Keine Angst vorm Kieferorthopäden

Gesund heranwachsen (7): Warum es so wichtig ist, frühzeitig zum Kieferorthopäden zu gehen

Immer häufiger kommen aber nicht die klassischen festen Brackets zum Einsatz, sondern sogenannte Aligner.
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Immer häufiger kommen nicht die klassischen festen Brackets zum Einsatz, sondern sogenannte Aligner.
  • Romy Ebert-Adeikis
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In der 7. Folge unserer Gesundheitsserie „Gesund heranwachsen“, klärt ein Kieferorthopäde in Hallo auf, warum es so wichtig ist, Fehlstellungen des Kiefers früh zu erkennen.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell widmen wir uns dem Thema „Gesund heranwachsen“. Nicht zu unterschätzen ist dabei der Einfluss von Zähnen und Kiefer. Warum Kinder spätestens mit sechs Jahren dem Kieferorthopäden einen Besuch abstatten sollten und welche schlechte Angewohnheit dringend abgewöhnt werden sollte, erklärt Facharzt Dr. Patrick Dipsche.

Ein strahlendes Lächeln mit perfekt geraden Zähnen: Das wünschen sich nahezu alle. Angeboren ist es aber bei den wenigsten. Bei gut 70 Prozent der Kinder stehen Zähne falsch, etwa ein Drittel hat zudem einen falschen Biss. Die Auswirkungen gehen dabei weit über das Aussehen hinaus:

„Wenn der Kauapparat nicht richtig funktioniert, kann das zu Schmerzen und Knacken im Kiefergelenk oder zum Zurückziehen des Zahnfleisches führen“, sagt Kieferorthopäde Patrick Dipsche (39), der in Nymphenburg seine Praxis betreibt. „Gerade bei Kindern kann auch die Atmung beeinträchtigt werden, was wiederum viele Bereiche beeinflusst: As­thma oder Allergien.“

Spätestens mit sechs Jahren zum Kieferorthopäden

Um mögliche Probleme abzuklären, ist ein frühzeitiger Besuch beim Facharzt wichtig. „Ein Zahnarzt sieht nicht immer alles, was ein Kieferorthopäde erkennt“, so Dipsche, der eine Vorstellung spätestens mit sechs Jahren empfiehlt. „Der Großteil der Kinder wird in dem Alter noch keine Behandlung brauchen. Aber es gibt eben auch einige, bei denen es danach zu spät ist.“

Der Grund: In der Regel wächst der Oberkiefer vor allem bis zum zehnten Lebensjahr, der Unterkiefer mehr in der Pubertät. „Stehen die unteren Zähne weit vor den oberen, sollte man den Kiefer möglichst früh dehnen. Ein Sechsjähriger spürt dabei auch noch nichts.“

Dass die beiden Kieferteile nicht richtig zusammenpassen, ist dem Experten zufolge eines der häufigsten Probleme seiner Patienten. Manche können hingegen den Mund nicht richtig schließen, weil ihre Zähne nach vorn gekippt sind.

Kieferorthopäde Dr. Patrick Dipsche mit Ärztin Dr. Leen Shaker.

Ein sogenannter front-offener Biss ist oft die Folge einer schlechten Angewohnheit: dem Daumenlutschen. „Wenn man das Kindern nicht bis zum vierten Lebensjahr abgewöhnt, kann das problematisch werden“, sagt Kieferorthopäde Dipsche.

Auch Lippenknabbern oder Zähneknirschen können Konsequenzen haben. Einen Königsweg, um ein schädliches Verhalten abzugewöhnen, gibt es laut Dipsche nicht. „Aber Eltern sollten ihre Kinder immer darauf ansprechen, wenn sie solche Gewohnheiten bemerken.“

In den meisten Fällen können Fehlstellungen mit Zahnspangen oder Alignern korrigiert werden. Nur in „zwei bis fünf Prozent der Fälle“ müssen heute noch eigentlich gesunde Zähne aus Platzgründen gezogen werden, so Dipsche. Grundsätzlich gilt: Was tatsächlich getan werden muss, sollte der Arzt immer so erklären können, dass es für den Patienten – oder dessen Eltern – Sinn ergibt. „Ist das nicht der Fall, sollte man lieber den Arzt wechseln“, so Dipsche.

Brackets oder Aligner? Worauf es bei der Zahnspange ankommt

„Wenn Knochen oder Zähne so stehen, dass das Kauorgan langfristig nicht funktionieren kann, braucht es eine Zahnspange“, sagt Kieferorthopäde Patrick Dipsche. Mindestens sechs Jahre alt sollten die Träger sein, in der Regel bekommt man die Spange zwischen zwölf und 14 Jahren und für 18 bis 24 Monate.

Immer häufiger kommen aber nicht die klassischen festen Brackets zum Einsatz, sondern sogenannte Aligner. Das sind zwischen 50 und 100 Plastikschienen pro Patient – jeweils mit einer minimal veränderten Zahnstellung. Alle drei bis sieben Tage kommt eine neue Schiene zum Zug. Diese wurden vorab vom Arzt am Computer erstellt und dann etwa mittels 3D-Druck „gebaut“.

Ganze Zahnreihen können sie zwar nicht verschieben, aber die Korrektur einzelner Zähne geht oft schnell. Weil die Aligner herausnehmbar sind, ist die Pflege von Zähnen und Schiene zwar leichter als bei der gewöhnlichen Spange, getragen werden sollten sie trotzdem rund um die Uhr.

Das Problem: „Die Krankenkassen zahlen Aligner nicht“, erklärt Dipsche. Und: Sie werden auch von fachfremden Anbietern verkauft. „Da wird viel Schindluder getrieben, bei manchen Einrichtungen ist nicht mal ein Arzt vor Ort“, sagt der 39-Jährige. Er rät daher: „Gehen Sie zur Beratung wirklich zum Facharzt.“

rea

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