Gesundheit: Redaktionsleiterin Maren Kowitz beim Hallo-Selbstversuch

Drei Minuten bei -110 Grad – so fühlt sich ein Besuch in der Kältekammer an

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Das Outfit für die Kältekammer: So knapp wie möglich, damit die Kälte sich gleichmäßig am Körper verteilt, allerdings müssen, um Erfrierungen zu vermeiden, die Extremitäten – Hände, Füße und Ohren – warm eingepackt sein. Den Mundschutz verhindert, dass beim Ausatmen Feuchtigkeit kristallisiert.

Zitter-Test zu „Zwickt’s mi“: Hallo Redaktionsleiterin Maren Kowitz kann davon im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied singen – Sie hat den Selbsttest gewagt und bei -110 Grad in der Kältekammer gefroren

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell testen wir besondere medizinische Angebote im Selbstversuch. Heute besucht Hallo-Redaktionsleiterin Maren Kowitz die einzige medizinische Kältekammer Münchens – im Krankenhaus Neuwittelsbach an der Renatastraße.

Zwickt’s mi, I glaab I tram!
Des derf net wohr sein, wo sammer daham?

Gernot Fuchs, Sportphysio-Therapeut.

Die Zeilen, die Wolfgang Ambros schmettert, sind das erste, was ich höre, als ich den Vorraum der Kältekammer betrete. Austro-Pop? Find ich super. Der zuständige Sportphysio-Therapeut Gernot Fuchs auch. „Diese Musik ist für die Kältekammer ideal, weil man sich zu ihr gut bewegen kann, aber nicht zu schnell bewegt.“ Schnelle Bewegungen würden zu viel Energie verbrauchen, die der Körper dringend benötigt, um die Temperatur zu halten. Aber Bewegen ist wichtig. 

Ein kleiner Einblick in die Kältekammer.

Die Kältekammer wird hauptsächlich von Rheumapatienten genutzt. „In der Kälte werden die Schmerzrezeptoren blockiert – so können Gelenke wieder besser bewegt werden. Mit unseren Tagesklinik-Patienten machen wir im Anschluss Bewegungsübungen, Massagen, Krankengymnastik – alles, was wir sonst nicht in der Form machen können, weil es zu weh tut.“ Solche Schmerzen kann ich zum Glück nicht nachvollziehen, aber ich bin gespannt wie sich die Kälte anfühlt. 60 Sekunden bleibe ich in der Vorkammer bei minus 60 Grad. Genug eingewöhnt. Dann geht es in die Hauptkammer...

Zwickt’s mi, egal wohin! I kann’s net glaubn, des gibt doch kaan Sinn!

Nach drei Minuten in der Kälte, darf Hallo Redaktionsleiterin Maren Kowitz die Kammer wieder verlassen.

Mein erster Gedanke, als ich die minus 110 Grad spüre: „Da habe ich schon auf dem Skilift mehr gefroren.“ Vielleicht liegt es an der Ambros-Musik. Aber auch Fuchs sagt: „Nasskalte Kälte bei Wind, empfindet man schon bei minus 15 Grad unangenehmer als trockene Kälte bei minus 110 Grad.“ Doch während ich langsam vor mich hintanze und die völlig leere, weiße quadratische Zelle mustere, spüre ich die Kälte. Ich beginne, schneller zu atmen. 

Ein Fehler. Ruhig atmen, hatte mir Fuchs eingeschärft. „Die kalte Luft, die wir einatmen, weitet sich in der Lunge auf das Dreifache aus. Dann hat man das Gefühl, man bekommt keine Luft mehr.“ Dementsprechend sollten Menschen mit Lungenbeschwerden, Herz- oder Gefäßproblemen die Kältekammer nicht nutzen. Auch Menschen mit Platzangst wird von einem Besuch abgeraten. Ich habe keine, trotzdem bin ich froh über das Fenster zum Nebenraum. Hinter diesem zeigt mir Gernot Fuchs mit den Fingern an, wie lange ich noch durchhalten sollte. Jetzt winkt er. Drei Minuten sind vorbei, mir ist kalt.

Danke, jetzt is mer klor:
Es is wohr, es is wohr!

In der Wärme des Nebenraums kribbelt es erstmal überall. „Die durch die Kälte verengten Gefäße weiten sich wieder, das führt zu einer Mehrdurchblutung“, erklärt Fuchs. „Die Kälte setzt auch Glückshormone frei, man wird vitaler.“ Ich fühle mich auf jeden Fall wunderbar – und erfrischt.

Maren Kowitz

Patienten bis zu halben Jahr schmerzfrei

Doris Walbert leidet seit 13 Jahren an Rheuma. Die 58-Jährige hat viel ausprobiert, 2018 hat sie die Kältekammer entdeckt. „Die Kälte hilft mir, den Schmerz zu nehmen und ich komme dadurch wieder in Bewegung. Im Rahmen der Rheumatagesklinik geht sie zwei Wochen lang täglich zwei Mal in die Kältekammer. „Um die 25 bis 30 Mal sollte man es machen, dann hält die Wirkung auch bis zu einem halben Jahr an“, betont Gernot Fuchs.

Auch ambulant kann man die Kältekammer nutzen, allerdings braucht man eine Überweisung vom Arzt und muss die Kosten selbst tragen – eine Zehnerkarte kostet 105 Euro.

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