Gesundheit: Redakteurin Romy Ebert-Adeikis beim Hallo-Selbstversuch

Acht Stunden mit Gips und Kabeln – So fühlt sich ein Besuch in Münchens ältestem Schlaflabor an

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Na dann, gute Nacht! Mit zig Elektroden, Brust- und Bauchgurt, Schnarchmikrofon und Nasenfühler ist das Schlafen im Labor gar nicht so leicht.

Ruhelos durch die Nacht - so könnte man die Nacht unserer Redakteurin beschreiben: Hallo-Redakteurin Romy Ebert-Adeikis hat den Selbsttest gewagt und acht Stunden im Schlaflabor verbracht

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell testen wir medizinische Angebote im Selbstversuch. Dieses Mal hat Hallo-Redakteurin Romy Ebert-Adeikis das Schlaflabor im Max-Planck-Institut für Psychiatrie in Schwabing besucht.

Kurz nach 23 Uhr: Wie hypnotisiert starre ich auf das rote Leuchten an meinem Zeigefinger. Genauer gesagt auf das Sauerstoffmessgerät, das mir fest an die Hand gebunden ist. Vielleicht zu fest: Mein Arm kribbelt unangenehm. „Wenigstens ein Teil von mir ist eingeschlafen“, denke ich genervt und versuche, mich umzudrehen, ohne eines der 26 Kabel an meinem Körper abzureißen. Dabei will ich gar nicht denken, sondern endlich schlafen! Aber dafür bin ich wohl schlicht zu aufgeregt. Schließlich wacht im Nebenraum eine Nachtschwester per Kamera und Gehirnstromdiagrammen (siehe Bild unten rechts) über meinen Schlaf.

„Der dringende Wunsch, zu schlafen, löst Stress aus – und gestresst kann man nicht einschlafen“, erklärt mir Dr. Pierre Beitinger.

„Der dringende Wunsch, zu schlafen, löst Stress aus – und gestresst kann man nicht einschlafen“, erklärt mir Dr. Pierre Beitinger, Oberarzt des Max-Planck-Instituts (MPI) für Psychiatrie und ab März Leiter des Schlaflabors, später. Darum sind Menschen, die auf ihre täglichen acht Stunden Schlaf pochen laut Beitinger schon nah dran an der häufigsten Schlafstörung: der Insomnie. Bis zu zehn Prozent der Bevölkerung leidet ständig an der Schlaflosigkeit.

Im Schwabinger Schlaflabor versucht man, neurologischen und psychiatrischen Störungen wie Insomnie oder Narkolepsie auf die Schliche zu kommen. „Wir sind weniger auf Atemprobleme spezialisiert, wie die meisten Einrichtungen“, sagt Beitinger. Nichtsdestotrotz: Schnarchmikrofon, Nasenfühler sowie Gurte über Brust und Bauch habe ich dennoch für die Nacht zur Atemkontrolle bekommen. Dazu 24 Elektroden an Kopf, Armen und Beinen, die meine Bewegungen und Gehirnströme messen.

Eineinhalb Stunden hat Schwester Biserka für das Anbringen gebraucht – trotz ihrer 20-jähriger Erfahrung. Hautschuppen müssen entfernt, die Elektroden mit Kontaktpaste angeklebt werden. Wo Haare sind, braucht es sogar Gips und Föhn, um die Technik für die Nacht haltbar zu machen.

Normalerweise bekommen Patienten eine Eingewöhnungsnacht, in der sie nur einen Teil der Kabel tragen. Dafür müssen sie auch tagsüber ran: Es werden zum Beispiel ein EKG und ein Tagschlaftest gemacht. Dabei sollen die Untersuchten fünf Mal am Tag für 30 Minuten schlafen – so findet man die durchschnittliche Einschlafdauer heraus.

In meiner Schlaflabornacht habe ich dafür laut Analyse über eine halbe Stunde gebraucht – wesentlich länger als sonst daheim. Völlig normal, erklärt mir Dr. Beitinger. „Ihre Schlafphasen sind trotzdem fast idealtypisch.“ In dem Fall sollte sich im 90-Minuten-Rhythmus der Schlaf verändern und in der ersten Nachthälfte tiefer sein als in der zweiten. Wie lange ein Mensch aber tatsächlich schlafen sollte, ist individuell. „Zwischen fünf und neun Stunden ist wahrscheinlich am gesündesten“, so Beitinger. „Das Wichtigste ist, dass sie am Morgen erholt sind.“

Als mich Schwester Biserka am Tag nach meinem Test weckt, kann ich das nicht behaupten. Sieben Uhr – das ist einfach nicht meine Zeit. „Ist leider genormt, kann man nicht ändern“, erklärt die Schwester, während sie meine Computerdaten speichert.

„Wer mehr als zwei Wochen so schlecht schläft, dass er am nächsten Tag müde ist – oder gegen seinen Willen tagsüber einschläft – sollte zum Arzt gehen“, rät Beitinger. Für den Anfang genüge aber der Hausarzt, der auch körperliche Gründe abklären kann. Romy Ebert-Adeikis

Das Schlaflabor am Max-Planck-Institut in Schwabing

Am Computer werden die Patienten überwacht.

45 Jahre gibt es das Schlaflabor am Max-Planck-Institut für Psychiatrie bereits – es ist das älteste seiner Art in München. Bis zu 300 Personen übernachten dort jedes Jahr: Patienten, aber auch Probanden für medizinische Studien. Im Keller der Einrichtung sind vier Schlafzimmer eingerichtet, in denen Tageslichtlampen ein Fenster mit Blick ins Freie nachstellen.

Für eine diagnostische Untersuchung braucht man in der Regel eine Überweisung vom Hausarzt oder Nervenarzt. Die meisten Patienten kommen aus der institutseigenen Forschungsklinik.

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