Diakoniewerk München-Maxvorstadt rüstet Ältere für Rückkehr nach Hause

Zurück zu alter Stärke: Weil geriatrische Reha unterfinanziert ist, fehlt es in München an Plätzen

Bei der geriatrischen Rehabilitation wird mithilfe von Gehtraining am Laufband Gleichgewicht und Koordination geschult.
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Bei der geriatrischen Rehabilitation wird mithilfe von Gehtraining am Laufband Gleichgewicht und Koordination geschult.

Sich auch im Alter selbst versorgen können - das ist das Ziel einer geriatrischen Reha. Was diese ausmacht hat Hallo im Diakoniewerk München-Maxvorstadt erfahren.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München Themen der Medizin. Zuletzt drehte sich alles um das Thema Reha. Dieses Mal stellen wir die geriatrische Rehabilitation im Diakoniewerk München-­Maxvorstadt vor, die sich den Bedürfnissen älterer Patienten anpasst. Was das bedeutet und mit welchen Problemen die geriatrische Reha in München zu kämpfen hat, erklärt Chefarzt Dr. Christian Ullrich.

Für jüngere Menschen ist ein Beinbruch schmerzhaft, langwierig – aber selten mit einer dauerhaften Einschränkung verbunden. Im Alter kann das ganz anders sein: „Da fällt für viele regelrecht ein Kartenhaus zusammen. Was vorher gerade noch selbstständig ging, ist auf einen Schlag nicht mehr möglich“, sagt Dr. Christian Ull­rich. Bleibt also nur der Umzug ins Alten- oder Pflegeheim? Nicht, wenn es nach dem Chefarzt des Diakoniewerks München-­Maxvorstadt in der Heßstraße geht.

Die geriatrische Reha gibt es im Münchner Diakoniewerk seit 15 Jahren

Er betreut dort die geriatrische Rehabilitation, die jüngst ihren 15. Geburtstag gefeiert hat. Sie ist vor allem für Patienten gedacht, bei denen aufgrund des Alters mehrere Erkrankungen vorliegen und die durch ein Akutereignis – einen Schlaganfall, eine schwere Lungenentzündung oder einen Bruch – weiter eingeschränkt werden. Das Durchschnittsalter ist 84 Jahre. „Unser Ziel ist es, dass sich die Betroffenen möglichst wieder selbst versorgen können“, so Ullrich. 80 Prozent der bisherigen Patienten konnten nach der Reha in ihre eigenen vier Wände zurückkehren.

Dr. Christian Ullrich ist Chefarzt der Geriatrie beim Diakoniewerk München-Maxvorstadt.

Die Maßnahme geht weit über die Wiederherstellung von Bewegungsabläufen hinaus. „Der Behandlungsplan ist viel individueller als bei einer gewöhnlichen Reha“, sagt Ullrich. Medizinisch geht es nicht nur um die Ausheilung der akuten Erkrankung, „sondern auch darum, die chronischen Probleme der Patienten so einzustellen, dass diese gut damit leben können. Zum Beispiel überprüfen wir, ob alle Medikamente, die der Patient nimmt, noch gebraucht werden.“

Bei Ergotherapie und Pflege steht das Einüben von Alltags­aktivitäten im Fokus: Anziehen, Waschen, Roll­treppe-Fahren. „Zum Teil gehen die Therapeuten auch mit den Patienten in den Supermarkt, um zu sehen, ob sie noch eigenständig einkaufen können.“ Vom ersten Tag der Maßnahme an ist zudem ein Sozialdienst eingebunden.

Bei der geriatrischen Reha steht das Einüben alltagsrelevanter Aktivitäten im Fokus.

In der Regel dauert diese – wie jede andere Reha – drei Wochen. „Das ist aber eigentlich zu wenig“, sagt Ullrich. Er plädiert für mindestens vier Wochen. „Gerade Ältere brauchen Zeit zur Eingewöhnung und wir haben ja auch häufig Patienten mit kognitiven Einschränkungen wie Demenz.“ Gleichzeitig brauchten die betagten Patienten mehr Ruhepausen zwischen den einzelnen Therapieeinheiten.

Nur 62 Plätze für geriatrische Rehabilitation in ganz München

Und noch ein Problem sieht der Chefarzt, der auch Vorstandsvorsitzender des Landesverbands Geriatrie ist: „Nicht alle Krankenkassen übernehmen die Kosten für die geriatrische Reha“, so Ullrich. Auch für die Träger ist diese ein Zuzahlgeschäft. „Darum wird sie leider weniger angeboten, als sie gebraucht wird.“

Vor allem in München: Insgesamt 62 stationäre Plätze – davon 42 im Diakoniewerk – gibt es in der Landeshauptstadt und damit genauso viele wie im Landkreis Dachau. Der hat aber nur ein Zehntel der Einwohner. Ein Ausbau ist auch gesellschaftspolitisch notwendig. Ullrich: „Wir müssen die Pflegebedürftigkeit der Menschen nach hinten verschieben, weil wir nicht genug Kapazitäten haben, insbesondere beim Personal.“

AOK-Experte zur Reha-Bürokratie (7)

Kann eine Rehabilitation wiederholt werden?

Markus Fink: „Grundsätzlich haben Sie erst nach dem Ablauf von vier Jahren erneut Anspruch auf eine medizinische Reha. Eine Rehabilitation kann aber im Ausnahmefall auch innerhalb der Vier-Jahres-Frist bewilligt werden, wenn sie aus medizinischen Gründen dringend erforderlich ist.

Der Artikel ist Teil unserer aktuellen Gesundheitsserie. Zuletzt ging es in dieser um die medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation und um die Wiederherstellung von Beweglichkeit und Kraft nach einer Operation.

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