Modernste Medizintechnik in München

Bewegung bei Bestrahlung im Blick – Gesunde Zellen in Großhadern dank MR-Linac besser geschützt

Der MR-Linac in Großhadern verbindet Magnetresonanz-Tomograph mit einem Teilchenbeschleuniger.
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Der MR-Linac in Großhadern verbindet Magnetresonanz-Tomograph mit einem Teilchenbeschleuniger.

Der MR-Linac soll die Strahlentherapie bei Krebspatienten sicherer machen. Prof. Claus Belka erläutert, wie das genau funktioniert und warum das nötig ist...

  • Hallo stellt die Modernste Medizintechnik in München vor.
  • Der MR-Linac ist seit Februar im LMU-Klinikum Großhadern in Betrieb.
  • Prof. Claus Belka erklärt, warum durch den MR-Linac gesunde Zellen besser geschützt werden.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München Themen der Medizin. Zur Zeit stellen wir die neuesten und herausragendsten technischen Errungenschaften in Münchens Medizinwelt vor. Seit Februar ist im LMU-Klinikum Großhadern der MR-Linac in Betrieb, der die Strahlentherapie bei Krebspatienten sicherer macht. Wie genau und warum das nötig ist, erläutert Professor Claus Belka, Leiter der dortigen Klinik für Strahlentherapie und Radio­onkologie.

Neben Chemotherapie und Operation ist die Bestrahlung von Tumorzellen ein Kernelement der Behandlung von Krebspatienten. 

„Etwa 60 Prozent aller Betroffenen erhalten im Laufe ihre Therapie eine Bestrahlung“, weiß Professor Claus Belka.

Professor Claus Belka (hinten rechts), Leiter der LMU-Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie am Standort Großhadern mit seinem Team.

Umso bedeutender ist für den Leiter der LMU-Klinik für Radio­onkologie und Strahlentherapie am Standort Großhadern, dass er diese Form der Behandlung seit kurzem noch schonender anbieten kann. 

Möglich macht das ein Gerät, das einen Magnetresonanz-­Tomographen mit einem Teilchenbeschleuniger verbindet: der MR-­Linac. Wird ein Tumor im Körper bestrahlt, zerstört das oftmals auch angrenzende gesunde Zellen. 

Eine effiziente Therapie ist darum bei inneren Organen besonders schwer – auch, weil diese beweglich sind. „Eine Prostata kann sich auch innerhalb kurzer Zeit – auch während der Bestrahlung – um bis zu einen Zentimeter im Körper verschieben. 

Fortschritt durch den MR-Linac

Bei Tumoren in Lunge oder Bauchspeicheldrüse ist die Bewegung zum Teil noch größer“, sagt Belka. Bisher konnten Ärzte die genaue Lage von Organ und Geschwür nur vorab bestimmen. 

Oft wurde darum sicherheitshalber ein Bereich von circa einem Zentimeter um den eigentlichen Tumor herum mitbestrahlt. „Während der Behandlung selbst waren wir aber weitgehend blind“, erklärt der Experte. 

Mit dem MR-Linac ist das nun anders: Pro Sekunde macht das Gerät vier hochauflösende Kernspin-Bilder der betroffenen Körperregion, so dass die Lage des Strahlenbündels jederzeit an die Bewegung des Tumors angepasst werden kann. 

Das Gerät überwacht somit, ob wirklich nur diese Region bestrahlt wird. „Bewegt sich der Tumor während der Behandlung aus dem definierten Feld, schaltet sich die Bestrahlung nur Millisekunden später automatisch ab.“ 

Nun sind auch sehr komplizierte Fälle möglich

Durch die Technologie werde die Belastung des gesunden Nebengewebes auf ein Minimum reduziert. „Vor allem im Bereich der inneren Organe ist das ein großer Schritt vorwärts“, freut sich Belka. 

Die Bestrahlungsdosis selbst bleibe vielfach gleich. „Aber durch die Möglichkeit, die betroffene Region jederzeit anzupassen, können wir jetzt auch sehr komplizierte Fälle behandeln, die wir uns früher nicht zugetraut hätten.“ 

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Der MR-Linac ist im Klinikalltag angekommen

Dabei forscht man in Großhadern aktuell noch weiter daran, welche Patienten am meisten vomMR-Linac profitieren. 

Mit Kliniken in Heidelberg und Zürich – die einzigen anderen deutschsprachigen Einrichtungen, die ein gleiches Gerät besitzen – erarbeitet Belkas Team entsprechende Studien. Trotzdem ist der MR-Linac im Klinikalltag angekommen. 

„Er wird täglich benutzt, im Schnitt behandeln wir fünf bis sieben Patienten.“ Die Behandlungsserien seien zudem oft kürzer als mit klassischen Geräten. 

Ein langer Weg bis zum Klinikalltag

In Europa wie den USA haben nur wenige Spitzenzentren einen MR-Linac zur Verfügung, weltweit sind es weniger als 100. Vor drei Jahren erhielt auch die Klinik der LMU München die Genehmigung, das hochmoderne Gerät anzuschaffen. 

Die circa 8,1 Millionen Euro teure Investition wurde aus Mitteln des Bayerischen Wissenschaftsministeriums bezahlt. Seit November 2019 steht der MR-Linac nun am Standort Großhadern, klinisch im Betrieb ist er seit Februar. 

„Die Zeit dazwischen haben wir für Messungen und Personalschulungen genutzt“, erzählt Professor Claus Belka. Unter anderem mussten neue Arbeitsabläufe erlernt werden. 

Lang im Vorfeld wurde auch die Strahlendosierung und die Bildführung mit der neuen Technologie untersucht. Etwa eineinhalb Jahre haben sich die Medizinphysiker der LMU damit beschäftigt. 

Ein Techniker der Herstellerfirma des MR-Linac ist in Großhadern vor Ort, um sicherzustellen, dass dieser immer optimal gewartet ist.

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rea

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