Trübe Aussichten auf das Alter

Ab dem 60. Lebensjahr – Wahrscheinlichkeit für „Grauen Star“ steigt

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Trübe, weniger kontrastreich und verschwommen wird die Sicht auf München, wenn man am „Grauen Star“ erkrankt (siehe Fotobearbeitung)

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell dreht sich alles um Leiden, die besonders Ältere häufig plagen – etwa die Augenkrankheit „Grauer Star“. Was der Grund für die Sehschwäche ist und mit welchen Methoden man heute dagegen vorgeht, erklärt Professor Dr. Michael Janusz Koss vom Augenzentrum Nymphenburger Höfe.

Die Sicht verschwommen, das Licht kommt nur gedämpft herein: Wie durch ein schmutziges Fenster sehen Menschen, die am „Grauen Star“ erkrankt sind. Im Gegensatz zur Fensterscheibe kann man die Augenlinse zwar nicht sauber putzen. 

„Man kann aber die Linse chirurgisch wechseln, damit wieder mehr Licht reinkommt“, sagt Professor Michael Janusz Koss vom Augenzentrum Nymphenburger Höfe. Etwa 750 000 solcher Operationen werden jedes Jahr in Deutschland durchgeführt. 

Der Graue Star ist ein altersbedingtes Leiden. Professor Michael Janusz Koss vom Augenzentrum Nymphenburger  Höfe erklärt: „Das Potenzial einer Augenlinse, sich selbst zu regenerieren, nimmt mit dem Alter ab.“

Und die Anzahl wächst. Denn: Der Graue Star ist ein altersbedingtes Leiden. „Das Potenzial einer Augenlinse, sich selbst zu regenerieren, nimmt mit dem Alter ab“, erklärt Koss. Wird die Linsenflüssigkeit nicht mehr erneuert, verhärtet sie sich und die Linse wird trüb. 

„Dieser Zustand fängt in der Regel ab dem 60. Lebensjahr an.“ Spätestens ab dem 50. Lebensjahr empfiehlt der Experte darum einen jährlichen Augenarztbesuch – zumindest sollte man sonst keine anderen Sehprobleme haben. 

Vor allem die Gene sind nach derzeitiger Forschung wohl dafür verantwortlich, dass Menschen am „Grauen Star“ erkranken. Weitere Risikofaktoren können Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder frühere Augenoperationen sein. 

Ob eine OP notwendig ist, wird vom Augenarzt individuell entschieden. 

„Dabei geht es darum, wie stark die Beschwerden und andere Sehfehler wie Kurz- oder Weitsichtigkeit sind“, so Koss. Wie alt ein Patient ist, spiele hingegen dank moderner Medizintechnik kaum eine Rolle.

 „Der Eingriff wird inzwischen weitestgehend ambulant und minimal­invasiv gemacht.“ In der Regel dauere daher das Entfernen der körpereigenen Linse – standardmäßig durch Ultraschall oder heutzutage immer öfter per Laser – und das Einsetzen einer Kunstlinse nicht länger als 45 Minuten. 

Das bewährte Prinzip sei, dass mit der Kunstlinse entweder die Sicht auf die Ferne oder auf die Nähe scharf gestellt wird. Im Anschluss kann es noch kleinere Probleme durch Reiben oder Kratzen geben. „Das geht meistens schnell vorbei“, so der Experte. 

15 Prozent der Patienten entwickeln Nachstar

Zwischen zehn und 15 Prozent der Patienten entwickeln aber einen sogenannten Nachstar, bei dem sich auch der Halteapparat der Linse eintrübt. 

„Das muss dann mit einem Laser behandelt werden“, so Koss. Dass es schwerwiegende Komplikationen mit der Kunstlinse gibt – die für gewöhnlich ein Leben lang hält – ist zu weniger als einem Prozent der Fall. 

Und laut Koss oft Ergebnis einer schlechten Beratung. „Manche Premiumlinsen kosten zwar mehr, sind aber nicht zwingend besser.“ 

Romy Ebert-Adeikis

Weitere Gefahr fürs Auge im Alter

Eine der häufigsten Augenkrankheiten in der westlichen Welt ist die sogenannte Altersbedingte Makula-Degeneration (AMD). Allein in Deutschland gibt es 3,5 Millionen Betroffene, schätzt Prof. Michael Koss. 

Die Makula ist die Stelle der Netzhaut, an der ein Motiv am schärfsten abgebildet wird. Durch Einlagerungen oder Gefäße können dort Sinneszellen geschädigt werden. Mögliche Folge: eine verzerrte Wahrnehmung oder dunkle Flecken im Sichtfeld.

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