Bei jedem Zehnten leidet die Haut

Wenn die Arbeit krank macht (1): Dermatologe klärt über Hauterkrankungen im Beruf auf

Rot, schuppig und juckend: Wer im Beruf oft mit Chemikalien, Desinfektionsmitteln oder Spülwasser zu tun hat, kann – oftmals an der Hand – Ekzeme entwickeln.
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Rot, schuppig und juckend: Wer im Beruf oft mit Chemikalien, Desinfektionsmitteln oder Spülwasser zu tun hat, kann – oftmals an der Hand – Ekzeme entwickeln.

Ab dieser Woche wird sich in Hallo´s Gesundheitsserie alles um Berufserkrankungen drehen. Im ersten Teil erklärt ein Dermatologe, wie die Haut in der Arbeit leiden kann.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. In den kommenden Wochen liegt der Fokus auf Berufserkrankungen.

Im ersten Teil der Serie erklärt Dermatologe Dr. Harald Bresser, welche Stoffe die Haut besonders angreifen, wie man sich schützen kann und warum der Verdacht auf eine Berufserkrankung die Arbeit längst nicht gefährdet.

Nur wenige Krankheiten tragen den Bezug zu einem Beruf direkt in ihrem Namen. Eine Ausnahme ist das Friseur-Ekzem, hinter dem sich eine Reizreaktion der Haut – insbesondere an den Händen – verbirgt.

„Bei Friseuren war das früher stark verbreitet, weil sie mit allerlei Chemikalien zu tun hatten“, sagt der Münchner Dermatologe Dr. Harald Bresser. Weil Friseure heute oft andere Produkte nutzen und ihre Hände besser schützen, sei „die Zahl der beruflich bedingten Hauterkrankungen aber deutlich gesunken“.

In vielen anderen Berufen sind Ekzeme und Allergien aber weiter ein Problem. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung hat 2019 über 17 000 Verdachtsfälle registriert. „Häufig betroffen sind zum Beispiel Maler, Metallverarbeiter, Putzkräfte oder Spüler – alle, die oft mit Farben, Desinfektionsmitteln, Schmierstoffen oder Feuchtigkeit in Kontakt kommen“, so Bresser.

Münchner Dermatologe: Dr. Harald Bresser.

Er schätzt: „Etwa zehn Prozent der Bevölkerung leidet einmal an einem beruflich bedingten Hautproblem“ – seien es Kontaktekzeme oder Allergien.

Diese sind schwer voneinander zu unterscheiden. „Bei beiden bilden sich an der Haut Schuppen, Rötungen oder Bläschen. Meistens juckt es stark.“ Neben akuten Beschwerden, die oft mit Kortison behandelt werden, gibt es auch chronische Hautreizungen, die über einen längeren Zeitraum oder immer wieder auftreten.

Dabei kann das Problem auch erst nach Jahren im Beruf entstehen, „etwa weil sich die Zusammensetzung eines Materials verändert hat“, so der Haut-Experte. Welcher Stoff der Auslöser ist – und vom Betroffenen daher gemieden werden sollte –, kann ein Dermatologe mithilfe des sogenannten Pflastertests herausfinden.

Experte rät: Hände immer gut eincremen

Besteht der Verdacht, dass eine Hauterkrankung beruflich bedingt sein könnte, kann der Arzt der Berufsgenossenschaft einen Bericht senden. Das Ziel dabei: Die möglichen Einschränkungen im Arbeitsalltag durch Schutzkleidung und Pflegeprodukte möglichst auszuschließen oder zumindest zu reduzieren.

„Trockene Haut ist für Allergien und Ekzeme anfälliger, deswegen sollten Hände immer gut eingecremt werden“, rät Experte Bresser.

Erst wenn ein direkter Zusammenhang zwischen Beruf und Erkrankung nachgewiesen werden kann, erfolgt die Anerkennung als Berufskrankheit. Das heißt jedoch nicht, dass man seinen Job aufgeben muss.

Eine Berufs- oder gar Erwerbsunfähigkeit unterliegt weiteren Prüfungen. Ist diese bestätigt, wird eine Unfallrente gezahlt. „Deren Höhe ist auch davon abhängig, wie frühzeitig der Verdacht gemeldet wurde.“

Anerkennung auch für Hautkrebs

Wer berufsbedingt viel Zeit draußen verbringt, kann seine Haut auch durch UV-Strahlung schädigen. Seit sechs Jahren kann darum auch Hautkrebs als Berufserkrankung gewertet werden. In der Realität passiert das aber noch selten: 2019 gab es der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zufolge gerade mal 37 Anerkennungen – bei 415 Verdachtsmeldungen.

Vor allem früher habe man sich schwergetan, zu entscheiden, dass der Krebs hauptsächlich beim Arbeiten entstanden ist. „Aber wenn jemand täglich acht Stunden oder mehr im Freien verbringt und keine Schutzmaßnahmen einhält, ist das eigentlich offensichtlich“, so Dermatologe Harald Bresser. Betroffen sind davon etwa Bauarbeiter, Gärtner oder Arbeiter in der Landwirtschaft.

Romy Ebert-Adeikis

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