Gesundheit: Prof. Dr. Riccardo Giunta

Morbus Dupuytren – eine Bindegewebserkrankung der Handinnenfläche

+
Mediziner Prof. Dr. Riccardo Giunta berichtet, was es mit der Krankheit Morbus Dupuytren auf sich hat. 

Wenn sich die Finger krümmen. Die Krankheit gehört zu den  typischen Volkskrankheiten im Alter. Prof Dr. Rivvardo Giunta erklärt, was es mit der Bindegewebserkrankung auf sich hat...

Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Derzeit dreht sich alles um Krankheiten, die besonders Ältere häufig plagen. Diesmal verrät der Mediziner Prof. Dr. Riccardo Giunta (Foto), was es mit der Krankheit Morbus Dupuytren auf sich hat. Giunta ist Direktor der Abteilung für Handchirurgie, Plastische Chirurgie und Ästhetische Chirurgie am Universitätsklinikum in der Pettenkoferstraße.

Man merkt es bei der Begrüßung, wenn beim Händeschütteln nicht beherzt zugefasst werden kann. Man kommt nicht mehr in Handschuhe hinein und kann keine Münzen aus der Hosentasche holen. 

Beim Gesicht waschen bleibt man mit den Fingern ständig irgendwo hängen. „Morbus Dupuytren ist einfacher gesagt eine Beugekontraktur der Finger“, erklärt Professor Riccardo Giunta. 

„Dabei kommt es zu Veränderungen im Bindegewebe der Hand. Zunächst bilden sich Knoten, später können feste Stränge entstehen, die die Streckung der Fingern einschränken.“

Die Folge: 

Einzelne oder mehrere Finger krümmen sich in Richtung Hand­innenfläche. Etwa fünf bis zehn Behandlungen – Operationen und minimalinvasive Verfahren – nur für diese Krankheit führen er und sein Team pro Woche an der LMU-Klinik durch, schätzt Giunta.

Ungefähr 1,3 bis 1,6 Millionen Erkrankte gibt es bundesweit. „Morbus Dupuytren betrifft sieben mal häufiger Männer als Frauen“, sagt Giunta. Meist tritt die Krankheit im Alter ab 50 Jahren auf. Aber es gibt auch deutlich jüngere Patienten. 

„Als Risikofaktoren gelten Klettern oder allgemein schwere körperliche Arbeit, Alkohol, hohe Cholesterin-Werte, Rauchen. Man sagt auch, dass es einen Zusammenhang mit Diabetes gibt.“ Die Erkrankung verläuft bei den Menschen unterschiedlich. 

Am häufigsten ist der Ringfinger (mit)betroffen, nämlich in 60 Prozent der Fälle. Daumen und Zeigefinger sind am seltensten betroffen.

Bei manchen schreitet sie in wenigen Monaten bis ins letzte Stadium voran, bei anderen tritt sie auf und bleibt zehn, zwanzig Jahre gleich. „Morbus Dupuytren ist in der Regel schmerzfrei. Das ist auch keine bösartige Erkrankung, sondern eine gutartige Narbenbildung, die einige Risikofaktoren mit sich bringt.

Es gibt keine ursächliche Therapie, behandelt wird nur das Symptom.“ Generell sei es so, dass man eine Operation erst durchführt, wenn eine Bewegungseinschränkung bestehe. „Das ist bei einer Beugekontraktur von mindestens 30 Grad der Fall.“ 

Es gibt auch verschiedene nicht-operative Verfahren. Beispielsweise die Möglichkeit der Bestrahlung. Sie ist allerdings nicht therapeutisch, sondern verhindert ein Fortschreiten der Krankheit. 

Dann gibt es noch minimal invasive Verfahren. Einerseits kann man, wie damals Dupuytren (siehe Kasten) mit einer Nadel den Strang durchtrennen. Oder es gibt eine medikamentöse Auflösung des Strangs.

Generell führt man erst eine Operation aus, wenn eine Bewegungseinschränkung bestehe.

„Mit mehreren Klein-Injektionen wird ein Enzym gespritzt, das den Narben-Strang auflöst. Eine sehr wirksame Methode, die allerdings von den gesetzlichen Kassen nicht übernommen wird.“ 

Das Standard-Verfahren ist seit Jahrzehnten die vollständige operative Entfernung des Strangs: „Technisch gesehen erfordert es aufgrund der vielen darunterliegenden Nerven und Gefäße, die mikrochirurgisch herauspräpariert werden müssen, große handchirurgische Erfahrung“, so Giunta. 

Die Operation dauert etwa 60 bis 90 Minuten. Danach folgt normalerweise Physiotherapie und für die Nacht gibt es eine Lagerungsschiene, damit keine Vernarbung in gekrümmter Finger-Haltung entsteht. 

Wenn man Knoten in der Hohlhand bekommt, die fest sind und nicht wieder weggehen, dann sind das laut Giunta erste Anzeichen, die sich ein Hausarzt ansehen sollte. Für eine weitere Beratung geht es dann zum Handchirurgen. 

Auch genannt: die „Wikinger-Krankheit“

Die Krankheit Morbus Dupuytren ist nach dem französischen Arzt Guillaume Dupuytren benannt, der sie im 19. Jahrhundert beschrieben hat. „Während sie bei Asiaten kaum zu beobachten ist, ebenso wenig wie in Südeuropa, kommt sie immer häufiger vor, je weiter man in den Norden kommt“, erklärt Giunta. 

„Daher ist der Begriff Wikinger-Krankheit entstanden.“ Warum aber beispielsweise Schweden häufiger betroffen seien als Griechen, wisse man bis heute nicht.

Daniela Borsutzky

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Eine große Auswahl weiterer Gesundheitsthemen finden Sie in unserer Serien-Übersicht.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Ab dem 60. Lebensjahr – Wahrscheinlichkeit für „Grauen Star“ steigt
Ab dem 60. Lebensjahr – Wahrscheinlichkeit für „Grauen Star“ steigt
Ski-Seniorinnen sausen zum Sieg – So erfolgreich sind die Münchner Rennfahrerinnen
Ski-Seniorinnen sausen zum Sieg – So erfolgreich sind die Münchner Rennfahrerinnen
Von Blutlache bis Schlammschlacht – Hallo bei einer Patiniererin zu Besuch
Von Blutlache bis Schlammschlacht – Hallo bei einer Patiniererin zu Besuch
Er räumt für Unterföhring alles ab
Er räumt für Unterföhring alles ab

Kommentare