Pro und Contra

Qualität durch Kompetenz – Meisterpflicht im Handwerk notwendig?

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Parkettlegermeister Peter Fendt kämpft für die Wiedereinführung der Meisterpflicht in seinem Handwerk.

In zwölf Berufen kehrt die Meisterpflicht zurück: Hallo befragt Münchner Handwerker nach ihrer Meinung dazu.

Die Bedeutung des Meisterbriefs als Gütesiegel für Qualität und Kompetenz im Handwerk ist zur Zeit in aller Munde. Die Bundesregierung plant, schon Anfang 2020 die Meisterpflicht in zwölf Gewerken (siehe unten) wiedereinzuführen. 

Damit würde eine Novelle der Handwerksordnung von 2004 teilweise revidiert. Damals war der Meisterzwang in 53 Berufen abgeschafft worden, um Handwerkern dort den Weg in die Selbständigkeit zu erleichtern. 

Doch Zahlen belegen, dass dadurch nicht mehr Beschäftigung geschaffen wurde – im Gegenteil: „In einigen der sogenannten ‚zulassungsfreien Berufen‘ ist seitdem die Zahl der Fachkräfte und Auszubildenden teilweise deutlich zurückgegangen. 

Betriebe sind schneller vom Markt verschwunden als in Berufen mit Meisterpflicht“, sagt Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Dies habe sich auch negativ auf Gewährleistung und Verbraucherschutz ausgewirkt. 

Mit welchem Anspruch Münchner Handwerker mit und ohne Meisterbrief Betriebe führen, zeigt Hallo München hier an zwei Beispielen.

Leidenschaft statt Titel

Für Gerhard Schian (49) steht fest: „Wer’s nicht drauf hat, sowohl fachlich als auch kaufmännisch, der kann auch als Meister mit einem Betrieb pleite gehen.“ Nicht der Titel mache einen guten Handwerker aus, sondern „die Leidenschaft für den Beruf“, sagt der Fliesenleger, der sich 2013 mit einem Ein-Mann-Betrieb am Westkreuz selbständig gemacht hat.

1988 legte er die Gesellenprüfung ab und sammelte bis 2013 in drei Betrieben Erfahrungen, zuletzt als leitender Angestellter. „Der Unterschied zur Selbständigkeit war dann nicht mehr groß“, sagt Schian. 

Ein Meisterkurs hätte den Familienvater damals zu viel Zeit und Geld gekostet. Deshalb hat er darauf verzichtet und es nie bereut. Zudem nutzt der Fliesenleger regelmäßig Fortbildungsangebote. 

Was er am Wegfall der Meisterpflicht für seinen Beruf seit 2004 trotzdem kritisch sieht: „Das Problem ist, dass auch Ungelernte oder Branchenfremde eine Fliesenlegerfirma aufmachen können.“ 

Die Folge: Schadensfälle nehmen zu. Der 49-Jährige befürchtet, dass gelernte Fachkräfte immer weniger werden.

Nicht der Titel mache einen guten Handwerker aus, sondern „die Leidenschaft für den Beruf", sagt  Fliesenleger Gerhard Schian.

Vom Wissen, das in keinem Fachbuch steht

Sein Meisterbrief ist für Peter Fendt (57) viel mehr als eine gerahmte Urkunde an der Wand: „Er ist zwingende Voraussetzung für eine nachhaltige Selbständigkeit“, sagt der Parkettlegermeister, und nicht zuletzt Ausdruck von „Berufsehre und Standesbewusstsein“.

Fendt führt in Allach einen Familienbetrieb in dritter Generation, ist vereidigter Sachverständiger und kämpft als Obermeister der Innung Parkett- und Fußbodentechnik München und Oberbayern sowie Bundesinnungsmeister für die Wiedereinführung der Meisterpflicht in seinem Handwerk. 

„Hausmeister, Schreiner, Maler – alle machen plötzlich auch Parkett“, moniert er und sorgt sich um die Qualitäts- und Sicherheitsstandards in seinem Beruf. Nur eine fundierte Ausbildung bis hin zum Meister könne diese Ansprüche gewährleisten. 

„Wenn jemand das nicht von der Pike auf gelernt hat, was will er dann weitergeben?“, fragt er und verrät: „Es gibt viele Regeln des Handwerks und Kniffe, die in keinem Fachbuch stehen. Wenn die nicht überliefert werden, ist dieses Wissen weg.“

Parkettlegermeister Peter Fendt kämpft für die Wiedereinführung der Meisterpflicht in seinem Handwerk.

Wieder Meisterpflicht für zwölf Handwerksberufe

In diesen Berufen soll die Meisterpflicht wieder eingeführt werden: 

Fliesen-, Platten- und Mosaikleger; Betonstein- und Terrazzohersteller; Estrichleger; Behälter- und Apparatebauer; Parkettleger; Rolladen- und Sonnenschutztechniker; Drechsler und Holzspielzeugmacher; Böttcher; Glasveredler; Schilder- und Lichtreklamehersteller; Raumausstatter; Orgel- und Harmoniumbauer. 

Bestehende Betriebe, die über keinen Meistertitel verfügen, erhalten laut Kammerpräsident Peteranderl Bestandsschutz und dürfen ihr Handwerk weiterhin selbstständig ausüben.

U. Löschau

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