Echte Kraftspender oder Mythen?

Gesund im Alltag (3): Münchner Ernährungsexperte darüber, welche Lebensmittel wirklich gut tun

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Vollkorn ist ein Alleskönner - Welche Lebensmittel noch gut tun.
  • Romy Ebert-Adeikis
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Vollkorn, Äpfeln Hühnerbrühe und Spinat - Welche Lebensmittel sind Superfoods und welche nur falsche Freunde? Hallo klärt die Mythen hinter den Kraftspendern

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. In unserer aktuellen Serie klären wir, wie man seinen Alltag gesund gestaltet – zum Beispiel mit der Ernährung. Welche Lebensmittel wirkliche Superfoods sind und welche nur falsche Freunde, verrät Professor Dr. Hans Hauner, Direktor des Münchner Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin.

Professor Dr. Hans Hauner

Alleskönner Vollkorn: Die Ballaststoffe sind das Geheimnis

„Vollkorn hat viele wertvolle Inhaltsstoffe. Der Mensch könnte sich damit fast vollständig ernähren“, sagt Ernährungsmediziner Prof. Dr. Hans Hauner. Gerade für Diabetes-Patienten ist es die bessere Wahl zu Weißmehlprodukten. Der hohe Anteil unlöslicher Ballaststoffe sorgt laut Hauner dafür, dass der Blutzuckerspiegel moderater ansteigt. „Dadurch wird im Körper weniger Insulin freigesetzt.“ Gleichzeitig wird durch die Ballaststoffe die Magendehnung verbessert. Die Folge: Wir sind schneller satt. Im Dünndarm hemmen die Stoffe zudem die Aufnahme von Cholesterin. Sogar bei Krebserkrankungen gibt es Hinweise auf Vorteile durchs Vollkorn. So zeigt die EPIC-Studie, eine der größten Krebsstudien der Welt, dass das Risiko für Darmkrebs bei einer ballaststoffreichen Kost um bis zu 25 Prozent sinkt. Der Grund: „Die Ballststoffe kommen bis in den Dickdarm und können dort schädliche Substanzen binden“, erklärt Hauner.

Möhren: Adleraugen dank Karotten?

Da ist nur zum Teil etwas dran, wie Prof. Dr. Hans Hauner erklärt: „Möhren enthalten relativ viel Betacarotin, das hilft, Vitamin A zu bilden.“ Das wiederum ist bei der Entwicklung der Sehfunktion über die sogenannten Stäbchen im Auge wichtig, vor allem in jungen Jahren. „In armen Ländern sieht man immer noch als Folge von Vitamin-A-Mangel Erblindungen bei Kindern. Einen direkten Einfluss von Möhren auf das Sehen gibt es aber nicht.“

Spinat: Wer sich von Spinat Muskeln wie Popeye erhofft, wird leider enttäuscht.

„Das ist einfach ein Märchen“, so Ernährungsexperte Hauner. Eine andere Zuschreibung ist zumindest teilweise korrekt: „Auch wenn es da ein bisschen Durcheinander wegen falscher Angaben gab: Spinat hat relativ viel elementares Eisen. In der Form findet man das aber auch in anderen Gemüsesorten.“ Grundsätzlich seien Nährstoffangaben immer Momentaufnahmen. „Das variiert enorm. Allein wegen der Böden, auf denen angebaut wurde.“

Apfel: „An apple a day keeps the doctor away“

Ein Apfel täglich bewahrt uns vorm Arzt, besagt ein bekanntes Sprichwort. „Das ist vom Prinzip her richtig, aber etwas übertrieben“, sagt Experte Hauner. Zwar enthalte der Apfel viele Vitamine und lösliche Ballaststoffe. „Es gibt aber keine substanziellen Unterschiede zu anderen Obstsorten, auch wenn diese mitunter andere Stoffe enthalten.“ Hauners Empfehlung: täglich zwei Portionen Obst – also etwa eine Hand voll. Und vor allem: durchmischen!

Superfoods - Echte Kraftspender oder Mythen?

Chiasamen oder Acai- und Goji-Beeren sind derzeit in aller Munde. „In vielen Fällen steckt dahinter aber nur eine PR-Masche“, warnt Hauner. Viele sogenannte Superfoods seien nicht besser als heimische Lebensmittel. Beispiel Chiasamen: „Da gibt es von den Inhaltsstoffen kaum einen Unterschied zu Leinsamen.“ Für viele Trendlebensmittel gebe es zudem nur wenige und wenn dann nur kleine wissenschaftliche Studien.

Hausmittel Hühnerbrühe

Ans Krankenbett wird nicht selten Hühnerbrühe gereicht. Als leichte Kost entlastet diese den Körper bei der Verdauung. Gleichzeitig bringt sie jede Menge Flüssigkeit, die vor allem bei Fieber benötigt wird. „Pro Grad höherer Körpertemperatur brauchen wir etwa 13 Prozent mehr Flüssigkeit, weil wir viel ausschwitzen.“ Die Wärme hat außerdem eine gute Wirkung auf den Kreislauf.

Cranberry-Saft soll bei Blasenentzündungen Wunder wirken

Aber: „Es ist schwer vorstellbar, dass eine bestimmte Beere einen solchen Effekt bei einer konkreten Erkrankung hat“, so Hauner. Große Studien zu dem Thema gebe es bisher nicht.

In der Serie „Gesund im Alltag“ verraten Experten außerdem, wie man seinen Alltag gesund gestaltet, welche Hausmittelchen wirklich helfen und welche nur vermeintliche Helfer in der Hausapotheke stecken.

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