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Unsichtbare Krankheiten (7): Wie gefährlich Schlafapnoe wirklich ist ‒ und was dagegen hilft

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Von: Marie-Julie Hlawica

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Der Münchner Richard Schmid ließ sich 2015 im Gautinger Schlaflabor, das Dr. Birgit Bachl leitet, untersuchen. Seine Schlafapnoe bereitet dem 68-Jährigen keine Schwierigkeiten mehr, seit er mit einer Nasenmaske schläft.
Der Münchner Richard Schmid ließ sich 2015 im Gautinger Schlaflabor, das Dr. Birgit Bachl leitet, untersuchen. Seine Schlafapnoe bereitet dem 68-Jährigen keine Schwierigkeiten mehr, seit er mit einer Nasenmaske schläft. © Marie-Julie Hlawica

Der siebte Teil der Serie zu unsichtbaren Krankheiten widmet sich der obstruktiven Schlafapnoe. Ihre Ursachen, Symptome und wie man die Krankheit behandelt:

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Unsere aktuelle Serie widmet sich Krankheiten, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind – zum Beispiel die Schlafapnoe. Warum Atemaussetzer im Schlaf den ganzen Körper in Alarm versetzen und wie eine Maske helfen kann, berichten ein Betroffener und Dr. Birgit Bachl, Leiterin des schlafmedizinischen Zentrums der Asklepios Klinik in Gauting.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Wiederholt auftretende Atemaussetzer im Schlaf: So äußert sich die obstruktive Schlafapnoe

„Es ist oft mehr als nur ein einfaches, lautes Schnarchen: die sogenannte obstruktive Schlafapnoe“, weiß Dr. Birgit Bachl, Leiterin des schlafmedizinischen Zentrums an der Asklepios Lungenfachklinik in Gauting. „Diese im Schlaf wiederholt auftretenden Atemaussetzer können zu lebensbedrohlichen Erkrankungen führen.“ Durchschnittlich sind über zehn Prozent der Männer davon betroffen – und damit mehr als Frauen. Mit zunehmendem Alter tritt die Erkrankung zudem häufiger auf.

Wie es zum Atemaussetzer kommt, erklärt sich schnell: Langjähriges Schnarchen führt zum Erschlaffen des Rachenmuskelschlauches, im Schlaf führt das beim Einatmen zu einem kompletten Verschluss der oberen Atemwege. „Die Sauerstoffversorgung der Patienten wird so immer wieder für Sekunden, gelegentlich sogar Minuten unterbrochen. Das vegetative System schlägt Alarm“, sagt Bachl. Nach jedem Aussetzer steigen Blutdruck, Puls und Blutzucker, die Harnproduktion nimmt zu.

Neben dem Schnarchen sind daher typische Symptome dauernde Müdigkeit, ungewolltes Einschlafen in monotonen Situationen oder Impotenz bei Männern. Zusätzliche anatomische Gegebenheiten wie ein Überbiss und Übergewicht begünstigen die Entstehung. Die Expertin warnt: „Die obstruktive Schlafapnoe kann Ursache für Diabetes, Bluthochdruck und Vorhofflimmern – eine Herzrhythmusstörung – sein und die Entstehung eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts fördern.“

Obstruktive Schlafapnoe: Diagnose und Therapie der Atemaussetzer

Eine Operation, die das Problem behebt, gibt es nicht. Was stattdessen hilft: eine Überdrucktherapie mit einem Gerät, das Raumluft ansaugt, und über eine Nasenmaske, die man vor dem Schlafengehen aufsetzt, Druck aufbaut. Durch die Kombination wird der Rachen für die Sauerstoffzufuhr zuverlässig offengehalten.

Ein Kurzaufenthalt im Schlaflabor kann die Diagnose bestätigen und den Schweregrad der Erkrankung ermitteln. „Die ambulante Untersuchung der Atmung und des Sauerstoffs im Schlaf, eine sogenannte Polygrafie gibt sofortige Aufklärung“, sagt die Leiterin der Einrichtung in Gauting mit acht Betten. Dafür wird der Patient komplett verkabelt. „Mit einer Infrarotkamera können wir ihn hören und sehen, die Sensoren messen zusätzlich zur Atmung viele andere Parameter, auch die Schlafphasen und die Tiefe des Schlafs.“

Die Atemmaske hält bei Schlafapnoe-Patienten während dem Schlafen den Rachen für die Sauerstoffzufuhr zuverlässig offen.
Die Atemmaske hält bei Schlafapnoe-Patienten während dem Schlafen den Rachen für die Sauerstoffzufuhr zuverlässig offen. © Marie-Julie Hlawica

Atemaussetzer im Schlaf: Krankenkassen übernehmen Untersuchung und Therapie

Der Münchner Richard Schmid (68) ließ sich 2015 so untersuchen. Er litt unter trockenem Rachen, häufigem Wasserlassen, hatte Erstickungsträume, war ständig schlapp und unmotiviert. Bei längeren Autofahrten musste er immer wieder auf Rastplätzen anhalten: „Ich bin einfach eingenickt.“

Im Schlaflabor stellte sich heraus, dass der Münchner über 30 Mal pro Stunde wach wurde. „Wirklich gefährlich“, meint die Schlafmedizinerin, denn wie Richard Schmid „nehmen viele Patienten ihre Beschwerden nicht ernst.“ Heute sieht der 68-Jährige klar: „Ich habe Schlafapnoe und das ist kein Problem mehr für mich. Mit meiner Atemmaske bin ich fitter als je zuvor, mache dreimal die Woche Sport, habe 25 Kilo abgenommen. Sie gehört für mich wie das Zähneputzen dazu.“

Sowohl die Untersuchungen als auch die Überdrucktherapie werden von den Krankenkassen übernommen. Auch wenn die Optik gewöhnungsbedürftig ist – Schlafmedizin-Expertin Bachl weiß: „Die Maske sieht zwar nicht sexy aus, kann aber Ehen retten und die Gesundheit erhalten.“

Weiteren unsichtbaren Krankheiten, die Hallo in der Serie beleuchtet hat sind das chronische Fatigue-Syndrom, Depression, Migräne, die Schluckstörung Achalasie, das Fibromyalgie-Syndrom, auch bekannt als Muskel-Faser-Schmerz und das Reizdarm-Syndrom.

Hallo-Redakteurin Romy Ebert-Adeikis hat bereits einmal eine Nacht zum Selbsttest im ältesten Schlaflabor Münchens verbracht.

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