Diese Landkarte geht ans Herz

Innovationen der Medizintechnik (7): Höchste Präzision bei Vorhofflimmern-Eingriffen in Bogenhausen

Während des Eingriffs zeigt das Kartierungssystem (v.li.) Mesuda Medic, Dr. Florian Straube und Prof. Dr. Ellen Hoffmann nicht nur ein 3D-Bild des Herzens.
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Während des Eingriffs zeigt das Kartierungssystem (v.li.) Mesuda Medic, Dr. Florian Straube und Prof. Dr. Ellen Hoffmann nicht nur ein 3D-Bild des Herzens.
  • Romy Ebert-Adeikis
    VonRomy Ebert-Adeikis
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Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Krankheiten im Alter, daher wird sie auch häufig behandelt. Mit einem neuen Verfahren soll dabei die Behandlung schonender und genauer werden.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. In unserer aktuellen Serie blicken wir auf besonders innovative Medizintechnik.

Etwa in der München Klinik Bogenhausen, wo bei der Behandlung von Vorhofflimmern besondere Ballons und ein 3D-Kartierungssystem eingesetzt werden. Was es damit auf sich hat, erklärt der Geschäftsführende Oberarzt PD Dr. Florian Straube.

Behandlung von Vorhofflimmern: Neues System erspart Belastung durch Röntgenstrahlen

Vorhofflimmern ist eine Volkskrankheit des Alters: „Etwa jeder Dritte über 55 Jahre wird es im weiteren Leben bekommen“, sagt PD Dr. Florian Straube, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Kardiologie und Internistischen Intensivmedizin an der München Klinik Bogenhausen.

Neben Medikamenten ist für manche Patienten mit hohem Leidensdruck ein minimalinvasiver Eingriff die geeignete Lösung – die Katheterablation. Seit März kommt dafür in Bogenhausen ein System zum Einsatz, das 3D-Modelle des Herzvorhofs erstellt. Bundesweit nutzen das nur drei andere Kliniken.

Bei der Ablation werden die Lungenvenen-Einmündungen zum Vorhof zum Beispiel durch Hitze oder Kälte elektrisch isoliert, damit Extraschläge aus den Venen nicht aufs Herz übergehen. Vereist werden sie über einen sogenannten Cryoballon. „Der muss von innen dicht an die Lungenvenenmündung angepresst werden, wie ein Stöpsel“, erklärt Straube. „Normalerweise wird das mit Röntgendurchleuchtung überprüft.“

Der grüne Kreis gibt an, dass der Ballon zur Isolation einer Lungenvene durch Vereisen richtig sitzt.

Mit dem neuen Kartierungssystem kann die ganze Zeit die Bewegungen der Katheter am Monitor verfolgt werden, auch wenn gerade keine Röntgendurchleuchtung angewendet wird. Die Behandlung wird so schonender.

Ein weiterer Vorteil: „Mit der 3D-Darstellung können wir die einzelnen Abgänge der Venen und Verzweigungen detailliert erfassen“, sagt Straube. „Wir denken, dass wir dadurch bei komplexen Herzrhythmusstörungen mehr Informationen bekommen, diese besser verstehen und behandeln können.“

3-D Kartierungssysteme liefern mehr Informationen über Krankheitsbild - System schon bei anderen Eingriffen erprobt

Bei anderen Eingriffen gibt es 3D-Kartierungssysteme schon länger. „Mit Cryoballons wurden sie bisher nicht verwendet, weil deren korrekte Position an der Lungenvene durch herkömmliche Verfahren nicht dargestellt werden kann“, erklärt Straube. Mit dem „Kodex EPD System“, das in der Bogenhausener Klinik angewandt wird, ist das anders. „Dieses nutzt die dielektischen Eigenschaften des Gewebes in elektrischen Feldern.“

Über sieben Klebe-Elektroden am Brustkorb werden die Felder angelegt, Katheter-Elektroden registrieren Veränderungen. „Die Katheterspitze braucht für das anatomische 3D-Bild dabei keinen direkten Kontakt zur Herzwand. Stattdessen reicht es, wenn diese in der Nähe platziert ist“, so Straube. Zur Steuerung ist in der Regel ein Techniker mit im OP-Saal.

Methode nicht immer geeignet - Hoher technischer Aufwand mit Einsatz der Landkarte verbunden

Der Einsatz der Landkarte fürs Herz ist aber nicht für alle Ablationen geeignet – zum Beispiel, wenn innovative Ballone benutzt werden, die dafür noch nicht zugelassen sind. Außerdem: „Technisch ist der Eingriff damit aufwändiger“, so Straube. Man wäge individuell ab, bei welchen Herzrhythmusstörungen das System sinnvoll eingesetzt werden kann.

Das Gerät ist derzeit noch gemietet. Mit dem Neubau des Herzkatheterlabors im Klinikum Bogenhausen soll es aber neu gekauft werden.

„PolarX“ : Technischer Fortschritt auch bei Cryoballons 

Die München Klinik Bogenhausen ist weltweit als Zentrum für den Einsatz von Cryoballons bei der Behandlung von Vorhofflimmern bekannt. Zum Einsatz kommt dort seit Kurzem auch ein neues Ballonsystem zur Vereisung der Lungenvenen: „PolarX“ von der Firma Boston Scientific.

„Der Ballon wird an die Lungenvenenmündung angepresst. Während der Positionierung, beim Einströmen des Kühlmittels und der Vereisung verändert sich der Innendruck nicht. Dadurch bleiben Form und Größe des Ballons stabil“, erläutert PD Dr. Florian Straube die Neuerung.

Für Ärzte und Pfleger hat das System ebenfalls Vorteile zu den Vorgängern: Eine digitale Konsole mit Touchbildschirm und Fußpedal zum Starten und Stoppen der Vereisung erleichtern die Bedienung.

„PolarX“ wird aktuell entsprechend der Zulassung bei der sporadischen Form des Vorhofflimmerns – wenn die einzelnen Episoden nicht länger als sieben Tage dauern – sicher und erfolgreich angewendet.

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