200 Jahre städtische Friedhöfe: Der Waldfriedhof in Großhadern

Hier macht der Tod keine Angst

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Der Waldfriedhof im Stadtviertel Großhadern wurde 1972 gegründet. Er umfasst eine Fläche von 162 Hektar und beherbergt circa 64.500 Gräber.

Großhadern –  Der Waldfriedhof in Großhadern ist die größte Begräbnisstätte Münchens. Hier sind auch Berühmtheiten wie Michael Ende beerdigt. Die Wenigstens kennen allerdings die Anatomie-Gräberanlage

Jubiläum „200 Jahre städtische Friedhöfe“: In der Hallo-Serie stellen wir Gesichter, Anekdoten und Besonderheiten der bekanntesten Münchner Gottesäcker vor. Heute: der Waldfriedhof.

„Ich war einen Sommer lang auf 25 Münchner Friedhöfen unterwegs“, erzählt Lioba Betten.

„Grenzstein des Lebens – aber nicht der Liebe.“ Grabinschriften wie diese, zu lesen auf einem Stein im alten Teil des Waldfriedhofs, haben Lioba Betten, zum Nachdenken gebracht.

Die Nymphenburgerin hat für ihr Buch „Das Schicksal nennt keine Gründe“ rund 450 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. „Ich war einen Sommer lang auf 25 Münchner Friedhöfen unterwegs“, erzählt Betten.

Der Waldfriedhof in Großhadern ist weltweit der erste seiner Art und die größte Begräbnisstätte Münchens. Die alten Bäume sind dominierendes Gestaltungselement. Sie bestimmten die Anordnung der Grabfelder und die Wegführung.

Die 1976 errichtete Anatomie-Gräberanlage.

Ab 1963 wurde der Friedhof um den neuen Teil erweitert. Dort ist die Autorin auf eine in München einmalige Begräbnisstätte gestoßen: die 1976 errichtete Anatomie-Gräberanlage. „Die Toten lehren die Lebenden“ steht auf dem Stein. „Zweimal im Jahr werden dort nachts die sterblichen Überreste von Personen beigesetzt, die ihre Körper der Wissenschaft vermacht haben“, erzählt Betten. Nach der Trauerfeier kommen ihre Körper in die Pathologie. Was dann noch übrig ist, wird verbrannt.“ Namen stehen auf dem Stein nicht.

„Kraftorte“ nennt Lioba Betten die Friedhöfe. Schon immer sei sie dort gerne spazieren gegangen. Die Sprüche haben ihr geholfen, keine Furcht vor dem Tod zu haben, ließen ihren Geist gelassen werden. „Ich habe das ,Ruhige‘ geübt“, erinnert sich Betten. So sehr, dass sie einmal jemand am Telefon gefragt habe, warum sie denn „so furchtbar langsam“ spreche.

 Heute lacht Betten darüber – leise und bedächtig. Welchen Spruch sie selbst einmal auf ihrem Grabstein eingemeißelt haben möchte, weiß sie allerdings noch nicht. dbo

„Das Schicksal nennt keine Gründe“

„Das Schicksal nennt keine Gründe“, Restexemplare für 14,80 Euro erhältlich im MünchenVerlag unter: www. muenchenverlag.de

Ende-Grab

Das Grab von Michael Ende ziert die Schildkröte Kassiopeia.

Eines der bekanntesten Gräber auf dem Waldfriedhof ist das von Schriftsteller Michael Ende (1929 bis 1995). „Habe keine Angst“ steht auf dem Rücken der Schildkröte Kassiopeia. Sie ist eine Figur aus seinem Roman „Momo“. Seine Grabstätte auf dem alten Teil des Waldfriedhofs ziert ein aufgeschlagenes Buch aus Bronze, daraus treten reliefartig Figuren aus Endes Werken wie „Jim Knopf“ oder „Der unendlichen Geschichte“ hervor. 

Auch Lena Christ, Paul Heyse und Frank Wedekind sind auf dem Waldfriedhof begraben.

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