Der gute Rat für's Rad

Haben Fußgänger hier wirklich Vorrang?

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Für mehr Sicherheit auf den Straßen: Leser stellen Fragen, Verkehrs- und Radlexperten antworten.

Die Infrastruktur für Radler wird aktuell massiv ausgebaut. Gefährliche Situationen lauern aber oft im Bestand: Die neue Hallo-Serie räumt mit Verkehrs-Unklarheiten auf.

München – Ein erfolgreicher Radentscheid mit mehr als 160 000 Unterschriften, Fahrradstraßen und Radschnellwege: Aktuell kommt München seinem selbstgesteckten Ziel, Fahrrad-Hauptstadt zu werden, deutlich näher. Theoretisch. 

Der Alltag sieht für Radfahrer oft anders aus: Zoff mit Fußgängern, beinahe täglich Unfälle mit Lastwagen und unklare Beschilderungen sorgen für Frust und teils schwere Verletzungen. Diesen Gefahren und Unklarheiten des Alltags – und wie sie künftig entschärft werden könnten – widmet sich die neue Hallo-Serie mit konkreten Beispielen aus unserer Stadt.

Martina Kastner aus Laim ist aufgefallen: „In der Laimer Unterführung weisen Schilder darauf hin, dass Fußgänger gegenüber Radfahrern Vorrecht haben. Und das auf der gesamten Breite! Weil die Bodenbeläge aber unterschiedlich gestaltet sind, fühlen sich Radler auf der geteerten Seite im Recht und verhalten sich oft rücksichtslos. Kann man das nicht anders lösen? Oder interpretiere ich das falsch?“

Johannes Mayer, Sprecher des KVR: „Es stimmt schon: Der bauliche Radweg endet unmittelbar am Tunnelbeginn. Die folgende Fläche ist auf der gesamten Breite Gehweg, der für Radfahrer freigegeben wurde. Hier wird von den Radlern besondere Vorsicht und Rücksichtnahme verlangt, da es sich im Tunnelbereich um einen der am höchsten frequentierten S-Bahn-Bahnhöfe handelt. Für einen eigenen Radweg ist die Breite des Tunnels nicht ausreichend. Mit dem Bau der Umweltverbundröhre bekommen Radfahrer aber dann einen eigenen Radweg.

Auch Andreas Groh, Verkehrs­experte beim ADFC München, betont: „Radfahren ist hier nur in Schrittgeschwindigkeit erlaubt.“ Er kritisiert aber auch die bauliche Situation: „Der Radweg links ist bis zu diesem Abschnitt benutzungspflichtig (Schild nicht im Bild). Dort hört der benutzungspflichtige Radweg also plötzlich auf, ohne dass Radfahrende eine Möglichkeit haben, auf die Fahrbahn zu wechseln. Daher ist die Benutzungspflicht vor diesem Abschnitt aus Sicht des ADFC schon rechtswidrig. Warum nun auf einmal die Beschilderung ,Gehweg – Radfahrer frei’ an einem baulichen Radweg auftaucht, bleibt unklar. Wahrscheinlich sollen Radfahrende hier zum Schritttempo gezwungen werden. Dabei müssen sie auf Fußgänger Rücksicht nehmen, sonst droht ein Bußgeld von 15 Euro.“

Diskutieren Sie mit!

Stoßen auch Sie als Radfahrer in München auf fehlende Beschilderungen, unklare Wegführungen oder andere Probleme? Schreiben Sie an redaktion@hallo-muenchen.de. Wir sorgen mit Experten von Stadt und ADFC für Aufklärung und haken nach, ob Besserung in Sicht ist.

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