Weltreise durch München (7): 

Mitten im Orient-Basar - Multikulti im südlichen Bahnhofsviertel

Obst und Gemüse kauft Kathrin Wickenhäuser-Egger bei Cavusoglu, Blumen am liebsten bei Ali.
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Obst und Gemüse kauft Kathrin Wickenhäuser-Egger bei Cavusoglu, Blumen am liebsten bei Ali.

Dieses Jahr verzichten die meisten auf einen Urlaub in fernen Ländern. Wie und wo man auch in München auf exotischen Urlaubsflair trifft, verraten wir in unserer neuen Serie...

  • Hallo nimmt sie auf eine Weltreise mit, ohne die Stadt zu verlassen. 
  • Dieses Mal dreht sich alles um den Orient in München. 
  • Hallo zu Besuch im südlichen Bahnhofsviertel.

Die Durchsage „Ready for boarding“ werden diesen Sommer nur wenige Münchner hören. Auf einen Urlaub in fernen Ländern verzichten die meisten. Für spannende Kulturen und exotisches Essen reichen aber ein paar Schritte vor die eigene Wohnungstüre. In unserer Serie „Weltreise durch München“ nehmen wir Sie mit an die schönsten Reiseziele – und das alles, ohne die Stadt zu verlassen. Also: „Fasten your seatbelts, ready for take-off“.

Gemüse satt vor dem Süpermarket, Dauerbetrieb bei den Herrenfriseuren, glitzernde Brautmode in Schaufenstern: Wie auf einem Basar fühlt man sich zwischen Goethe-, Landwehr-, Schiller- und Schwanthalerstraße – auch wenn coronabedingt weniger Gewusel als üblich herrscht. Mehr als die Hälfte der Menschen, die hier leben, hat einen Migrationshintergund. Für die einen ist es ein Brennpunkt – für die anderen offenbart sich hier die wahre Weltstadt. 

Klein-Istanbul, der Spitzname, den das südliche Bahnhofsviertel trägt, sei aber nicht mehr ganz richtig, meint Kathrin Wickenhäuser-Egger. „In den letzten Jahren sind immer mehr Araber dazugekommen“, erklärt sie, zeigt auf die Schriftzeichen im Fenster eines Restaurants. 

Kathrin Wickenhäuser-Egger

Die Hotelier-Familie der 41-Jährigen ist mit dem Viertel mehr als 100 Jahre verbunden. Ihr Vater Fritz, der heuer im März verstarb, gründete vor zehn Jahren den Verein Südliches Bahnhofsviertel und engagierte sich für die Weiterentwicklung des Stadtteils. „Nach dem zweiten Weltkrieg waren es vor allem Italiener, die sich hier ansiedelten, in den 70ern kamen schließlich die türkischen Gastarbeiter.“ 

Fun Facts 

  • 37 602 Türken leben in München.
  • 8 Tage würde es theoretisch dauern, mit dem Radl nach Istanbul zu fahren. 
  • Lieblingsimbiss der Autorin: Türkitch am Bahnhofsplatz, in der Humboldt- oder Türkenstraße

Bunt machen das Viertel aber auch die Touristen: 60 Prozent der Münchner Hotelbetten befinden sich hier. In der Senefelderstraße reihen sich drei Hostels aneinander. „Unsere Gäste sind junge Backpacker aus Amerika, Australien oder Korea“, sagt Alfio Vockner vom Euro Youth Hotel. 

Alfio Vockner vom Euro Youth Hotel. 

Die Säule in der Hostel-Bar haben seine Gäste beklebt mit Geldscheinen aus der ganzen Welt, das „beste Bier der Stadt“ zum fairen Preis lockt auch die Einheimischen hierher. Die Münchner Familien, auch sie sind noch im Viertel zu finden. Allen voran Wickenhäuser-Egger mit ihrer Wirtschaft „Münchner Stubn“. Wenn Klein-Istanbul also nicht mehr zeitgemäß ist, dann müsste es wohl heißen „Das Bahnhofsviertel – zwischen Orient und Augustiner“. 

dbo

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