200 Jahre städtische Friedhöfe: Der Nordfriedhof in Schwabing

Empor zu altem Glanz

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Der Nordfriedhof in München Schwabing wurde 1899 gegründet. Es sind 32700 Gräber auf 31 Hektar verteilt.

Schwabing - Thomas Mann hat mit seiner Novelle „Tod in Venedig“ einen beachtlichen Beitrag zur Rückkehr der Sphingen am Eingang des Nordfriedhofs beigetragen – Jetzt kommen sie in neuem Glanz zurück

Jubiläum „200 Jahre städtische Friedhöfe“: In der Hallo-Serie stellen wir Gesichter, Anekdoten und Besonderheiten der bekanntesten Münchner Gottesäcker vor. Heute: der Nordfriedhof

Hätte 1911 Thomas Mann nicht in seiner Novelle „Tod in Venedig“ auf die steinernen Fabelwesen direkt am Eingang des Münchner Nordfriedhofes hingewiesen – wer weiß, ob die beiden Sphingen und ihr rätselhaftes Verschwinden nicht ganz in Vergessenheit geraten wären. 

Jetzt, nach langen Irrwegen und Vermutungen, sie seien circa 1955 zerstört oder ins Ausland verkauft worden (Hallo berichtete), kommen die vogelähnlichen Wächter endlich zurück an ihren angestammten Platz: neu und wie die verschollenen Originale, dorthin, wo sie Friedhofs-Architekt Hans Grässel zur Eröffnung des Areals 1899 vorgesehen hatte. 

„Die erste Sphinx ist ein Geschenk der Steinmetzinnung an die Stadt München“, erklärt Markus Steininger, Obermeister und Chef der Münchner Steinmetzinnung. „Sie soll den Nordfriedhof nicht nur für Thomas-Mann-Fans attraktiv machen, sondern den Blick auf eines der ältesten, vielseitigsten Handwerksgewerbe der Welt lenken.“ Wie die manuelle Arbeit, so sind auch die beiden je 2,4 Tonnen schweren Gesteinsblöcke aus einem Kehlheimer Steinbruch eine Spende. Die zweite Sphinx wird im Jahre 2020 über eine Ausschreibung der Landeshauptstadt München vergeben, von den Beauftragten erarbeitet und dann der Stadt übergeben.

Impressionen der aufwändigen manuellen Arbeit

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„Der mittelharte bayerische Auerkalk ist ideal. Die behauenen Sphingen wiegen noch je 1800 Kilo. Sie werden auf die erhaltenen Sockel montiert.“ Kostenpunkt für die etwa fünf Monate Arbeitszeit mit allem drum und dran: etwa 40 000 Euro. 

Zuständig für die Ausführung des besonderen Auftrags ist Steinmetzmeister Wolfgang Gottschalk (66). Der Rheinländer kam vor 36 Jahren nach München, lernte den Steinmetz-Beruf kennen und lieben: „Er ist Kunst und Völkerverständigung zugleich. Den Stein nehmen wir der Erde und geben ihn ihr bearbeitet zurück.“ 

Der Meister und sein Modell: Steinmetz Wolfgang Gottschalk hat mit viel Zeit und Herzblut die Sphinx nach Originalbildern maßstabsgetreu aus Sturodur nachgebildet.

In München trifft man auf viele Restaurationen des passionierten Handwerkers: Den Büberlbrunnen am Stachus, die Grabmale am Südfriedhof oder die Steinböcke am Münchner Tierpark – überall hat Fachmann Gottschalk mitgewirkt. 

Monatelang recherchierte und tüftelte er am Modell der Sphingen. In Marburg fand er Fotos, die ihm zur exakten Arbeit dienten. Ab dem 11. April kann man dem Meister-Steinmetz bei der Arbeit über die Schulter schauen: Dann behaut Gottschalk mit Meisterschülern der Innung vor dem Nordfriedhof die Steine. Die Bauhütte, in der dies stattfindet, befindet sich in der direkten Nähe zum U6-Ausgang Ungererstraße am angrenzenden Grünstreifen. Zuschauer sind ausdrücklich erwünscht! 

Im Juli werden die Sphingen mit einem Festakt aufgestellt. Gottschalk wohnt dort gegenüber: „Ich werde sie immer vom Balkon aus sehen!“ 

Marie-Julie Hlawica

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