„Wie’s ohne Wiesn geht...“ (3)

Mit Kutsche und Wiesnkoks: Wie Stammgäste die fünfte Münchner Jahreszeit im festzeltlosen Jahr begehen

Bedienungen und Gäste feiern beim Einzug der Wiesenwirte zum Oktoberfest auf einer geschmückten Kutsche.
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Bedienungen und Gäste feiern beim Einzug der Wiesenwirte zum Oktoberfest auf einer geschmückten Kutsche.

Keine Wiesn wegen Corona in diesem Jahr - Doch Oktoberfest-Stammgäste hält das nicht ab, ein bisschen Stimmung zu verbreiten. Wie sie das Volksfest trotzdem feiern.

  • Dieses Jahr muss die Wiesn wegen Corona ausfallen.
  • Echte Fans hält das jedoch nicht ab, das größte Volksfest auf ihre Art zu zelebrieren.
  • Wie die Stammgäste dieses Jahr den Oktoberfest-Ausfall erleben.

Frisieren, flanieren, gepflegt ein bisserl Wiesnkoks schnupfen und später einen Federweißen im Käferzelt trinken – das alles wird den beiden Szene­mädels und Bloggerinnen Sophia Faßnacht und Verena Prechtl heuer fehlen.

Die Bloggerinnen Sophia Faßnacht und Verena Prechtl.

Moment. Wiesnkoks schnupfen? „Nein, kein echtes Kokain“, sagt Verena. „Den Schnupftabak, den sie im Zelt verkaufen, nenne ich immer so.“ Weil sie im Freundeskreis die „Wiesnkoksbeauftragte“ ist, hat sie einen solchen schon gekauft, auch Magenbrot und Wiesnbier. Denn o’zapft wird bei der 33-Jährigen zuhause.

Dann wird reihum im Freundeskreis bei anderen daheim gefeiert. „Wir hören dann Wiesnhits und ziehen unsere Dirndl an“, sagt Sophia. „Zum Essen gibt’s Obatzdn und Brotzeitbrettl.“

So halten sich die beiden, die normalerweise für jede Wiesn mindestens ein neues Dirndl kaufen, bei Laune. „Als feststand, dass es heuer kein Oktoberfest gibt, hab ich schon ein paar Tränchen verdrückt“, sagt Verena.

Der 40. wird verschoben

Andi Ertl

Mit Hulapalu, Hey Baby und was sonst noch gegrölt wird, mit einer Maß Bier, Lederhosn und später einer Fischsemmel, so feiert Andi Ertl seinen Geburtstag. Immer, jedes Jahr, seit er Bier trinken darf. Ausgerechnet heuer aber, wo der Münchner 40 wird, geht das bekanntlich nicht.

Seine Lösung für das Problem: „Ich verschieb’ die Geburtstagsfeier um ein Jahr“, sagt Ertl. „Mit Mundschutz und Abstand und dass man nicht richtig planen kann – da macht das eh keinen Spaß.“ Nur eines, das darf auch heuer nicht am Geburtstagsabend am 29. September fehlen: „Einmal Country Roads singen, das muss schon sein.

Eigene Wiesn in der Kutsche 

Georg Mayrhofer aus Österreich, alias Wiesnschurli, war in den letzten 36 Jahren fast jeden Wiesn-Tag auf dem Oktoberfest unterwegs.

Für den Wiesnschurli war schon im April klar: „Die Wiesn findet trotzdem statt – aber heuer halt anders“, sagt Schurli, der im echten Leben Georg Mayrhofer heißt, Österreicher und ein echtes Original ist und in den vergangenen 36 Jahren jeden Tag am Oktoberfest war. Sein persönlicher Rekord: 111 Maß.

Traurig ist der selbsternannte Wiesnkönig keineswegs: „Man muss das als eine Chance sehen, als eine neue Perspektive.“ Sein erklärtes Ziel: „Ich will alles machen, was ich sonst nicht während der Wiesnzeit schaffe.“

Dazu gehören: Die Biergärten der Wiesnwirte besuchen, eine Nachtwächterführung machen und endlich mal die Bavaria Filmstudios besuchen. Insgesamt 19 Tage verbringt der Klosterneuburger in München – „so wie ich das schon letztes Jahr geplant habe“.

Für echtes Wiesnfeeling hat sich der 55-Jährige ein Programm ausgedacht: Am Samstag, wenn sonst der Einzug der Wirte stattfindet, fährt er mit Freunden in einer Pferdekutsche durch die Stadt. Mit dabei: „Ein Fassl Bier, Leberkas und Wiesnhits.“ Mit ein paar Bedienungen, die sonst in seiner Box arbeiten, hat er sich auch schon verabredet. Der einzige Wermuts­tropfen für den Schurli: „Normal besuchen mich um die 350 Leute in der Box. Die werde ich heuer nicht alle sehen.“

Hanni Kinadeter

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