Modernste Medizintechnik in München

Flugsimulator für Neurochirurgen – Mixed-Reality-Brillen kommen im Klinikum Großhadern zum Einsatz

Hallo-Redakteurin Romy Ebert-Adeikis durfte die Mixed-Reality-Brille austesten, die ein 3D-Hologramm eines Patientengehirns (siehe Kreis) sichtbar macht – innerhalb der realen Umgebung.
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Hallo-Redakteurin Romy Ebert-Adeikis durfte die Mixed-Reality-Brille austesten, die ein 3D-Hologramm eines Patientengehirns sichtbar macht – innerhalb der realen Umgebung.

Hallo stellt die Modernste Medizintechnik Münchens vor. Ab sofort kommen im LMU Klinikum Großhadern Mixed-Reality-Brillen zum Einsatz. Was dahinter steckt und wie sie im Klinikalltag eingesetzt werden...

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München Themen der Medizin. Zur Zeit stellen wir die neuesten und technischen Errungenschaften in Münchens Medizinwelt vor. Ab sofort kommen im LMU-Klinikum Großhadern Mixed-Reality-Brillen zum Einsatz – entwickelt wurden sie vom Münchner Unternehmen Brainlab. Was dahinter steckt und wie die Technik im Klinikalltag eingesetzt werden soll.

München – Zahlreiche Blutgefäße und hochempfindliche Nerven auf engstem Raum: Wer am menschlichen Gehirn operiert, darf sich keinen Fehler erlauben. „Neurochirurgen brauchen ein extrem hohes Verständnis für komplexe, dreidimensionale Strukturen. 

Die Ansicht des Kopfes verändert sich, je nachdem ob ein Patient sitzt, auf dem Bauch oder der Seite liegt“, sagt Professor Jörg-Christian Tonn, Direktor der Neurochirurgischen Klinik der LMU in Großhadern. 

Demnächst wird das Navigieren im Gehirn für ihn und sein Team etwas leichter: In den kommenden Tagen wird in der Klinik ein Mixed-Reality­System eingerichtet, mit dem die Ärzte dreidimensional den Kopf ihres Patienten – und vor allem dessen Inneres – betrachten können. 

Professor Jörg-Christian Tonn, Direktor der Neurochirurgischen Klinik der LMU in Großhadern. 

Anders als bei Virtual-­Reality-Brillen bleibt die wirkliche Umgebung dabei aber ebenfalls sichtbar. 

„Dass Daten aus dem MRT-Scanner vom Computer in ein 3D-Modell umgerechnet werden, ist bereits Klinikalltag“, erklärt Dominik Fischer vom Unternehmen Brainlab in München-Riem, welches das Mixed-Reality-­System mit entwickelt hat. 

Anschauen mussten sich die Ärzte das errechnete 3D-Modell aber bisher am Bildschirm – und damit nur zweidimensional. „Mit den Mixed-Reality-­Brillen kann dieses jetzt in jeden Raum hineinprojiziert werden“, so Fischer. 

Eine Fernbedienung ermöglicht zudem, das Modell zu drehen, zu vergrößern oder in Schichten zu betrachten. „Das hilft uns sehr – etwa um für eine OP den schonendsten Weg zu einem Tumor oder fehlgebildeten Gefäß im Gehirn zu finden“, so Neurochirurg Tonn. 

Die Mixed-Reality-Brille machen ein 3D-Hologramm eines Patientengehirns sichtbar.

Mit den Mixed-Reality-­Brillen könnten Ärzte ihre Patienten auch besser über einen Befund oder bevorstehende Operationen aufklären. Außerdem soll das System zur Ausbildung von Ärzten eingesetzt werden. 

„Es ist ja wie ein Flugsimulator für das Gehirn.“ In Zukunft sei auch eine Verknüpfung mit den digitalen Mikroskopen, die während einer Operation eingesetzt werden, denkbar. 

In den ersten Wochen trainieren die Neurochirurgen der LMU erstmal den Umgang mit den Mixed-Reality-­Brillen. 

Parallel werden Gehirn-­OPs weiterhin am Computer geplant. Interesse an dem System bestehe in Großhadern aber auch in der HNO-Abteilung und Unfallchirurgie. Und auch das Klinikum rechts der Isar will sich in Zukunft mit Mixed-­Reality ausrüsten. 

Brainlab entwickelt auch Roboterarm 

Der Münchner Medizinhersteller Brainlab ist ebenfalls im Bereich Robotertechnik aktiv. Dessen Roboterarm „Cirq“ kommt beispielsweise bei Eingriffen an der Wirbelsäule zum Einsatz. 

Seit 2018 wird er weltweit in Kliniken genutzt – etwa in den USA, der Schweiz oder auch am Münchner Klinikum rechts der Isar. Produziert wird er am Brainlab-Standort in Riem. Konkret unterstützt „Cirq“ Operateure dabei, so präzise und schonend wie möglich zu arbeiten. 

Der Robo-Arm „Cirq“ unterstützt Operateure dabei, so präzise und schonend wie möglich zu arbeiten. 

Der Robo-Arm wird an den OP-Tisch montiert und vom Arzt so ausgerichtet, dass dieser an der idealen Stelle etwa eine Schraube setzen kann und dabei nicht verrutscht. Bisher sorgt dafür der Assistenzarzt. 

Seit dem Sommer gibt es aber auch eine aktive Form von „Cirq“, die mithilfe einer Software selbst die ideale OP-Position findet. Der Arzt kontrolliert das über den Bildschirm. Im September sollen die ersten weiterentwickelten Roboterarme an Kliniken ausgeliefert werden.

Romy Ebert-Adeikis

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