sommer nur wenige Münchner hören. Auf einen Urlaub in fernen Ländern verzichten die meisten. Für spannende Kulturen und exotisches Essen reichen aber ein paar Schritte vor die eigene Wohnungstüre. In unserer Serie „Weltreise durch München“ nehmen wir Sie mit an die schönsten Reiseziele – und das alles, ohne die Stadt zu verlassen. Also: „Fasten your seatbelts, ready for take-off“. Viel Spaß auf Ihrer Münchner Weltreise!

„Der Anlass, weswegen wir heute ein Franzosenviertel haben, ist eigentlich nichts, was Jubel auslöst“, sagt Hermann Wilhelm. Der Heimatforscher kennt sich aus mit der Geschichte, er befindet sich gerade in den letzten Zügen der Ausstellungseröffnung in seinem Museum (s. unten). 

Hermann Wilhelm kennt sich bestens im Franzosenviertel aus – und hat darüber nun ein Buch geschrieben.

Gebaut wurde das Haidhauser Franzosenviertel nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Pariser Straße, Sedanstraße, Orleansplatz: Sie alle erinnern an die siegreichen Schlachten von damals – mit vielen Toten. „Frankreich war immer der Erzfeind. Ziviler wurde es dann ab 1964, als Bordeaux zur Partnerstadt wurde.“ Somit ist der Bordeauxplatz, der mit seiner Allee nach französischem Vorbild angelegt wurde, der einzige Ort im Franzosenviertel, der nicht nach einem Kriegsschauplatz benannt wurde. 

In den 50er-Jahren hatte der Ort wechselnde Bezeichnungen. 1976 erhielt der Bordeaux-Platz seinen jetzigen Namen.

Weiter nördlich von Belfortstraße und Co. findet sich ein Denkmal, das an den deutsch-französischen Frieden erinnert: In Bogenhausen befindet sich hoch oben golden glänzend die griechische Göttin Nike – der Friedensengel. „Der Ölzweig, den sie in der Hand hält, zeigt nach Paris“, sagt Wilhelm. 

Auch im Sprachgebrauch macht sich der Nachbar bemerkbar: „Sakradi zum Beispiel kommt von sacré dieu also von heiliger Gott. In diesem bayerisch-französischen Vorstadtdialekt gibt es ganze Gedichte“, weiß der Haidhauser. Pariser Flair in Gänze gibt’s im Hofgarten, dem Renaissance-Garten am Odeonsplatz: Wenn die eher älteren Münchner Boule spielen – und die Jüngeren herausgeputzt auf und ab flanieren.

Ausstellung über das Franzosenviertel

Haidhausen vor 150 Jahren: Das Haidhausen-Museum, Kirchenstraße 24, zeigt ab Sonntag, 30. August, die Ausstellung „Der Bau des Ostbahnhofs und das Franzosenviertel“. Zu sehen ist sie bis Ende des Jahres, geöffnet ist Montag bis Mittwoch von 17 bis 19 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr. 2021 folgt dann der zweite Teil der Ausstellungreihe. Das gleichnamige Buch von Hermann Wilhelm ist ab Herbst erhältlich.

Weltreise durch München (9): 50 Jahre kroatische Kicker in der Stadt

Weltreise durch München (10): Lebendige Kultur(en) –Spanischsprachige Szene an der Isar

Fun Facts

  • 10 592 Franzosen leben in München.
  • 3,2 Tage würde es theoretisch dauern, mit dem Radl nach Paris zu fahren. 
  • Lieblingsimbiss der Autorin: Crêpes-Standl auf der Alten Utting.

dbo

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