Training als Stresstest fürs Herz

Zurück zu alter Stärke: Rehasport gibt Kardiologie-Patienten wieder Selbstvertrauen

Mehrere Kardiologue-Patienten machen Rehasport für ihr Herz
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Der ESV Neuaubing ist einer von wenigen Vereinen in München, der noch Rehasport für Herz-Patienten anbietet.

In unserer Gesundheitsserie geht es diesmal um das Thema Reha. Dabei geht es vor allem um Kardiologie-Patienten, die durch Reha-Sport lernen sollen, wie weit sie sich belasten können, ohne dass es für sie schädlich ist...

  • Der ESV Neuaubing bietet als einer von wenigen Vereinen in München Rehasport für Herzpatienten an.
  • Eine Herzsporttrainerin erklärt, warum der Herzsport für Kardiologie-Patienten so wichtig ist.
  • AOK-Experte erläutert die Voraussetzungen, die man haben muss, um in eine Reha-­Maßnahme zu kommen...

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München Themen der Medizin. In den kommenden Wochen dreht sich bei uns alles um das Thema Reha. Der ESV Neuaubing ist einer von wenigen Vereinen in München, der noch Rehasport für Herz-Patienten anbietet. Warum das so ist, wieso die Bewegung für die Betroffenen wichtig ist, erklärt Trainerin Heiderose Werler.

Wenn das Herz aussetzt, ist nichts mehr wie zuvor. „Die Leute haben Todesangst bei so einem Herz-Ereignis, das ist auch danach noch eine extreme psychische Belastung“, sagt Heiderose Werler. Erlebt hat die 66-Jährige das viele Male, wenn auch nicht selbst: Werler ist seit 14 Jahren Herzsporttrainerin beim ESV Neuaubing.

Zu ihr kommen all diejenigen, die nach einem Herzinfarkt, einer Herzkranzgefäßverengung oder einer Herzinsuffizienz regelmäßige Betreuung durch einen Arzt und Fachtrainer brauchen. Verordnet wird die Teilnahme vom Arzt, in der Regel direkt nach einer Reha-Kur und für 24 Monate.

Heiderose Werler ist seit 14 Jahren Herzsporttrainerin beim ESV Neuaubing.

„Es ist wichtig, dass das möglichst nahtlos ineinander übergeht. Denn nach einem Herz-­Ereignis trauen sich gerade Ältere häufig gar nichts mehr zu. Und andere überlasten sich sofort wieder, um es sich selbst zu beweisen“, so die Aubingerin.

In Werlers Training sollen die Teilnehmer darum vor allem eins lernen: Wie weit können sie sich belasten, ohne dass es für sie schädlich ist? Andererseits soll beim Herzsport auch die Konditionsleistung etwas gesteigert werden. Denn für Herz-Patienten ist Bewegung unerlässlich, „damit die Gefäße elastisch bleiben und sich nicht wieder so viele Ablagerungen ansammeln.“

Dafür kombiniert Werler leichte Gymnastik mit Gehübungen – zum Beispiel einem Intervalltraining, bei dem die Teilnehmer mal schneller, mal ruhiger umherlaufen. Dabei wird während der Stunde regelmäßig der Puls gemessen, um die Belastungsgrenze auszuloten und das Trainingstempo individuell anzupassen.

Zum Teil mache ich mehrere Übungen auch bewusst schnell nacheinander, damit die Teilnehmer wieder lernen, mit Stress umzugehen.

Heiderose Werler

Das alles funktioniert aber nur bei engmaschiger Betreuung. Werler nimmt sich vor jedem Training eine halbe Stunde Zeit, um mit ihren 15 bis 20 Schützlingen ins Gespräch zu kommen und ihren Blutdruck zu messen. Ein Arzt muss während der Sportstunde vor Ort sein. „Das ist sehr streng geregelt“, sagt Florian Rädler, Bereichsleiter für Reha- und Präventionssport beim ESV.

Gleichzeitig deckt das Geld, das der Verein für das Angebot von den Krankenkassen bekommt, kaum die Kosten. „Darum fallen seit Jahren Herzsportgruppen weg. Im Münchner Westen sind wir fast der einzige Anbieter“, so Rädler.

Dabei gehe es beim Herzsport nicht nur um körperliche Gesundheit, betont Werler: „Es tut auch der Psyche gut, wenn die Leute beim Rehasport sehen, dass es anderen genauso geht wie ihnen.“ 

AOK-Experte zur Reha-Bürokratie

Welche Voraussetzungen gibt es, um in eine Reha-­Maßnahme zu kommen?

Markus Fink: „Eine Reha dient dazu, Ihre Gesundheit so weit wie möglich wiederherzustellen. Sie kann erforderlich werden, wenn eine Behinderung oder Pflegebedürftigkeit droht und die ärztliche Behandlung nicht mehr ausreicht.

Für eine Reha kommt entweder eine ambulante oder eine stationäre Maßnahme in Frage. Für beide Formen gilt: Sie können in der Regel im Abstand von vier Jahren wiederholt werden.

AOK-Experte Markus Fink erklärt, welche Voraussetzungen es gibt, um in eine Reha-­Maßnahme zu kommen.

Außerdem müssen die folgenden Voraussetzungen vorliegen:

Bedürftigkeit: Ihre Leistungsfähigkeit ist beeinträchtigt und kann mit einzelnen Maßnahmen wie Krankengymnastik und Ergotherapie, nicht wiederhergestellt werden.

Fähigkeit: Sie sind so weit belastbar, dass notwendige Behandlungen durchgeführt werden können.

Positive Rehabilitationsprognose: Sie können individuelle Rehabilitationsziele nach ärztlicher Einschätzung voraussichtlich erreichen.“

Romy Ebert-Adeikis

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