Gesundheit: Professor Heribert Schunkert (59) vom Deutschen Herzzentrum München

Ab 50 steigt das Risiko enorm

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Starke Schmerzen in der Mitte der Brust sind ein Anzeichen für einen Infarkt.

Aus der Reihe „Vorbeugung körperlicher Erkrankungen“: Bei Herzinfarkten und Schlaganfällen zählt jede Minute – Hallo hat nachgehakt, wie Sie das Risiko schon im Vorfeld senken können

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell richten wir den Blick auf die Vorbeugung körperlicher Erkrankungen. Professor Heribert Schunkert, Direktor der Erwachsenenkardiologie vom Deutschen Herzzentrum, hat Hallo verraten, wie Sie Ihre Blutgefäße vor gefährlichen Ablagerungen schützen.

Professor Heribert Schunkert (59) vom Deutschen Herzzentrum München.

Wenn sie eintreten, zählt jede Minute: Herzinfarkt und Schlaganfall. Beide entstehen, wenn Ablagerungen wichtige Arterien verstopfen – beim Schlaganfall betrifft das meist die Halsschlagader, beim Infarkt die Herzkranzgefäße. „Etwa zur Hälfte ist das Risiko, einen Anfall oder Infarkt zu erleiden, genetisch bedingt“, sagt Professor Heribert Schunkert (59) vom Deutschen Herzzentrum München. Auch das Alter spielt eine große Rolle: „Ab 50 Jahren steigt das Risiko enorm an“, so Schunkert.

Jüngere erleiden einen Infarkt in der Regel nur dann, wenn sie andere schwere Erkrankungen wie Stoffwechselstörungen haben. Interessant: Im Schnitt haben Frauen zehn Jahre später einen Herzinfarkt oder Schlaganfall als Männer. „Gerade weil wir Menschen die Veranlagung zu diesen Erkrankungen haben, sollten wir alles tun, um andere, vermeidbare Risiken zu reduzieren“, rät der Kardiologe.

  • Ernährung: Ein zu hoher Cholesterinwert ist einer der größten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Wer viel Fleisch isst, insbesondere vom Schwein, sollte darauf besonders achten. Schunkert rät, nicht jeden Tag Fleisch zu sich zu nehmen – und stattdessen öfter zum Fisch zu greifen. „Bestimmte Fischöle wirken sogar protektiv. Diese enthalten Omega-3-Fettsäuren und treten vor allem in Meeresfischen auf.“
  • Bewegung: Sport hält fit – auch Ihre Blutgefäße. Wie Sie in Bewegung kommen, ist aber relativ egal. „Wichtig ist, dass man ins Schwitzen kommt und dass es Spaß macht. Denn Sport wirkt nur über Regelmäßigkeit“, betont Schunkert. Mindestens zwei Mal die Woche sollte man daher für 20 bis 30 Minuten aktiv werden, drei bis vier Mal ist ideal. „Wer öfter trainiert, hat keinen großen Zugewinn mehr.“
  • Kleine Laster: Nikotin erhöht das Infarktrisiko sehr. Auch Alkohol sollte nur in Maßen genossen werden. „Ein Bier oder ein bis zwei Gläser Wein am Tag wird von uns Kardiologen noch als unproblematisch angesehen“, so Schunkert.
  • Stress: Dass viel Stress Schlaganfälle oder Herzinfarkte begünstigt, hängt vor allem mit dem daraus resultierenden Lebensstil zusammen – etwa schlechter Ernährung. Inzwischen wissen die Mediziner aber auch: Stress kann Entzündungen im Körper hervorrufen, die wiederrum Ablagerungen in den Gefäßen fördern.
  • Regelmäßig zum Arzt: „Jeder über 40 sollte sich beim Hausarzt oder Kardiologen einmal durchchecken lassen“, so Schunkert. Ist alles in Ordnung reicht es, den Check alle fünf Jahre zu wiederholen. Sind Blutdruck oder Cholesterin zu hoch, sollte man reagieren. „Je mehr andere Risikofaktoren man hat, desto niedriger sollte der Cholesterinspiegel sein.“ Senker können dann schon bei einem mittleren Cholesterinwert sinnvoll sein.
  • Schnell reagieren: Vor einem Schlaganfall treten häufig Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen auf. Wichtige Anzeichen für einen Herzinfarkt sind Schmerzen oder Druck während körperlicher Anstrengung – oft in der Mitte der Brust, hinter dem Brustbein –, die fünf bis zehn Minuten andauern. Auch eine ungewohnte Luftknappheit ist verdächtig.
    Einen Online-Selbsttest findet man unter: www.­herzstiftung­.de/Herz-Risiko­-Test.php

Romy Ebert-Adeikis

Das Deutsche Herzzentrum München

Das Deutsche Herzzentrum München findet sich in der Lazarettstraße 36.

Das Deutsche Herzzentrum München (DHM) ist ein Fachkrankenhaus, dessen Träger das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst ist. Es hält insgesamt drei Kliniken – für Herz- und Gefäßchirurgie, für Kinderherzchirurgie und angeborene Herzfehler sowie für Kreislauferkrankungen – und drei Institute (Anästhesiologie, Laboratoriumsmedizin sowie Radiologie und Nuklearmedizin) vor. Das DHM hat 197 Betten und beschäftigt circa 2000 Mitarbeiter.

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