200 Jahre städtische Friedhöfe: Der Westfriedhof in Moosach

Ein zweites Leben für Grabsteine

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Der Westfriedhof im Stadtviertel Moosach wurde  1902 gegründet, umfasst eine Fläche von rund 50 Hektar und bietet Platz für 41.700 Gräber.

Moosach – Die Anzahl traditioneller Beerdigungen nimmt kontinuierlich ab: Um besondere Grabmähler trotzdem zu erhalten, gibt es auf dem Westfriedhof einen besonderen Service

Jubiläum „200 Jahre städtische Friedhöfe“: In der Hallo-Serie stellen wir Gesichter, Anekdoten und Besonderheiten der bekanntesten Münchner Gottesäcker vor. Heute: der Westfriedhof.

Um herausragende alte Grabmäler zu erhalten, bietet das Münchner Grabmalbüro der Städtischen Friedhöfe einen besonderen Service an: Denkmal-Grabstätten, die komplett mit dem bereits vorhandenen Grabmal gepachtet werden können. 

Ein Grabmal wie dieses kann man auf dem Westfriedhof pachten.

„Wir haben einen aktuellen Sichtkatalog mit etwa 200 Grabmälern, davon sind etwa 80 Prozent derzeit verfügbar, diverse davon auf dem Westfriedhof“, sagt Sachgebietsleiter Anton Hebensteiner. „Wenn das Grabmalnutzungsrecht verfällt und ein altes Grab samt Grabstein aufgelöst wird, prüfen wir mit Hilfe von Kunst- und Kulturhistorikern genau die Beschaffenheit und Bedeutung eines Grabmales.“ Erhält es den Denkmalschutz, saniert das Grabmalbüro das Grab und bietet es zur Pacht an. 

Je nach Lage Größe und Zustand variieren die Kosten – vier- bis fünfstellig kann die Höhe der einmaligen Pacht sein, die Dauer startet bei zehn Jahren Nutzung. Dabei ist die Pacht innerhalb einer Familie auf Angehörige übertragbar. 

Anton Hebensteiner ist Sachgebietsleiter für den Westfriedhof.

Eine juristische Besonderheit gibt es, erkärt Hebensteiner: „Der Eigentümer des Grabmales unter Denkmalschutz bleibt immer die Stadt München. Mit der Pacht erwirbt der Interessent das Nutzungsrecht, verpflichtet sich aber auch zur weiteren Pflege und Instandhaltung des Grab-Denkmals.“ So darf an dem Denkmal nichts verändert oder baulich hinzugefügt werden, auch nichts, was etwa die Pietät des Grabmales stören würde. 

Auf der Rückseite der Grabsteine werden die Namen der ehemaligen Besitzer angebracht, auf der Vorderseite kann die Tafel mit Namen des neuen Grabnutzers angebracht werden.

Marie-Julie Hlawica

Münchens einzige Krypta

Unter der Aussegnungshalle des Westfriedhofs befindet sich die einzige Krypta der Stadt.

Architekt Hans Grässel hat etwas Besonderes im Sinn, als er Ende des 19. Jahrhunderts den Westfriedhof plant: „Unter der Aussegnungshalle befindet sich die einzige Krypta Münchens“, erzählt Friedhofsverwalter Frank Dick. In der unterirdischen Grabanlage seien viele Urnengräber. „Die klassische Erdbestattung ist rückläufig, immer mehr Menschen lassen sich verbrennen“, erklärt Dick. 

Frühchristliche Bauformen inspirierten Grässel generell beim Westfriedhof. Für den Kuppelbau der Aussegnungshalle, die im Originalzustand erhalten ist, dient als Vorlage das Mausoleum San Constantia in Rom. Kaiser Konstantin baut es 330 für seine Töchter. Auch die Stuckarbeiten der Kuppel – das Paradies im klassischen Altertum („Gefilde der Seligen“) – zeigen Grässels Vorliebe für den Baustil. 

Nicht nur die Anlage ist berühmt: Auch prominente Menschen sind hier begraben, unter anderem Quizmaster Robert Lembke (1913–1989), Schauspieler Maxl Graf (1933-1996), Malerfürst Franz von Lenbach (1836–1904), der Gründer der Borstei Bernhard Borst (1883-1963) oder die einstige persische Kaiserin Soraya (1932-2001). 

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