Wohnzimmer statt Wittelsbacher

Hallo-Serie (2) – Blick in verschlossene Buden: Mittelalterliche Trinkhörner sind kein Fall fürs Internet

Monika Simon und Bernhard Schmitt würden dieses Jahr eigentlich ihren Stand auf dem Mittelaltermarkt betreiben.
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Monika Simon und Bernhard Schmitt würden dieses Jahr eigentlich ihren Stand auf dem Mittelaltermarkt betreiben.

Der Mittelaltermarkt fällt dieses Jahr aus - ein Problem für Standbetreiber Bernhard Schmitt. Zweiter Teil der Hallo-Serie, die den Blick in geschlossene Buden wirft.

Corona-bedingt wurden alle Münchner Adventsmärkte abgesagt. In dieser Serie bringen wir einige der Budenbesitzer mittwochs und samstags quasi zu Ihnen nach Hause – und verraten, wie sehr sie der Ausfall schmerzt und ob man ihre Produkte heuer andernorts erwerben kann.

Heuer wäre es sein 15. Mal auf dem Mittelalter-Christkindlmarkt am Wittelsbacher Platz gewesen: Bernhard Schmitt (53) ist mit Leidenschaft als Händler auf dem Markt der Gaukler und Schwerter an der Briennerstraße dabei. 'Die kleyne Kraemerey' verkauft dort, was das Mittelalterherz für den Haushalt begehrt.

Im geschmückten Holzstand bietet er Ruf- und verzierte Trinkhörner, Hornbecher, Lederaccessoires, altertümliche Schmuckschatullen und Notizbücher mit Ledereinband oder Steindekor an. „Wir haben Stammkunden, aber viel mehr Laufkundschaft, die sich bei uns inspirieren lässt und spontan nach einem außergewöhnlichen Geschenk greift.“

So sah die „Kleyne Kraemerei“ in den letzten Jahren aus. Heuer bleibt sie zu.

Mittelaltermarkt am Wittelsbacherplatz fällt heuer aus - Bernhard schmitt betroffen

Corona hat Schmitt und Freundin Monika Simon einen Strich durch die Rechnung gemacht: „Trotz Hygiene-Konzept sagte der Veranstalter den Markt in letzter Minute ab. Er wollte kein Risiko eingehen.“ Nun fehlen die Weihnachtseinnahmen, die ein Großteil des Jahreseinkommens sind.

Doch für den Mittelalter-Fan ist der urige Mittelaltermarkt seit Jahren mehr als nur Handel und Geschäft: „Wir Standler vom fahrenden Mittelalter-Volk sehen uns nur dort. Diese Kontakte fehlen, der Ratsch, die Gemeinschaft.“ Weil Schmitt jährlich über 25 Märkte quer durch Deutschland anfährt, führt er kein Ladengeschäft.

Online-Handel für Mittelalter nicht rentabel

Auch Onlineverkauf lohnt sich für den Münchner nicht: „Bei uns ist jedes Stück ein handgemachtes Unikat. Kein Kunde kauft ein ,Trinkhorn – Abbildung ähnlich‘.“ Seine Ware lagert im Hänger, mit dem er sonst auf Märkte reist.

Schmitt bleibt Optimist, hat eine Operation vorgezogen, nutzt die Zeit zur Genesung. Wo er in einem Jahr ist? „Beim Aufbau von 'Die Kleyne Kraemerey' am Mittelaltermarkt 2021!“

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