Wie Training auch die Blase stärkt

Jede zweite Frau über 50 leidet an einer Erschlaffung des Beckenbodens

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Nicht schlapp machen: Warum der Beckenboden Training braucht

Viele Frauen haben eine Blasenschwäche. Oft sind sie von Unsicherheit betroffen, wenn sie das Haus verlassen. Hier erfahren Sie, warum der Beckenboden Trainig braucht...

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell dreht sich alles um Leiden, die besonders Ältere häufig plagen – wie eine Blasenschwäche. Warum die Ursache oft im Beckenboden liegt und wie man das Problem am besten therapiert, erklärt Professor Dr. Christoph Scholz, Chefarzt der Frauenkliniken in Harlaching und Neuperlach.

Übers Älterwerden redet keine Frau gern. Das gilt umso mehr, wenn damit eine Blasenschwäche einhergeht. „Es gibt Frauen, die kartieren die ganze Stadt anhand von Toiletten. 

Vor allem Frauen sind betroffen

Andere verlassen aus Unsicherheit die häusliche Umgebung gar nicht mehr“, berichtet Professor Christoph Scholz, Chefarzt der Frauenkliniken in Harlaching und Neuperlach. 

Dabei ist eine Blasenschwäche vor allem für Frauen vielfach Realität: „Jede zweite Frau ab 50 ist von einer Beckenbodensenkung betroffen.“ Diese geht wiederum bei etwa jeder zweiten mit einer Art von Inkontinenz einher. 

„Und dadurch, dass wir alle immer älter werden, sind auch immer mehr Frauen betroffen“, sagt der Experte. Denn mit dem Alter nimmt die Stabilität des Beckenbodens ab. Diese Muskel- und Bindegewebsschicht sorgt dafür, dass die Bauch­organe in Position bleiben. 

Zwischen 50 und 60 beginnt der Beckenboden schwächer zu werden.

Wird sie schlaffer, sinken die Organe ab. „Die Positionsveränderung selbst ist in der Regel irrelevant“, so Scholz. „Aber sie kann Folgen für die Entleerung von Darm und Blase haben.“ Neben einem schmerzhaften Ziehen im Unterleib kann es etwa zu einer Stressinkontinenz kommen. 

Die Schließfunktion der Blase ist geschwächt, bei Belastung – wie beim Lachen, Husten oder Hüpfen – kann es zu einer tröpfchen- oder schwallartigen Entleerung kommen. Andererseits kann die Blase durch die Beckenbodensenkung auch gereizt sein – und sehr plötzlich und ohne echte Not Urin ablassen. 

In der Regel beginnt der Beckenboden zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr schwächer zu werden, oft auch in Verbindung mit den Wechseljahren. Übergewicht und vorausgegangene Schwangerschaften erhöhen das Risiko zusätzlich. 

Aktiver werden ist in vielen Fällen auch das erste Therapiemittel.

Eine gute Geburtshilfe sei daher für die Gesundheit im Alter wichtig, was aber nicht heißt, das man deswegen per Kaiserschnitt entbinden sollte. „Aber außer einem aktiven Lebensstil und einer gesunden Ernährung gibt es keine Vorsorge“, betont Scholz. 

Aktiver werden ist in vielen Fällen auch das erste Therapiemittel. Mit einem Beckenbodentraining (siehe unten) können Betroffene das Bewusstsein für den Körperbereich sowie ihre Muskulatur stärken. Angeboten werden entsprechende Kurse von Physiotherapiepraxen oder den Volkshochschulen.

Mit Medikamenten können nur einzelne Formen der Inkontinenz behandelt werden. 

„Je älter die Patientinnen und je ausgeprägter die Problematik, desto weniger wird Training allein aber ausrichten“, so Scholz. Mit Medikamenten können nur einzelne Formen der Inkontinenz gut behandelt werden. 

Bleiben alle konservativen Therapien ohne Erfolg, kann eine OP infrage kommen. Möglich ist eine operative Raffung der Scheidenhaut, eine Reduktion der Organsenkung, die Stützung des Blasenhalses von innen oder das Einsetzen eines Netzbändchens, ein sogenanntes TVT. „Wir können heute alle Verfahren minimalinvasiv durchführen.“ 

Mit diesen Tricks können Sie Ihren Beckenboden trainieren

Ein stabiler Beckenboden fängt beim natürlichen Toilettengang an: „Man sollte den Harndrang weder über längere Zeit bewusst anhalten noch vorsorglich auf Toilette gehen“, warnt Chefarzt Christoph Scholz. 

Der Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz rät zudem dazu, auf der Toilette möglichst gerade zu sitzen, um die Blase komplett zu leeren. 

Auch konkrete Übungen hat der Verband zusammengestellt: So kann man etwa beim Wasserlassen den Urinstrahl mehrfach unterbrechen. Selbst im Büro oder in der Bahn können Frauen unauffällig trainieren, indem sie die Muskeln beim Sitzen fünfmal hintereinander kurz anspannen und wieder lockern. 

Mit einer weichen Unterlage und einem Stuhl kann man zudem daheim spezielle Gymnastikübungen durchführen. Eine Übersicht gibt es im Internet unter www.bgv-blasenschwaeche.de/beckenboden.html

rea

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