Blick in verschlossene Buden

Adventsserie (6): Die Münchner Feuerzangenbowle im Innenhof des Isartors - Wenn der Zuckerhut brennt

Dieses Jahr bleibt der Andrang bei der Feuerzangen Bowle am Isartor aus.
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Dieses Jahr bleibt der Andrang bei der Feuerzangen Bowle am Isartor aus.

Hartmut Senkel und Jan Oltznaur verkaufen jedes Jahr Feuerzangenbowle am Isartor. Dieses Jahr wird der Stand nicht aufgbaut - dafür gibt‘s das Heißgetränk online.

Corona-bedingt wurden alle Münchner Adventsmärkte abgesagt. In dieser Serie bringen wir einige der Budenbesitzer mittwochs und samstags quasi zu Ihnen nach Hause – und verraten, wie sehr sie der Ausfall schmerzt und ob man ihre Produkte heuer andernorts erwerben kann.

Die hellen Flammen lodern über dem großen Kupferkessel, über dem ein in Rum getränkter Zuckerhut liegt – sie tauchen den Innenhof des Isartors in warmes Licht. Seit 2005 organisieren Hartmut Senkel und Jan Oltznauer „Die Münchner Feuerzangenbowle“, fangen jeden Tag um 9 Uhr morgens an und sind um halb zwölf nachts mit dem Aufräumen fertig.

„Es ist eine sonst unbesinnliche und familienunfreundliche Zeit für Veranstalter“, sagt Oltznauer. Traurig, dass das Event heuer ausfallen muss, ist er dennoch: „Unser Equipment lagert in Hallen. Es ist wie mit einer Modelleisenbahn, die man zum Spielen rausholt – und die diesmal verschlossen bleiben muss.“

Jan Oltznaur (50)

Vor 15 Jahren saßen Stammgast Senkel, der unter anderem das Open-Air-Kino im Viehhof betreibt, und Wirt Oltznauer an der Bar in dessen Valentin-Stüberl. „Wir hatten eine Schnaps-Idee“, erinnert sich Senkel. „Kino ist meine Leidenschaft. Ich wollte schon immer den Heinz-Rühmann-Film Die Feuerzangenbowle in einer Winterlandschaft zeigen.“ Die Stadt habe den beiden den „toten Platz“ im Isartor angeboten, sie schlugen zu und haben passend zum Film eigenhändig das Getränk kreiert.

Feuerzangenbowle am Isartor: Jeder Jahrgang schmeckt anders

„Im ersten Jahr waren wir tatsächlich so wahnsinnig und haben alles selber gemacht. Die erste Mischung steht heute noch bei Papa im Tresor“, verrät Senkel. Mittlerweile gibt der Produzent jedes Jahr fünf Testversionen an die Veranstalter, die dann gemeinsam mit Freunden verkostet und gegebenenfalls noch modifiziert werden. „Jeder Jahrgang schmeckt anders. Wir haben immer den Anspruch, dass keine Kopf- oder Magenschmerzen entstehen“, so Oltznauer.

Hartmut Senkel (55)

Nebenbei haben sie auch immer Kesselabfüllungen in der Flasche verkauft, die immer beliebter wurden. „Vor eineinhalb Jahren dachten wir uns also: Jetzt machen wir das absolute Premiumprodukt“, sagt Senkel. Das Ergebnis ist vor wenigen Wochen fertig geworden und heißt „wohlig“ (www.wohlig-shop.de) – eine fertige Mischung Feuerzangenbowle fürs heimische Wohnzimmer.

Der Zeitpunkt war wohl Glück im Unglück. „Wir sind froh, dass wir von der Straße weg sind und nicht in eine Winter-Depression verfallen“, sagt Senkel. Und die Hoffnung für kommendes Jahr geben die zwei nicht auf. „Sonst wären wir schon ruiniert“, sagt Oltznauer.

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