„Mosaikstein“ gegen Sehverlust

Innovationen der Medizintechnik: Neues Gerät in München behandelt Makuladegeneration mit Lichtwellen

Durch das Valeda Light Delivery System kann das Team der Augenklinik um Professor Dr. Mathias Maier und Dr. Katharina Blobner die Ausbreitung der trockenen AMD hemmen oder stoppen.
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Durch das Valeda Light Delivery System kann das Team der Augenklinik um Professor Dr. Mathias Maier und Dr. Katharina Blobner die Ausbreitung der trockenen AMD hemmen oder stoppen.
  • Benedikt Strobach
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Im Klinikum rechts der Isar gibt es ein neues Gerät, welches gegen Sehverlust bei einer trockenen Makuladegeneration eingesetzt werden kann. Hallo hat mit zwei Experten gesprochen.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. In unserer aktuellen Serie blicken wir auf innovative Medizintechnik, die in München zur Anwendung kommt. So wie das Valeda Light Delivery System, das seit diesem Jahr in der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Klinikum rechts der Isar eingesetzt wird.

Mit seiner Hilfe können die Auswirkungen der trockenen Alters­abhängigen Makuladegeneration (AMD) verlangsamt und sogar gestoppt werden.

Wie das Gerät funktioniert und welche Vorteile es bietet, verraten Professor Dr. Mathias Maier, kommissarischer Klinikdirektor, und Oberärztin Dr. Katharina Blobner

Zwei Bilder zeigt Professor Dr. Mathias Maier: Auf dem linken ist ein Kind zu sehen, das eine ältere Dame umarmt. Auf dem rechten Bild auch – wäre nicht ein großer grauer Fleck in der Mitte abgedruckt, der die Personen verdeckt.

Damit soll verdeutlicht werden, wie schwerer Sehverlust durch Augen­erkrankungen aussehen kann. Die gefährlichste davon: Alters­abhängige Makuladegeneration (AMD).

„Dabei bilden sich in der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens im Auge, sogenannte Drusen, also kleine gelbliche Ablagerungen unter der Netzhaut.

Diese führen dann unter anderem zu einem verzerrten Sichtfeld und einem Visusabfall“, erklärt Maier, kommissarischer Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Klinikum rechts der Isar. Gründe für die Krankheit seien ein ungesunder Lebensstil, Rauchen, Genetik oder UV-Strahlung.

Bestrahlung gegen Sehverlust

Das Problem bisher: „Während die aggressivere Variante der Krankheit, die feuchte AMD, mit Spritzen behandelt werden kann, gibt es für die trockene Form keine heilende Therapie“, sagt Oberärztin Dr. Katharina Blobner.

Seit diesem Jahr gibt es jedoch einen „Mosaikstein“, wie es Maier nennt: Das Valeda Light Delivery System (VLDS, siehe unten). „Durch regelmäßige Bestrahlung der Augen mit verschiedenen Lichtwellen können wir den Sehverlust verlangsamen oder stoppen und die Sehschärfe erhalten.

In frühen Stadien ist es sogar möglich, die Sehleistung wieder zu verbessern und die Krankheit zurückgehen zu lassen“, sagt er. Ein wichtiger Erfolg, denn ungefährlich ist die AMD nicht: „30 Prozent aller Fälle von schwerem Sehverlust durch Augenerkrankungen sind darauf zurückzuführen“, erklärt Maier.

„Außerdem ist die AMD für 34 Prozent der Neu-Erblindungen verantwortlich.“ Studien zeigen, dass sich dieser Wert bis 2030 noch dramatisch erhöhen wird. Menschen ab 60 Jahren seien von der Erkrankung besonders betroffen.

Je früher Patienten kommen, desto besser sind die Erfolgschancen

Es sei wichtig, dass Patienten früh zur Behandlung kommen, betont Blobner. „Ein Symptom kann sein, wenn Kachelmuster verzerrt wahrgenommen werden.“ Je früher man sich behandeln lasse, desto besser funktioniere die Therapie, sagt Maier: „Die betroffenen Flächen bei der trockenen Form vergrößern sich zunehmend. Je später eine Behandlung beginnt, desto weniger Erfolge sind zu erzielen.“

Erste Erfolge wurden schon verzeichnet. „Die Behandlung erfolgt in mehreren Phasen. Wir konnten bei Patienten im zweiten Zyklus Verbesserungen feststellen“, erklärt Maier. „Man sieht, dass die Drusen sich durch die Behandlung verändern.“

Nebenwirkungen gibt es nicht. „Man könnte danach kurzzeitig geblendet sein oder ein Trockenheitsgefühl wahrnehmen“, sagt Blobner. Für Epileptiker sei das System aber ungeeignet.

Die Forschung an Behandlungsmöglichkeiten der trockenen AMD laufe natürlich weiter, versichert Blobner. „Eventuell sollten die Abstände zwischen den Zyklen beim VDLS verkürzt werden.“ Der „Mosaikstein“ im Kampf gegen die Krankheit ist aber in jedem Fall platziert.

Das Valeda Light Delivery System

„Mithilfe von drei LEDs wird Licht der Wellenlängen 590, 660 und 850 Nanometer generiert“, erklärt Professor Dr. Mathias Maier die Funktionsweise des VLDS.

Dreimal pro Woche für drei Wochen werden Patienten behandelt. Nach sechs Monaten steht ein neuer Zyklus an. „Pro Sitzung wird jedes Auge fünf Minuten lang behandelt“, sagt Maier. Das Licht hemmt die Entzündungsreaktion und erhöht die Stoffwechselaktivität der Zellen im Auge.

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