200 Jahre städtische Friedhöfe: Der Aubinger Friedhof

Streitpunkt Begräbnis: Kein Zugang für Zugezogene?

+
Klaus Bichlmayer kämpft für eine kürzere Residenzpflicht am Aubinger Friedhof.

Aubing – Diese Regelung sorgt für Ärger: Nur wer 20 Jahre im Stadtbezirk lebt, darf auf dem Aubinger Friedhof bestattet werden. Was dagegen unternommen werden soll, lesen Sie hier.

Jubiläum „200 Jahre städtische Friedhöfe“: In der Hallo-Serie stellen wir Gesichter, Anekdoten und Besonderheiten der bekanntesten Münchner Gottesäcker vor. Heute: der Aubinger Friedhof.

Der neue Stadtteil Freiham wird keinen eigenen Friedhof erhalten. Die Bewohner sollen stattdessen auf dem Aubinger Friedhof bestattet werden, der deshalb um rund einen Hektar vergrößert wird. Allerdings sorgt eine Regelung für großen Unmut. Nur wer bereits 20 Jahre im Stadtbezirk gelebt hat, darf nach seinem Tod auf dem Aubinger Friedhof bestattet werden. 

Der ökumenische Rat Aubing behält sich vor, dagegen zu klagen. Der Vorsitzende Klaus Bichlmayer sagt: „Man schließt die Leute 20 Jahre lang aus. Das ist eine Diskriminierung.“ Eigentlich forderte der Rat einen eigenen Friedhof für Freiham. Aber: „Ein Kompromiss wäre es, die Residenzpflicht auf fünf Jahre zu verkürzen. Wenn es Busverbindungen von Freiham zum Friedhof gibt, wäre das im Rahmen dessen, was auch für ältere Leute zumutbar ist“, sagt Bichlmayer.

Der Friedhof im Stadtviertek Aubing wurde 1911 gegründet. Er umfasst eine Fläche von circa 4,5 Hektar und beherbergt rund 3400 Gräber.

Die Stadt will das allerdings nicht. Oberbürgermeister Reiter geht davon aus, dass die Freihamer „nicht sofort einen Bestattungsplatz benötigen“. Einzelfälle könnten auf den nahegelegenen Friedhöfen in Pasing oder Obermenzing begraben werden. Für Bichlmayer ist das ein Unding. Er will die Residenzpflicht überprüfen lassen. Immerhin hätte sich die Bestattungskultur in den vergangenen Jahren geändert. Feuer- oder Baumbestattungen seien beliebt und benötigten wesentlich weniger Platz.

Auch für die Aubinger hat die Regelung oft negative Folgen. Dagmar Mosch, Fraktionssprecherin der Grünen, berichtet von Bekannten, deren Sohn in jungen Jahren gestorben war. „Ein paar Jahre Wohnsitz in Aubing fehlten zum 20-Jährigen“, so Mosch. Sie mussten ihn auf dem Obermenzinger Friedhof beerdigen. „Das bedeutet für die Angehörigen nicht mal eben vorbeigehen zu können, wenn sie das Bedürfnis haben. Ich finde diese Regelung unsäglich. Sie passt nicht mehr in die heutige Gesellschaft“, so Mosch.

Andreas Schwarzbauer

KPD-Mitglied sorgt für Gedränge auf dem Friedhof

Eine der größten Beerdigungen in Aubing die Bestattung von Philipp Müller 1952 gewesen, erinnert sich Anton Fürst vom Aubinger Archiv. Müller, Eisenbahner und KPD-Mitglied, sei bei einer Demonstration gegen die Wiederbewaffnung von der Polizei erschossen worden. Zu seiner Beisetzung seien rund 800 Leute, darunter Parteifreunde aus ganz Deutschland, gekommen.

Lesen Sie auch

Auch interessant:

Meistgelesen

Morbus Dupuytren – eine Bindegewebserkrankung der Handinnenfläche
Morbus Dupuytren – eine Bindegewebserkrankung der Handinnenfläche
400-Meter-Läufer lief mit Schmerzen zum Titel
400-Meter-Läufer lief mit Schmerzen zum Titel
Fußweg auch für Radler öffnen?
Fußweg auch für Radler öffnen?

Kommentare