Schmerzhaftes Frühwarn-System

Typisch Frau, typisch Mann (2): Warum Männer häufiger an Gicht erkranken

Eine Gicht-Erkrankung wird durch Harnsäure-Ansammlungen in Gelenken verursacht. Häufig ist der große Zeh davon betroffen. Jeder Gicht-Fall ist aber extrem schmerzhaft.
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Eine Gicht-Erkrankung wird durch Harnsäure-Ansammlungen in Gelenken verursacht. Häufig ist der große Zeh davon betroffen. Jeder Gicht-Fall ist aber extrem schmerzhaft.
  • Benedikt Strobach
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Ein Gicht-Anfall ist extrem schmerzhaft. Was dafür sorgt, dass Frauen seltener die Gelenk-Krankheit bekommen und wie man die Krankheit behandeln kann, erklärt eine Expertin.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. In unserer aktuellen Serie geht es um Erkrankungen, von denen hauptsächlich ein Geschlecht betroffen ist – so wie Männer von Gicht. Warum die Diagnose nicht nur Schlechtes mit sich bringt und wie man heute am besten mit der Krankheit leben kann, erklärt Professorin Dr. Ursula Gresser vom Gichtzentrum München.

Seit über 40 Jahren befasst sich Professorin Dr. Ursula Gresser mit der Krankheit Gicht. Mittlerweile hat die Betreiberin des Gichtzentrums München weit über 20 000 Patienten behandelt. Sie weiß: „Gicht ist eine höllisch schmerzhafte Gelenk-Krankheit.“ Verursacht werden die Schmerzen durch Harnsäure-Kristalle, die sich in den Gelenken ansammeln.

„Das führt zu Gelenkentzündungen und Arteriosklerose.“ Die betroffenen Stellen sind geschwollen, können gerötet sowie heiß sein und bei Berührung und Bewegung stark schmerzen. „Die Anfälle kommen mit der Zeit immer öfter und zerstören nach und nach die Gelenke, Knochen und Sehnen, nehmen den Patienten Beweglichkeit und Lebensfreude.“

Am häufigsten äußere sich die Krankheit bei Männern. „In etwa 95 Prozent der Fälle sind die Betroffenen männlich“, betont Gresser. Grund dafür ist das Hormon Östrogen. „Dadurch wird die Harnsäure-Ausscheidung verbessert“, so die Ärztin.

Östrogen bewahrt junge Frauen vor der Gelenk-Erkrankung Gicht

„Da Frauen höhere Östrogenspiegel als Männer haben, bleiben sie meist bis in die Wechseljahre von einer Gicht-Erkrankung verschont.“ Bei Männern könne die Krankheit hingegen viel früher auftreten und sei deshalb auch gefährlicher, weil sie die Gelenke über einen längeren Zeitraum schädige.

Dennoch ist Gicht keine „reine Männer-Krankheit“. „In über 99 Prozent der Fälle ist die Erkrankung genetisch verursacht“, weiß Gresser. Heißt: „Gicht wird von den Eltern vererbt. Die von Gicht betroffenen Patienten sind an ihrer Erkrankung nicht schuld.“

Seit kurzem gebe es Hinweise darauf, dass die Gicht das Symptom einer Erkrankung im Purinstoffwechsel ist. Purine, etwa in Fleisch oder Hülsenfrüchten sowie bestimmten Fisch- und Gemüsesorten, werden im Körper zu Harnsäure abgebaut.

Zu viel davon kann beim Menschen weitere Erkrankungen nach sich ziehen. „Deswegen kann die Gicht auch Mitursache von etwa Herzrhythmusstörungen, Schlaganfällen oder sogar Diabetes Typ II sein“, mahnt Gresser.

„Ein Gichtanfall kann ein Glücksfall sein.“

Was zunächst negativ klingt, kann aber sogar hilfreich sein. „Auch wenn sie schmerzhaft ist, kann die Gicht eine frühe Warnung für mögliche Folge-Erkrankungen sein und helfen, diese zu vermeiden“, erklärt die 63-Jährige. „Ein Gichtanfall kann also ein Glücksfall sein.“

Aber auch die Diagnose selbst ist keine Hiobsbotschaft. Wichtig sei nur, dass man sich früh bei Anzeichen untersuchen lasse, so Gresser. „Ich bin immer wieder fassungslos, wenn heute noch einer von ‚nicht behandelbarer Gicht’ spricht.“ In all den Jahren, in denen sie sich damit befasst hat, habe sie keinen einzigen Fall einer nicht erfolgreich behandelbaren Gicht erlebt.

„Nach heutigem Wissensstand diagnostiziert und behandelt kann ein Betroffener sein Leben normal leben.“ Ausschlaggebend seien Harnsäure-senkende Medikamente, wie Allopurinol oder Febuxostat, sowie eine ausgewogene Ernährung.

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