Modernste Medizintechnik in München

Im Herzzentrum München gibt es Deutschlands einzigen Kino-Kernspin 

Dr. Christian Meierhofer setzt einer kleinen Patientin die Brille auf, mit der sie während der Kernspin-Untersuchung einen Film ansehen kann. 
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Dr. Christian Meierhofer setzt einer kleinen Patientin die Brille auf, mit der sie während der Kernspin-Untersuchung einen Film ansehen kann. 

Im Deutschen Herzzentrum München gibt es die bundesweit einzige Kernspin-Anlage, bei der man Filme schauen kann. Dr. Christian Meierhofer erklärt  die Technik in Hallo...

  • Im Herzzentrum der Landeshauptstadt gibt es es Deutschlands einzigen Kino-Kernspin.
  • Während der Untersuchung kann man dort Filme anschauen.
  • Kinderkardiologe Dr. Christian Meierhofer klärt in Hallo darüber auf.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München Themen der Medizin. Zur Zeit stellen wir die neuesten und herausragendsten technischen Errungenschaften in Münchens Medizinwelt vor – etwa im Deutschen Herzzentrum München, wo es die bundesweit einzige Kernspin­-Anlage gibt, bei der die Patienten während der Untersuchung Filme schauen können. Warum das nicht nur bei Kindern super ankommt, wofür die Technik eigentlich gedacht war, erklärt der Kinderkardiologe und Kernspin-­Experte Dr. Christian Meierhofer.

Besondere Videobrille verwandelt Kernspin in eine Art Kino

Laut und vor allem eng ist es in der sogenannten „Röhre“. Schon für Erwachsene ist eine Kernspin-Untersuchung keine angenehme Erfahrung – für herzkranke Kinder ist sie regelrecht belastend. 

„Untersuchungen am Herz dauern besonders lang, weil man dabei auch Bilder aufnimmt, wie das Herz schlägt“, sagt Dr. Christian Meierhofer, Oberarzt in der Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie beim Deutschen Herzzentrum in München (DHM). 

Bis zu einer Stunde müssen die kleinen Patienten dafür in der Kernspin-Anlage möglichst ruhig liegen bleiben. Dabei hilft ihnen seit dem Herbst eine besondere Videobrille, die den Kernspin in eine Art Kino verwandelt. 

Ihre Technik ermöglicht es, Filme in der Röhre anzusehen, ohne dass die Bildgebung der Untersuchung gestört wird. „Natürlich können wir den Film so nicht in HD-Qualität zeigen, aber es reicht, damit die Patienten von der unangenehmen Situation gut abgelenkt werden“, so Meierhofer. 

„Untersuchungen am Herz dauern besonders lang, weil man dabei auch Bilder aufnimmt, wie das Herz schlägt“, sagt Dr. Christian Meierhofer, Oberarzt in der Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie (DHM).

Auch, weil der Film so gezeigt wird, als würde er auf einer drei Meter entfernten Leinwand gespielt. 

„Gefühlt fährt man nicht mehr in die Röhre rein, sondern verschwindet in einer anderen Realität“, so der Leiter der Abteilung Kardiovaskuläre Magnetresonanz. „Dadurch können wir jetzt auch einfach vier- oder fünfjährige Kinder einfach untersuchen, bei denen das früher oft nur mit Beruhigungsmitteln möglich war.“ 

Dank einer Kooperation mit Disney stehen dem Herzzentrum in der Neuhauser Lazarettstraße circa 200 Filme zur Verfügung: von Dumbo bis zu Star Wars. 

„Wir haben fast alles schon gesehen – vor allem König der Löwen oder die Eiskönigin werden immer wieder gewünscht“, sagt Meierhofer. Wird es spannend, steige zwar die Herzfrequenz der Patienten. „Das sind aber immer nur kurze Phasen.“ 

Dank Elsa keine Angst vorm Check. Besonders beliebt ist Elsa, die Eiskönigin.

Bilder, die die Herzfrequenz abbilden sollen, würden dann bei anderen Filmszenen gemacht. Ursprünglich entwickelt wurde die Video­brille zu Forschungszwecken. 

„Mit der Brille können Probanden visuelle Reize gegeben werden, während man per Kernspin untersucht, welche Gehirnareale dabei aktiv sind“, erklärt Meierhofer. So wird sie in mehreren deutschen Neurologiezentren auch genutzt. 

Dass die Videobrille zur Beruhigung eingesetzt wird, ist hingegen bundesweit einmalig. Im DHM hat der Kino-Kernspin voll eingeschlagen. Inzwischen bietet ihn Meierhofer für alle Patienten an – unabhängig vom Alter. 

„Auch viele Erwachsene nehmen das dankend an.“ Bei etwa der Hälfte aller Untersuchungen kommen jetzt Filme zum Einsatz. Das soll sogar ausgeweitet werden: 

Wenn das DHM Ende des Jahres eine zweite Kernspin-Anlage bekommt, wird das etwa 40 000 Euro teure Kinosystem gleich mit eingebaut. Die erste Filmausstattung wurde mithilfe von Spenden finanziert.

So funktioniert das Schauen in der Röhre

Damit die Kernspin-Untersuchung nicht gestört wird, darf kein Metall in die Röhre kommen. 

Für die Filmübertragung werden darum die Video- und Audiosignale so umgewandelt, dass sie über metallfreie Lichtwellenleiter in die Videobrille übertragen werden. 

Das Gerät dafür sieht kaum anders aus wie ein gewöhnlicher DVD-Player und steht im Kontrollraum der Ärzte. Als Belohnung dürfen die Kinder ihren Film auch mitnehmen und zuhause zu Ende schauen. Um den Video-Nachschub kümmert sich Disney.

rea

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