Fatale falsche Vorstellungen

Typisch Frau, typisch Mann (5): Prostatakrebs – häufigste bösartige Tumorerkrankung beim Mann

Circa 150 Prostata-Entfernungen im Jahr werden im Klinikum der Barmherzigen Brüder durchgeführt.
+
Circa 150 Prostata-Entfernungen im Jahr werden im Klinikum der Barmherzigen Brüder durchgeführt.
  • Romy Ebert-Adeikis
    VonRomy Ebert-Adeikis
    schließen

Mit über 60 000 Neuerkrankungen im Jahr ist Prostatakrebs die häufigste, bösartige Tumorerkrankung des Mannes. Warum viele die Vorsorgeuntersuchungen nicht wahrnehmen. Ein Betroffener und ein Experte klären auf.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. In unserer aktuellen Serie geht es um Erkrankungen, die in besonderem Maße nur ein Geschlecht betreffen – wie Prostatakrebs. Wieso viele Männer Vorsorgeuntersuchungen schleifen lassen und welche Nachteile das haben kann, berichten ein Betroffener und Dr. Florian Fuchs, Leiter des Prostatazentrums am Krankenhaus Barmherzige Brüder.

Eigentlich hätte es Hermann Meier (Name von der Redaktion geändert) besser wissen müssen. Der Obermenzinger war jahrzehntelang im medizinischen Bereich tätig, ist es mit über 70 Jahren immer noch zum Teil. „Trotzdem habe ich irgendwann die Vorsorgeuntersuchungen schleifen lassen“, erzählt Meier.

Manchmal habe er beim Wasserlassen Schmerzen gehabt. „Doch die gingen mit Antibiotika wieder weg, ich habe mir nichts dabei gedacht.“ Der Schock kam dann im März 2021, als Meier „eigentlich nur so“ bei einem Urologen vorbeischaut: Er leidet an Prostatakrebs.

Mit über 60 000 Neuerkrankungen im Jahr ist Prostatakrebs die häufigste, bösartige Tumorerkrankung des Mannes in Deutschland. „Der Krebs ist in der Regel eine Alterserkrankung, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren“, weiß Dr. Florian Fuchs, Leiter des Prostatazentrums vom Krankenhaus Barmherzige Brüder.

Leiter des Prostatazentrums am Krankenhaus Barmherzige Brüder: Dr. Florian Fuchs.

Dort werden im Uro-Onkologischen-Zentrum (siehe unten) pro Jahr etwa 800 Betroffene behandelt. So wie bei Hermann Meier erhalten viele Patienten die Diagnose im Rahmen einer anderen Untersuchung. Der Grund: Vor allem junge Männer vermeiden den Gang zum Urologen, solange keine Beschwerden bestehen.

„Mitverantwortlich hierfür sind wohl auch Gerüchte über Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die zumindest in der heutigen Zeit nicht mehr zutreffen“, sagt Fuchs. Beispiel Prostatakrebs-Vorsorge: Schon seit Jahren ist das zentrale Element hierbei ein einfacher Labortest, die Bestimmung des prostataspezifischen Antigen (PSA). Je höher der Wert, desto wahrscheinlicher ist eine Anomalie bei der Prostata.

„Idealerweise sollte man daher ab 45 Jahren beim Urologen einen PSA-Test machen, um einstufen zu lassen, wie stark man gefährdet ist und wie engmaschig Kontrollen nötig sind“, rät Fuchs. Allerdings: Besteht kein Verdacht auf einen Tumor, zahlen die Krankenkassen die zwischen 25 und 35 Euro teure Untersuchung bisher nicht.

Zwar sind die Heilungs- und Überlebenschancen bei Prostatakrebs heutzutage im Vergleich zu anderen Tumorerkrankungen gut – fast 90 Prozent der Patienten leben auch noch zehn Jahre nach Erhalt der Diagnose. Je später der Tumor entdeckt wird, desto schwieriger wird aber die Therapie – etwa, weil sich bereits Metastasen gebildet haben.

Prostata – vor allem bei älteren Patienten – absolut verzichtbar

„Bei mir sind die Lymphknoten und Beckenschaufel sowie zwei Rippen befallen“, berichtet Hermann Meier. Deswegen muss sich der Obermenzinger derzeit bestrahlen lassen, sechs Wochen lang, jeden Tag. Dazu bekommt er Medikamente, die das Testosteron unterdrücken. Die Prostata selbst hat er sich schon im April im Krankenhaus Barmherzige Brüder entfernen lassen.

Etwa 150 solcher Operationen werden dort jährlich durchgeführt. „Ich wollte ja nicht, dass sich der Krebs noch weiter verbreitet“, erklärt Meier. „Mit der OP habe ich einfach die größte Chance, die Krankheit zu überstehen.“ Dabei ist die Prostata – vor allem bei älteren Patienten – absolut verzichtbar, so Fuchs: „Außer zur Fortpflanzung hat die Drüse keine Funktion .“

Eine Sorge hatte Meier dennoch: vielleicht inkontinent zu werden. „Nach der OP habe ich eine Windelhose angezogen bekommen. Die habe ich gleich wieder ausgezogen“, erzählt der Obermenzinger, der inzwischen nur noch vereinzelt Probleme hat. In spezialisierten Zentren seien unerwünschte Nebeneffekte nach einer Operation aber selten, so Oberarzt Fuchs.

„Die Gefahr einer dauerhaften Inkontinenz ist in Expertenhänden äußerst gering.“ Auch die Potenz kann häufig erhalten werden, „wenn dafür notwendige Strukturen nicht vom Tumor mit befallen sind“. Die OP-Methode – ob normal chirurgisch oder roboterassistiert – habe hingegen darauf keinen Einfluss.

Erstes zertifiziertes Zentrum in München

Das Krankenhaus Barmherzige Brüder am Romanplatz hat im April als erste Einrichtung im Raum München ein Zertifikat als ausgewiesenes Uro-Onkologisches-Zentrum erhalten.

Die Auszeichnung durch die Deutsche Krebsgesellschaft bescheinigt besondere Qualität bei der Behandlung von Prostata-, Nieren- und Harnblasenkarzinomen. Die Urologie in dem Krankenhaus hat eine über 100-jährige Tradition.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Bereit für EM an der Isar – 12 Titel für Münchner Irish-Dance Schule
SERIEN
Bereit für EM an der Isar – 12 Titel für Münchner Irish-Dance Schule
Bereit für EM an der Isar – 12 Titel für Münchner Irish-Dance Schule

Kommentare