Größte Hürde: hohe Erwartungen

Zurück zu alter Stärke: Beim Wiedererlernen der Sprache ist schnelle und intensive Therapie wichtig

Mit Bilderkärtchen, Stift und Block arbeiten Schlaganfallpatienten in Einzel- oder Kleingruppen-Therapie an der Wortfindung – etwa beim Münchner Verein Mutabor.
+
Mit Bilderkärtchen, Stift und Block arbeiten Schlaganfallpatienten in Einzel- oder Kleingruppen-Therapie an der Wortfindung – etwa beim Münchner Verein Mutabor.

Nach einem Schlaganfall können Betroffene häufig nicht mehr so sprechen, wie davor. Wie die Patienten wieder Sprechen lernen, erklärt Katharina Hogrefe, klinische Linguistin an der LMU...

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München Themen der Medizin. Aktuell dreht sich alles um das Thema Reha. Neben motorischen Störungen erleiden Schlaganfall-Patienten häufig auch einen Sprachverlust(Aphasie). Wie man Worte zurückbringt und warum das gar nicht das Hauptziel vieler Therapien ist, erklärt Katharina Hogrefe, klinische Linguistin an der LMU.

Ohne Sprache ist unser Alltag kaum denkbar. Umso schwieriger ist es, wenn Menschen – etwa durch einen Schlaganfall – diese plötzlich verlieren. „Eine Form der Aphasie liegt bei etwa 30 Prozent aller Schlaganfall-Patienten anfangs vor“, weiß die klinische Linguistin Katharina Hogrefe.

Nach einem halben Jahr hat noch weniger als die Hälfte der Betroffenen Probleme. „Welche Störungen ein Patient hat, hängt in erster Linie von Ausmaß und Ort der Hirnschädigung ab, die durch den Schlaganfall entstanden ist“, so die LMU-Expertin.

Einige Betroffene haben Schwierigkeiten mit der Bedeutung von Dingen. Dagegen helfen Übungen zum Benennen oder Umschreiben. „Man zeigt vier Bilder und benennt eines davon. Auf dieses soll dann der Patient zeigen.“

Dr. Katharina Hogrefe ist klinische Linguistin an der LMU.

Ist die Aphasie zu Beginn leicht ausgeprägt, ist die Chance auf vollständige Erholung sehr hoch. „Wichtig ist, dass es intensive Therapiephasen gibt“, so Hogrefe. Darum bekommen Betroffene oft schon in der Klinik logopädische Unterstützung, ebenso beim Aufenthalt in einer Reha-­Klinik.

Danach sollte es schnell weitergehen – in einer logopädischen Praxis oder einem Verein wie „Mutabor“­, der in München Schlaganfall-­Patienten berät und betreut. „Die größten Veränderungen gibt es in den ersten Wochen, aber auch in der chronischen Phase, die ab einem Jahr nach Schlaganfall einsetzt, gibt es noch Therapieerfolge“, so Hogrefe.

„Wichtig ist, dass es intensive Therapiephasen gibt“, so Hogrefe. Ideal seien fünf bis zehn Einheiten pro Woche. Therapeuten setzen vermehrt auch ergänzend zu den Therapiesitzungen Apps wie Neolexon ein, mit denen Patienten selbstständig zuhause üben können.

Hauptziel: Am gesellschaftlichen Leben teilhaben können

Geduld ist ein weiterer Schlüssel zum Erfolg. „Die größte Herausforderung ist oft die hohe Erwartungshaltung der Betroffenen, für die es natürlich frustrierend ist, sich nicht so verständigen zu können wie vorher“, sagt Hogrefe, die bei „Mutabor“ selbst Sitzungen leitet.

Hauptziel ihrer Arbeit dort: „dass die Menschen wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben können“. Dafür gibt es Dialogtraining oder Rollenspiele in der Gruppe. Auch alternative Kommunikationsmittel wie Gesten oder Zeichnungen können dabei zum Einsatz kommen.

„Wie gut das funktioniert, hängt auch damit zusammen, wie gut die Betroffenen mit der neuen Situation umgehen können“, sagt Mutabor-­Logopädin Steffy Marinho. Zu ihr kommen Patienten nach der eigentlichen Reha für maximal 1,5 Jahre, bezahlt wird die Therapie zum Teil von der Krankenkasse und dem Bezirk Oberbayern.  

rea

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Bänderriss und Fußfehlstellung: Spätfolgen nicht unterschätzen!
Bänderriss und Fußfehlstellung: Spätfolgen nicht unterschätzen!
Tinnitus: Achtung vor Behandlungs-Trends wie Botox!
Tinnitus: Achtung vor Behandlungs-Trends wie Botox!
Bis 2019 soll der Südpark stehen
Bis 2019 soll der Südpark stehen
Ein Quartierszentrum für Obersendling
Ein Quartierszentrum für Obersendling

Kommentare