„Erklärungen nehmen nichts weg“

Hallo für alle: Nachbarschaftstreffs ziehen positive Bilanz zum Projekt „Einfache Sprache“

Hier sitzt der frühere Oberbürgermeister Christian­ Ude auf einem Motorrad mit drei Rädern – einem Trike.
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Hier sitzt der frühere Oberbürgermeister Christian­ Ude auf einem Motorrad mit drei Rädern – einem Trike.

Diesen Sommer startete die Aktion „Hallo für Alle“. Sie soll Menschen, die Schwierigkeiten haben zu lesen, dabei unterstützen, Nachrichten besser zu verstehen

Über Wochen hinweg haben im Spätsommer Ehrenamtliche und Besucher verschiedener Nachbarschafts­t­reffs in den Vierteln aufmerksam Hallo gelesen und uns mitgeteilt, welche Wörter sie als unverständlich empfinden. Ziel dieser Kooperation war es, herauszufinden, ob Zeitungsartikel einfach verständlich sind.

Auch nach unserer Serie „Hallo für alle“ wurde vor Ort fleißig weitergelesen, wie Hannah Suttner, die unter anderem das Projekt „Demokratie Lokal“ und den Nachbarschaftstreff Ramersdorf Süd leitet, nun mitteilt – im Namen verschiedener Nachbarschaftstreffs, die als Kooperationspartner beteiligt waren.

„Hallo für alle“: Kooperationspartner unterstützen Aktion

„Vielen Dank, dass Sie gemeinsam mit uns das Projekt ‚Hallo für alle’ gestartet haben. Sie setzen sich so dafür ein, dass viele Menschen die Nachrichten verstehen.“ Im Blick auf kritische Leserbriefe zum Thema betont sie: „Einige Leser fragen sich: Warum erklärt man Wörter? Man kann schwierige Wörter doch auch im Wörterbuch nachschlagen. Es ist aber schwerer, Wörter nachzuschlagen, wenn man nicht gut lesen kann. Deshalb gibt es ‚Hallo für alle’. Die Erklärungen nehmen niemandem etwas weg. Die Artikel machten es aber für viele einfacher, die Nachrichten zu verstehen.“

Die Botschaft der Nachbarschafts­treffs ist klar: „Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung und Information. Wenn die Zeitung einfach geschrieben ist, verstehen mehr Menschen die Nachrichten. Das ist besonders wichtig für Menschen mit Lernschwierigkeiten, Ältere und Personen, die eine andere Muttersprache als Deutsch haben. In Deutschland können sieben Millionen Menschen nicht gut lesen und schreiben. Viele von ihnen haben die Schule besucht“, erklärt Suttner.

Nicht jedem ein Begriff: von Ausgleichsfonds, Trikes und QR-Codes

• Eine Besucherin des Nachbarschaftstreffs Blumenau stolperte über das Wort „Ausgleichsfond“. Eine Musikerin forderte in einem Interview einen „Ausgleichsfond“ für die Veranstaltungsbranche – also eine finanzielle Entschädigung.

• Was hingegen ein Trike ist, fragte ein Leser, der den Beitrag „Pazifismus im Polizei-­Look“ gelesen hatte. Trike ist die Abkürzung fürs englische Wort „tricycle“, also Dreirad, und ist die Bezeichnung für eine Art Motorrad mit drei Rädern.

• In einem anderen Artikel schrieb Hallo von „QR-Codes“, was ein Leser aus Ramersdorf unverständlich fand. Ein QR-Code ist ein zweidimensionaler Code, der aussieht wie ein grafisches Schwarz-Weiß-Muster. Hält man ein Smartphone mit einer entsprechenden App vor den Code, kann das Handy diesen entschlüsseln und leitet den Nutzer auf eine bestimmte Internetseite weiter.

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