200 Jahre städtische Friedhöfe: Alter Nordfriedhof in der Maxvorstadt

Alter Friedhof oder Freizeitpark?

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Bei Joggern ist der Alte Nordfriedhof besonders beliebt.

Maxvorstadt – Der Alte Norfriedhof in der Maxvorstadt ist Freizeitpark und letzte Ruhestätte in Einem, aber vor allem spaltet er die Anwohner: Die einen wollen die Schließung, die anderen am Liebsten einen Ort für Kindergeburtstage

Jubiläum „200 Jahre städtische Friedhöfe“: In der Hallo-Serie stellen wir Gesichter, Anekdoten und Besonderheiten der bekanntesten Münchner Gottesäcker vor. Heute: der Alte Nordfriedhof.

Kinder kraxeln auf Grabsteine, Jogger nutzen das linear angelegte Wegenetz für ausgiebige Laufrunden und Münchner breiten ihre Decken zum Picknick aus: Der Alte Nördliche Friedhof, am Rande der Maxvorstadt, mutet mit seinem knorrigen Baumbestand wie ein wildromantischer Park an – und wird auch als solcher genutzt. Immerhin wird seit 1944 nicht mehr bestattet (siehe Kasten), sagen die, die dort Feste feiern wollen. Andere Anwohner wehren sich aber gegen den Friedhof als Freizeitzone und fordern die Friedhofs-Schließung. Am 2. April steht das Thema „Maßnahmen Alter Nördlicher Friedhof“ wieder auf der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung vom Bezirksausschuss Maxvorstadt. BA-Vorsitzender Christian Krimpmann weiß: „Es wird laut darüber nachgedacht, ob man die Nutzung einschränkt.“ 2012 startete die Stadt eine Infokampagne zu dem korrekten Verhalten auf dem Nordfriedhof, stellte Stelen auf, die erklären, was erlaubt ist – und was eben nicht. Bernd Plank vom Referat für Gesundheit und Umwelt betont: „Joggen auf den Wegen ist geduldet, nicht ausdrücklich erlaubt.“ Verboten sind unter anderem Picknicke, Musik, Kindergeburtstagsfeiern, aber auch Slacklinen. Da es trotzdem immer wieder zu Baumschäden durch Slacklines oder Vermüllung kommt, wird jetzt diskutiert, ob man das kleine Areal zwischen Teng-, Adalbert-, Ziebland- und Arcisstraße nicht doch zeitweise schließen soll – und wenn, wie oft, wann und für wen. Für Krimpmann, selbst Anwohner, keine Lösung: „Denkbar für den BA wäre ein privater Ordnungsdienst oder kommunale Streifen, denn es handelt sich hier weder um Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten, sondern Ordnungsstörungen.“ Eine Abendsperrung ab 18, 20 oder 22 Uhr wäre verkehrt: „Damit strafen wir doch alle Münchner, die mit diesem schönen Stück Innenstadtnatur verantwortungsvoll umgehen. Ich hoffe auf konstruktive Vorschläge für eine vernünftige Lösung, damit der Alte Nördliche Friedhof weiter das für alle Münchner bleibt, was er ist: Ein Stück Natur mitten in der Stadt.“ Und die ist rar gesät in der Maxvorstadt. „Das ist vor der Haustür das einzige Grün“, erklärt die 28-jährige Maria. Sie macht hier regelmäßig Gymnastik: „Es wäre schlimm, wenn er geschlossen wird.“ Laut habe sie es hier nie erlebt, aber manchmal werde für Feste mit Luftballons und Dekoration geschmückt. mjh

Die Historie

Entlang der westlichen Mauer wurden 30 Arkadengrüfte angelegt.

Zwischen 1866 und 1869 wurde in der Maxvorstadt als zweite Begräbnisstätte der Nördliche Friedhof erbaut. Entlang der westlichen Mauer wurden 30 Arkadengrüfte angelegt. Insgesamt wurden circa 62 000 Personen dort bestattet, die letzten Jahre vor 1944 gab es nur noch vereinzelte Beerdigungen. Als Bombenangriffe im 2. Weltkrieg den Friedhof stark beschädigten, wurde er geschlossen. In den Nachkriegsjahren wurden viele Gräber abgeräumt; von den ursprünglich 7272 Grabstätten sind heute nur noch gut 700 erhalten.

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