Naturserie Teil 2

Münchens Flora kennenlernen - über Frühlingsblüher und die Folgen des Klimawandels

Buschwindröschen blühen
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Das Buschwindröschen ist eine von den 1631 in München vertretenen Blütenpflanzen.

Der Frühling ist da - Angela Burkhardt-Keller vom Naturschutzbund gibt Tipps, um heimische Arten zu erkennen und mit mehr Wissen die Flora daheim zu genießen. Doch der Klimawandel und das Waldsterben geben zu denken.

Das frische Grün der Bäume, Blütenpracht wohin man schaut: Der Frühling hat München erobert. Der zweite Teil der Hallo-Serie befasst sich mit der Pflanzenvielfalt.

„München ist eine grüne Stadt mit einer großen Vielfalt an heimischen Pflanzen“, erklärt Angela ­Burkhardt-Keller, Referentin für Naturschutz in München beim Bund Naturschutz in Bayern. Aber: „Sie ist im Verhältnis zu anderen Städten sehr dicht besiedelt. Die Grünflächen pro Kopf fallen gering aus.“

Circa 2500 dokumentierte Blütenpflanzen gab es in München. Ein Viertel dieser historisch belegten Arten ist bereits ausgestorben. Aktuell sind 1631 Spezies vertreten. 25 Prozent davon sind Neubürger, also Arten, die ursprünglich nicht vorkamen. Das haben Botaniker im Projekt „Flora von München“ erforscht. Wie viele Bäume in der Hauptstadt wachsen, ist aber nicht bekannt: „Es gibt kein Verzeichnis. Wir wissen aber, dass etwa 13 000 Bäume an Straßen stehen und circa 800 000 in Parks“, so Burkhardt-Keller.

Das seien vor allem heimische Arten wie Eichen, Buchen oder Kiefern. „Aber auch die Kastanie ist aus Münchens Biergärten nicht mehr wegzudenken. Und das, obwohl sie gar keine heimische Art ist. Ursprünglich stammt sie aus dem Balkan“, erklärt Burkhardt-Keller.

Naturschutzbund: Klimawandel und Waldsterben gibt es auch in München zu beobachten

Das sogenannte Waldsterben sei auch hier zu beobachten. „Viele Bäume haben Schwierigkeiten mit dem Klimawandel. Sie können sich nicht schnell genug anpassen.“ Gerade die Fichte mit ihrem flachen Wurzelwerk leide besonders unter der vermehrten Trockenheit.

Doch Bäume sind wichtig im Kampf gegen den Klimawandel: Um steigenden Temperaturen entgegenzuwirken, müssen mehr Bäume gepflanzt werden. „Bei hohen Temperaturen verdunsten Baumgruppen große Wassermengen. Die dabei entstehende Feuchtigkeit kühlt die Umgebung.“

Wer etwas über heimischen Pflanzenarten lernen möchte, der müsse raus in die Natur. „München hat ein Naturschutzgebiet mit direktem U-Bahn-Anschluss, die Fröttmaninger Heide. Wer sich oder seinen Kindern etwas über heimische Pflanzen beibringen will, der packt einfach ein Buch mit Bestimmungshilfen ein – oder etwas moderner ein Handy mit einer App“, erklärt Burkhardt-Keller. Auch Naturlehrpfade seien bestens geeignet. „Unter normalen Umständen gibt es natürlich auch Führungen, Vorträge und Workshops an der LBV-Umweltstation in München.“

Mehr Vielfalt

„Viele Münchner pflanzen nicht heimische Hecken als Sichtschutz, wie die Kirschlorbeere oder die Tuja“, erklärt Angela Burkhardt-Keller, Referentin für Naturschutz in München beim Bund Naturschutz. Diese Arten seien aber wertlos für Insekten, da sie weder Pollen noch Nektar produzieren. „Das gibt es auch bei Blütenpflanzen: Bei uns beliebt ist beispielsweise die Forsythie“, sagt Burkhardt-Keller. Stattdessen solle man lieber heimische Arten pflanzen, wie die Eibenhecke. Eine gute Alternative zur Forsythie sei beispielsweise die Kornelkirsche. „Diese produziert Nektar und hat sogar essbare Früchte“, so Burkhardt-Keller.

Angela ­Burkhardt-Keller ist Referentin für Naturschutz in München und kennt sich mit heimischen Pflanzen aus.

Baumerlebnispfad und Workshops: So lernen Sie Münchens Bäume kennen

Tipps zur Artenbestimmung sowie Anlaufstellen für weitere Informationen:

Bei Blütenpflanzen auf Farbe, Blüten und Blattform achten. Bei Bäumen auf Blattform, Rinde und Früchte schauen.

Informationen zu Führungen, Audio-Baum­erlebnispfad, Workshops und Entdeckungstouren gibt es im Internet unter www.botmuc.de, www.oebz.de und www.lbv-muenchen.de.

So erkennt man die laut LBV am häufigsten an Münchens Straßenrändern gepflanzten Bäume:

Die Linde kann in an Münchens Straßenrändern häufig gefunden werden.
Der Spitzahorn ist einer der am häufigsten gepflanzten Bäume in München.
LindeSpitzahorn
Stammkurz&dickmeist kurz
Äste/Blütenknorrig& tiefhängendgelblich-grün
Kronerund, weit ausladendrund
Blätterblau-grün und herzförmigdunkel-& hellgrün, spitz und gezähnt
BlütezeitJuni& JuliApril& Mai
Höhebis 40 Meter15 bis 25 Meter

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