Dieses Gerät lässt ganz tief blicken

Modernste Medizintechnik in München: 3D-Ganzkörper-Scanner hilft Chirurgen bei OP-Planung

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Insgesamt 92 Kameras fotografieren im Bruchteil einer Sekunde den gesamten Körper eines Patienten. Der muss sich dafür aufstellen wie bei einem Körperscanner am Flughafen.

Eines der modernsten Geräte in ganz Deutschland ist seit ein paar Monaten ist am Klinikum der Universität München im Einsatz. Professor Riccardo Giunta erklärt alles rund um den 3D-Ganzkörper -Scanner...

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München Themen der Medizin. Zur Zeit stellen wir die neuesten und herausragendsten technischen Errungenschaften in Münchens Medizinwelt vor. Am Klinikum der Universität München ist seit ein paar Monaten ein 3D-Ganzkörper-Scanner im Einsatz. Warum dieser für gleich mehrere Fachrichtungen ein Meilenstein ist, erklärt Professor Riccardo Giunta.

Unweit des Sendlinger Tors ist die Abteilung für Plastische und Ästhetische sowie Handchirurgie des Klinikums der Universität München in einem historischen Haus untergebracht. 

Und doch befindet sich hier eines der modernsten Geräte, die es zur Zeit in Deutschland gibt: Seit September 2019 ist hier ein 3D-Ganzkörperscanner im Einsatz. Die beiden Bögen mit insgesamt 92 hochauflösende Kameras nehmen ein ganzes Zimmer ein und reichen bis an die hohe Altbaudecke. 

„Dafür einen passenden Raum zu finden, war gar nicht so einfach“, sagt Professor Riccardo Giunta. Der Direktor der Abteilung Plastische Chirurgie hat vor vier Jahren einen Prototyp des Scanners in den USA gesehen. 

Professor Riccardo Giunta (links), Direktor der Abteilung Plastische Chirurgie, hat sich dafür eingesetzt, dass der 3D-Ganzkörper-Scanner an die Uniklinik kommt

Seitdem hat er sich dafür eingesetzt, ihn an die Uniklinik zu holen. Aktuell gibt es ihn nur noch in Erlangen. „Es ist ein großartiges Gerät, weil es auf vielen Gebieten neue Möglichkeiten eröffnet“, so Giunta. 

In der Plastischen Chirurgie erleichtert es vor allem die Planung von Operationen. „Bisher hatten wir mit einem einzigen 3D-Foto nur die Möglichkeit, Patienten von einer Seite zu fotografieren. 

Jetzt können wir in einer einzigen Aufnahme den gesamten Körper dreidimensional von allen Seiten betrachten.“ Dafür stellen sich die Patienten einmal für wenige Millisekunden zwischen die beiden Bögen. 

Objektive Messungen nun möglich

Es blitzt mehrere Male, dann setzt der Computer ein 3D-Modell aus den verschiedenen Kamerabildern zusammen. Gleichzeitig misst die dazugehörige Software präzise das Volumen von Körperteilen, was zum Beispiel nützlich für eine symmetrische Brustrekonstruktion nach einer Brustkrebs-Operation ist. 

„Die neue Methode erlaubt eine objektive Messung. Bisher musste der Arzt das subjektiv einschätzen“, so Giunta. Zudem kann der Computer Simulationen von OP-Eingriffen erstellen. 

„Dadurch steigt die Sicherheit für Patienten, weil man ein Ergebnis vorab abschätzen kann“, erklärt der Direktor. Nach einem Eingriff ermöglicht ein erneuter Körperscan, das Ergebnis besser zu beurteilen.

Insgesamt 92 Kameras fotografieren im Bruchteil einer Sekunde den gesamten Körper eines Patienten.

Aber auch den Ab- und Aufbau von Muskel- oder Fettgewebe kann der 3D-Scanner sichtbar machen. Darum wird in München das rund 220 000 Euro teure Gerät – das zur Hälfte von der Deutschen Forschungsgesellschaft DFG finanziert wurde – interdisziplinär verwendet: 

Während Patienten der Plastischen Chirurgie inzwischen fast immer auch per 3D-Scanner untersucht werden, arbeiten Giunta und sein Team auch eng mit dem Brustzentrum der Universität, der Gynäkologie und der Dermatologie (Kasten) zusammen. 

Verbesserung auch für Hautkrebs-Vorsorge

Auch Muttermale kann der 3D-Scanner erfassen und bis zu 120-fach vergrößern. Die Ganzkörperansicht seiner Haut erhält jeder Patient am Ende auf einer USB-Karte, auf die man von jedem PC aus zugreifen kann. 

Der Clou: 

Bei einem erneuten Scan können dadurch Veränderungen an bestimmten Leberflecken festgestellt werden. Wahrscheinlich ab dem Sommer soll dabei Künstliche Intelligenz helfen, besonders auffällige Hauttumoren zu erkennen. 

Derzeit lassen circa 15 Personen pro Woche ihre Haut per 3D-Scan untersuchen, viele auf Eigeninitiative. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten noch nicht, die Untersuchung kostet aktuell 90 Euro.

Romy Ebert-Adeikis

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