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Gesund im Alltag (1): Münchner Allgemeinärzte verraten, welche Hausmittelchen wirklich helfen

Münchner Allgemeinärzte klären auf, welche Hausmittelchen bei Erkältung, Kopfschmerzen und Sonnenbrand helfen.
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Münchner Allgemeinärzte klären auf, welche Hausmittelchen bei Erkältung, Kopfschmerzen und Sonnenbrand helfen.
  • Romy Ebert-Adeikis
    VonRomy Ebert-Adeikis
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Wenn man sich krank fühlt, muss nicht zwingend gleich ein Arzt aufgesucht werden. Abhängig vom Leiden reicht es manchmal auch alte Hausmittelchen anzuwenden. Welche etwas bringen.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. In unserer neuen Serie klären wir, wie man seinen Alltag gesund gestaltet – zum Beispiel mit Hausmitteln. Die Münchner Allgemeinärzte Dr. Christoph Pooth und Dr. Michael Weier über Helfer aus der Hausapotheke.

Nicht wegen jedem Leiden muss man gleich zum Arzt. Allerdings: Nach einer Studie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gingen 40 Prozent der deutschen Versicherten 2019 mehr als sechs Mal im Jahr zum Arzt. „Im Verhältnis zu anderen Ländern ist das sehr oft“, so Dr. Christoph Pooth, der in der Münchner Altstadt und in Gräfelfing eine Praxis betreibt.

Der Grund:  Das Wissen über Hausmittel nimmt ab. Auch, weil Hausärzte weniger Zeit für ihre Patienten haben: „Dann noch zu erklären, wie man einen Zwiebeltee zubereitet, ist ein großer Aufwand“, sagt Dr. Michael Weier (Foto u.), der seit 2017 eine Hausarztpraxis am Goetheplatz betreibt.

Dr. Michael Weier informiert auf seiner Praxis-Website über Hausmittelchen.

Über Hausmittel informiert er seine Patienten stattdessen auf der Internetseite seiner Praxis, Pooth unter anderem in einem eigenen Podcast. In Hallo geben sie diese und kommende Woche einen Überblick über die besten Hausmittel.

Flüssigkeit, Schlaf und Schleimlöser bei Husten und Schnupfen

„Ein Großteil der Erkrankungen, die mit Husten und Schnupfen einhergehen, ist viral“, erklärt Dr. Christoph Pooth. Einfach ein Antibiotikum zu schlucken, sei daher selten sinnvoll. Stattdessen: ausreichend schlafen und viel trinken.

„Ich empfehle immer einen halben bis einen Liter mehr als gewöhnlich.“ Denn Flüssigkeitsmangel behindert den Gesundungsprozess. „Und gerade bei Infekten schwitzen wir oft unbemerkt.“

Gute Helfer sind laut Pooth auch Spitzwegerich, Ingwer – und Kochsalz, zum Beispiel zum Inhalieren. „Das hilft bei allen Infekten des oberen Nasen-Rachenbereichs.“

Auch für eine Nasendusche eignet sich Salz, weiß Dr. Michael Weier. Besonders gut tue auch Gurgeln. „Solange nur der Hals kratzt, kann man damit manchmal noch die Virenlast reduzieren.“ Später sorgen Dusche und Gurgeln dafür, dass sich der reizende Schleim von den Stirnhöhlen nicht in der Lunge festsetzt und zu Reizhusten führt. „Den Schleim zu lösen ist daher ganz wesentlich.“

Viele Auslöser, viele Lösungen: bei Kopfweh erstmal in sich Hineinhorchen

Frische Luft, ein ruhiger, abgedunkelter Raum und ein kalter Waschlappen auf die Stirn – das sind laut Michael Weier die Basismaßnahmen bei Kopfschmerz.

Allerdings: Für das Pochen und Hämmern sind fast 30 verschiedene Ursachen bekannt. „Darum sollte man erstmal schauen, was den Schmerz auslöst, bevor man irgendetwas tut“, rät Christoph Pooth. Kommt der Schmerz aus der (Hals-)wirbelsäule können Massagen helfen.

Bei Spannungskopfweh habe Minzöl eine lindernde Wirkung. Eine Alternative hat Weier im Blick: ein warmes Kirschkernkissen im Nacken. „Dadurch wird die Muskulatur weicher und der Schmerz kann nachlassen.“

Grundsätzlich gelte: Ausprobieren, denn nicht jedem tut das Gleiche gut. So ist der Espresso mit Zitrone eine Glaubensfrage: „Koffein in Verbindung mit Paracetamol ist in der Kopfschmerztherapie zwar ein Standard“, erklärt Weier. „Aber, was genau die Zitrone bewirkt, ist unklar.“

Speisequark gegen Sonnenbrand

Gegen einen fiesen Sonnenbrand helfen kühlende Umschläge – zum Beispiel aus reiner Aloe oder einfachem Speisequark. „Die Proteine darin haben einen entzündungshemmenden Effekt“, erklärt Dr. Christoph Pooth.

Für die Umschläge sollte der Quark kühl sein, aber nicht direkt aus dem Kühlschrank kommen, empfiehlt Dr. Michael Weier. Dann etwa fünf Millimeter dick auf ein Leinentuch oder eine Kompresse auftragen und diese für 15 bis 20 Minuten auf die betroffene Hautstelle legen.

„Was viele nicht wissen: Man kann den Quark auch direkt auf die Haut auftragen“, so Weier. Der sollte nach maximal zehn Minuten aber abgespült werden. „Sonst lässt sich der Quark nicht mehr gut entfernen.“

Speisequark kann auch direkt auf die Haut aufgetragen werden. Er sollte allerdings nach maximal zehn Minuten wieder entfernt werden.

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