Gesundheit: Dr. Christian Posch, Leiter des Hautkrebszentrums der Klinik am Biederstein,

Jung verbrannt, im Alter erkrankt

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Gefährliches Schönheitsideal: Sonnenbräune ist eine erste Reaktion des Körpers auf zu viel UV-Strahlung. Intensives Sonnenbaden erhöht daher das Hautkrebsrisiko.

Aus der Reihe „Krebs“: Diagnose Hautkrebs – nach wie vor ist die Zahl der Fälle stark steigend. Doch es gibt Hoffnung, denn die Heilungschancen stehen bei frühzeitiger Erkennung gut

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell dreht sich alles um Krebs – dieses Mal in unserer Haut. Warum viele Hautkrebs-Erkrankungen ihre Wurzeln im Kindes- und Jugendalter haben und wie man sich effektiv schützt, erklärt Dr. Christian Posch, Leiter des Hautkrebs­zentrums der Klinik am Biederstein.

Nach einem langen Winter endlich wieder Sonne genießen: Dr. Christian Posch, Leiter des Hautkrebszentrums der Klinik am Biederstein, kann dem nicht so viel abgewinnen. Denn: Wer sich viel Sonnenstrahlung aussetzt, erhöht sein Hautkrebsrisiko. „Dass man sich vor der Sonne schützen sollte, gilt immer dann, wenn man längere Zeit draußen verbringt. Auch jetzt im Frühling“, so Posch.

Dr. Christian Posch ist Leiter des Hautkrebszentrums der Klinik am Biederstein.

Circa eine von 50 Personen bekommt im Laufe ihres Lebens den „schwarzen Hautkrebs“, bei dem die Zellen (Melanozyten) betroffen sind, die unserer Haut die Farbe geben. Noch häufiger, aber schwieriger zu erkennen, ist der weiße, nicht-melanome Hautkrebs, der oft als schuppender roter Fleck oder nicht heilende Wunde im Gesicht oder am Oberkörper auftritt.

Die Zahl der Fälle steigt bei beiden Typen seit Jahren: „Wir haben pro Jahr eine Zuwachsrate der Neuerkrankungen von drei bis fünf Prozent – eine der höchsten im Vergleich zu anderen Krebsarten“, so Zentrumsleiter Posch. Zurückzuführen sei das zwar zu großen Teilen auf eine verbesserte Früherkennung. „Aber auch unser Freizeitverhalten spielt eine Rolle“, sagt der Experte und meint vor allem unsere Sonnen-Sehnsucht.

Besonders gefährlich: Sonnenbrände im Kinder- und Jugendalter. „Bei denjenigen, die unter 18 Jahren schon fünf Sonnenbrände hatten, verdoppelt sich das Melanomrisiko“, erklärt Posch. Meist bricht der Krebs erst in der zweiten Lebenshälfte aus, ab 50 Jahren nimmt das Risiko massiv zu. „Die Haut vergisst nie.“

Umso wichtiger sei ein Check beim Hautarzt mit spätestens 40 Jahren, um das persönliche Risiko einzuschätzen. Wer viele Muttermale und Leberflecken hat und zudem ein heller Hauttyp ist, sollte besonders auf der Hut sein. „Der braune Hautfarbstoff Melanin wirkt wie ein Filter für UV-Strahlung“, so Posch. Dadurch sind natürlich dunkle Hauttypen besser geschützt. Aber: „Wenn unsere Haut durch Sonne bräunt, ist das eine erste Reaktion des Körpers auf zu viel UV-Strahlung“, so Posch. Dann sollte man sich mit Sonnencreme, Hut und langer Kleidung – gegebenfalls mit integriertem UV-Blocker – schützen. Nur in den Schatten zu gehen reicht hingegen aufgrund von Streustrahlung nicht.

Immerhin: Tödlich ist der weiße Hautkrebs nur selten. Wird ein schwarzer Hautkrebs frühzeitig erkannt und chirurgisch entfernt, beträgt auch hier die Heilungschancen bis zu 95 Prozent. Ist der Tumor schon fortgeschritten oder hat gestreut, können die Ärzte in Deutschland auch Tabletten, die Tumorzellen direkt angreifen, oder eine gezielten Aktivierung des Immunsystems anwenden. „Es kann aber sein, dass der Hautkrebs später erneut auftritt, in seltenen Fällen auch noch nach zehn oder 20 Jahren“, so Posch. Darum sei eine engmaschige Nachsorge entscheidend.

Weißer Krebs wird im frühen Stadium unter anderem mit der Lichttherapie behandelt: Die betroffene Hautstelle wird mit einer Creme sensibilisiert und dann mit Rotlicht bestrahlt. Fortgeschrittene Tumore werden entfernt.

Romy Ebert-Adeikis

Hautkrebs: Auf Nummer sicher gehen mit der ABCDE-Regel

Mit der ABCDE-Regel, soll Hautkrebs früher erkannt werden.

Zur besseren Früherkennung hat die Deutsche Krebsgesellschaft eine ABCDE-Regel zur Selbstkontrolle entwickelt. Trifft eines dieser Merkmalen zu, sollte man einen Hautarzt konsultieren.

  • A wie Asymmetrie:
    Ein neuer dunkler Hautfleck ist ungleichmäßig geformt oder ein alter Fleck hat seine Form verändert.
  • B wie Begrenzung:
    Ein Hautfleck hat verwischte oder ausgefranste Konturen.
  • C wie colour (Farbe):
    Achten Sie auf einen Fleck, der nicht gleichmäßig in der Farbe, sondern vermischt ist mit rosafarbenen, grauen oder schwarzen Punkten.
  • D wie Durchmesser:
    Der Durchmesser ist an der breitesten Stelle größer als fünf Millimeter.
  • E wie Evolution:
    Veränderungen eines Pigmentmales innerhalb der letzten drei Monaten sollten von ärztlicher Seite kontrolliert werden.

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