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Die fünf Sinne (1): Grauer und Grüner Star ‒ Durchblick dank Laser und Stent

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Von: Marie-Julie Hlawica

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Um dem grünen Star vorzubeugen, empfehlen Augenärzte Dr. Tobias Neuhann ab dem 45. Lebensjahr eine jährliche Augeninnendruck-Messung. Die muss aber selbst gezahlt werden.
Um dem grünen Star vorzubeugen, empfehlen Augenärzte Dr. Tobias Neuhann ab dem 45. Lebensjahr eine jährliche Augeninnendruck-Messung. Die muss aber selbst gezahlt werden. © dpa/Marijan Murat

Der erste Teil unserer Serie widmet sich dem Sehen. Augenspezialist Dr. Neuhann klärt über Grauen und Grünen Star auf - die zwei häufigsten Augenerkrankungen.

„Gesund in Serie“ - Unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Medizin-Themen. Die neue Serie widmet sich den fünf Sinnen des Menschen und deren Erkrankungen. Vor allem Ältere haben mit grauem und grünem Star zu kämpfen. Was die beiden Augenkrankheiten unterscheidet und wie man sie mit modernen Methoden therapiert, verrät Dr. Tobias Neuhann vom Ophthalmologikum am Münchner Marienplatz.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Grauer und Grüner Star: Münchner Augen-Spezialisten über die zwei häufigsten Augenkrankheiten

Sie zählen zu den zwei am häufigsten festgestellten Augenkrankheiten: der graue und der grüne Star. „Beim grauen Star trübt sich die Augenlinse, beim grünen Star, auch Glaukom genannt, büßt der Sehnerv seine Funktion ein“, sagt Dr. Tobias Neuhann vom Ophthalmologikum am Münchner Marienplatz. „Die psychische Belastung der Patienten ist hoch. Sie haben Angst, ihr Augenlicht zu verlieren, da das Auge unser wichtigstes Sinnesorgan ist“, erklärt Neuhann.

Zum Glück seien aber heute „beide Krankheiten sehr gut operativ behandelbar und Routineeingriffe.“ Rund 900 Betroffene pro Jahr operiert der Augenarzt wegen eines Glaukoms, etwa 4500 wegen grauem Star.

Augenkrankheit Grauer Star: das ist die Therapie gegen die Erkrankung

Letzterer kann sich bereits ab dem 40. Lebensjahr bemerkbar machen, doch der Durchschnittspatient bei Neuhann ist über 60 Jahre alt. Warum sich bei den Betroffenen Eiweißmoleküle in der Augenlinse eintrüben, wisse die medizinische Forschung bis heute nicht genau, so der Augen-Spezialist. „Es kann jeden treffen.“ Meist bemerkt man den grauen Star daran, dass das Sehfeld verschwommen wirkt, die Sicht milchig ist und – in fortgeschrittenem Stadium – Lichtempfindlichkeit oder Doppelbilder dazukommen. Ein Eingriff ist dann nötig, wenn die Fehlsicht den Betroffenen zunehmend stört.

Er kann modern mit einem sogenannten Femto-Laser oder herkömmlich mit Ultraschall durchgeführt werden. So oder so dauere der Eingriff in der Tagesklinik nur knapp zwei Stunden. „Die alte, fehlsichtige und eingetrübte Linse wird nach einem kleinen Schnitt neben der Hornhaut zertrümmert, diese Teile abgesaugt und dann eine neue, zentrierte Kunstlinse eingesetzt“, erklärt Neuhann.

Der Patient könne schon am nächsten Tag wieder etwas sehen. Nach zwei bis sechs Wochen ist die gewünschte Sehqualität erreicht, im Idealfall wird durch die neue Linse sogar die Sehstärke verbessert. „Nur in sehr seltenen Fällen, circa zwei Prozent, ist eine weitere Korrektur nötig.“ Pro Auge kostet der Eingriff zwischen 2500 und 4000 Euro. Bei Standard-Linsen zahlt dafür die Krankenkasse.

Dr. Tobias Neuhann ist Augenspezialist vom Ophthalmologikum am Münchner Marienplatz.
Dr. Tobias Neuhann ist Augenspezialist vom Ophthalmologikum am Münchner Marienplatz. © privat

Grüner Star schädigt Sehnerv: jährliche Vorsorgeuntersuchung prüft Augeninnendruck

Schwieriger ist es beim grünen Star, bei dem der Sehnerv geschädigt ist. „Sind Teile des Sehnervs erst einmal zerstört, bleibt das Gesichtsfeld beeinträchtigt“, sagt Neuhann. Ist das Wassersystem im Auge fehlerhaft, verändert sich der Innendruck, das drückt auf den Sehnerv und schädigt ihn – bis hin zum Erblinden.

Das Problem: „Weil der Sehnerv ohne Schmerzempfinden ist, wird der schleichende Gesichtsfeldausfall von den Betroffenen nicht früh erkannt.“ Umso wichtiger ist dem Experten zufolge, den Augeninnendruck ab dem 45. Lebensjahr jährlich bei einer schmerzfreien Vorsorgeuntersuchung prüfen zu lassen: „Die Kassen zahlen diese nicht, aber gerade in Familien, in denen starke Kurzsichtigkeit oder ein Glaukom bei Vater oder Mutter diagnostiziert wurde, ist sie umso wichtiger!“ Die Kosten liegen im niedrigen zweistelligen Bereich.

Therapie von Grünem Star: Stents senken Augeninnendruck

Beim Glaukom stehen Patient und Arzt deutlicher unter Zeit- und OP-Druck. Wenn die übliche Erst-Therapie – drucksenkende Tropfen – keinen Erfolg zeigen, „sollte man vor einer Operation nicht zögern“. Um den Wasserfluss zu leiten und den Augendruck zu senken, werden in der Klinik minimalinvasiv kleinste Stents ins Auge eingesetzt. „Danach benötigen 75 Prozent der Patienten keine weiteren Tropfen“, so der Experte.

„Fast alle Patienten sagen danach: ,Wenn ich gewusst hätte, wie schnell das geht und wie gut ich wieder sehen kann, hätte ich viel eher einer OP zugestimmt’.“ Das Gute: Sowohl die künstliche Linse beim grauen Star als auch die Stents, die den Augeninnendruck regulieren, halten dauerhaft.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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