200 Jahre städtische Friedhöfe: Gehilfen am Gottesacker

Sie sind die Gesichter des Ostfriedhofs

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Der Ostfriedhof im Stadtviertel Obergiesing wurde 1821 gegründet, umfasst eine Fläche von 30 Hektar und beherbergt 34.700 Gräber

Obergiesing – Vom Aufbahrer, über den Bestatter bis zum Grabmacher – mehr als zehn Berufe sind nötig, um einen Menschen auf seinem letzten Weg zu begleiten und ihn würdevoll unter die Erde zu bringen. 

Sie sind die Begleiter auf dem letzten Weg: Die Mitarbeiter des Friedhofs. Mehr als zehn Berufe sind nötig, um einen Verstorbenen würdevoll unter die Erde zu bringen. Vom Aufbahrer (Hallo berichtete) über den Sargträger bis zum Grabmacher stellen sie – gemeinsam mit Steinmetzen und Gärtnern – ihre Arbeit beim ersten Tag des Offenen Friedhofs am Wochenende, 6. und 7. April, am Ostfriedhof, St.-Martinsplatz 1, jeweils von 10 bis 16 Uhr vor. Hallo zeigt hier einige der Menschen, die für eine Beerdigung gebraucht werden.

Hanni Kinadeter

1. Der Abholer

Axel Pirek (links), vom Abholdienst.

Im Kofferraum hat Axel Pirek immer einen Sarg – manchmal auch bis zu vier Totenladen, je nachdem, ob er die schwarze Limousine oder den Sprinter fährt. Stirbt jemand sind er und sein Kollege Armin Müller zur Stelle, reinigen den Verstorbenen, etwa, wenn er blutverschmiert ist, kämmen ihm das Haar oder ziehen ihm das Totenkleid an. Die Leichname bringen sie zum Ostfriedhof, manchmal nur einen pro Tag, dann wieder zehn.

2. Die Beraterin

Mareen Müller, die Beraterin.

Feuer- oder Erdbestattung, weiße Lilien oder lieber Rosen – egal, bei was sich die Angehörigen unsicher sind, Mareen Müller berät sie. Im Schnitt spricht sie etwa anderthalb Stunden mit ihnen. „Das kann sehr emotional und anstrengend sein“, sagt sie. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Gespräch mit den Eltern eines verstorbenen Kindes. Für sie hatte sich die Beraterin mehr Zeit genommen. Etwa dreieinhalb Stunden dauerte es, bis jede Entscheidung getroffen war. Was sie an ihrem Beruf so mag: „Ich kann den Menschen helfen.“

3. Der Gärtner

Michael Brumm, der Gärtner.

Vom japanischen Bonsai bis zur einfachen Cotoneasta – Michael Brumm pflegt jede Pflanze. Der Friedhofsgärtner gestaltet die Gräber, bepflanzt sie und sorgt dafür, dass die Pflanzen wachsen. Sein schönstes Grab: „Das Grab meines Vaters, da hatte ich freie Hand bei der Gestaltung.“

4.  Der Sargträger

Michael Rödel, der Sargträger.

Männer mit Muskelkraft sind für diesen Beruf gefragt: Michael Rödel und seine Kollegen tragen den Sarg zum Grab und lassen ihn in die Erde. Seine größte Angst: „Anfangs dachte ich immer, ich stolpere gleich.“ Passiert ist das aber nie. „Ich mag meinen Beruf, weil ich den ganzen Tag an der frischen Luft bin.“

5. Der Grabmacher

Günter Wienke, der Grabmacher.

Einst Totengräber genannt, sagt Günter Wienke heute lieber „Grabmacher“. Mit Schaufel oder einem kleinen Bagger hebt er die Erde aus, um Platz für den Sarg zu schaffen. Außerdem baut er mit seinen Kollegen ein Konstrukt, damit niemand in eine Grube sinkt und verschalt das Loch in der Erde. Wienke liebt seinen Beruf, denn: „Für mich ist das Freiheit pur und ich bin den ganzen Tag draußen.“ Während der Beerdigung steht der Grabmacher ein wenig abseits. Zieht der Trauerzug weiter, schließt er das Grab.

6. Der Friedhofsaufseher

Franz Schmid, der Friedhofsaufseher.

Er lebt am Ostfriedhof, arbeitet dort seit 40 Jahren und hat 5000 Beerdigungen begleitet: Franz Schmid. Ob Promis – von Modezar Moshammer, Schauspielerin Erni Singerl bis zu Patrick Lindners Mama – oder alteingesessene Giesinger, Schmid hat sie alle unter die Erde gebracht. Und er kennt sie alle: die Angehörigen und die Begrabenen. Seine Aufgabe: „Ich begleite die Beerdigungen und sorge dafür, dass alles perfekt läuft.“ Jeden Tag spaziert der Zwei-Meter-Mann über die Ruhestätte und achtet darauf, dass alles seine Ordnung hat.

7. Die Gräberverwalterin

Birgit Beer, die Gräberverwalterin.

Ohne sie ginge nichts: Birgit Beer ist die Schnittstelle zwischen Bestattung und Friedhof. Sie vergibt die Termine für Trauerfeier und Beerdigung, sie nimmt am Telefon alles auf, was benötigt wird – Egal ob Deko, Sarg oder ein Steinmetz.

8. Der Aufbahrer 

Bernd Kalteis, der Aufbahrer.

An seine erste Leiche kann sich Bernd Kalteis, Aufbahrer am Ostfriedhof, noch ganz genau erinnern. „Die vergisst man nicht“, sagt der 43-Jährige. Zumal es ein Leichnam war, der schon einige Tage alt war – die Hautfarbe fahl und blaugrau, der Geruch süßlich und streng. Das war 2007... Um weiterzulesen, klicken Sie hier.

9. Der Steinmetz

Andreas Jüngling, der Steinmetz.

Andreas Jüngling hat schon etliche Grabsteine gestaltet. „Besonders schön finde ich es immer, wenn wir einen persönlichen Bezug in die Gestaltung einbringen können“, sagt der Steinmetz. Ein Beispiel ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: Eine Witwe erzählte ihm, dass ihr Mann es liebte, in den Biergarten zu gehen. Also meißelte er ein Kastanienblatt in den Stein.

10. Der Friedhofschef

Dietrich Hildebrandt, der Friedhofschef.

Für die 37 Mitarbeiter des Ostfriedhofs ist Dietrich Hildebrandt zuständig: Er ist Chef der Ruhestätte. „Wir sind der zentrale Friedhof und nehmen auch rund um die Uhr Verstorbene an“, sagt er. Doch weil der Tod immer noch Tabuthema ist, mangelt es den Gewerken rund ums Grab an Nachwuchs. Unter anderem deswegen gewährt der Ostfriedhof am Wochenende einen Blick hinter die Kulissen. „Wir stellen die Berufsbilder vor und wollen greifbarer machen, was die Aufgaben unserer Mitarbeiter sind.“

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